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03.05.2017

15:42 Uhr

Cyberkriminalität

BKA-Chef will Cybercops einführen

Ob Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – Cyber-Kriminalität ist eine wachsende Bedrohung. Kriminelle unterhalten florierende Unternehmen und sind erfolgreich vernetzt. Das BKA will dem mit Cybercops entgegentreten.

Der BKA-Präsident macht auf die Gefahren von Cyberkriminalität aufmerksam. dpa

Holger Münch

Der BKA-Präsident macht auf die Gefahren von Cyberkriminalität aufmerksam.

BerlinRund 83.000 Fälle von Cybercrime hat die Polizei nach Angaben des Bundeskriminalamts 2016 in Deutschland erfasst. Dabei sei ein Schaden von über 51 Millionen Euro entstanden, sagte BKA-Präsident Holger Münch am Mittwoch auf einer Fachtagung in Berlin. „Polizeiliche Statistiken und Lagebilder spiegeln aber nur einen kleinen Teil der Realität wider.“ Auch Sandro Gaycken, Direktor des Digital Society Institute verwies auf das große Dunkelfeld. Der tatsächliche Schaden sei deshalb schwer zu schätzen. Deutschland sei als Industrieland jedoch mehr als viele andere Länder betroffen.

Cyberkriminelle hätten sich in den vergangenen Jahren professionalisiert und oft eine klassische Entwicklung „von der Garage zum Großkonzern“ durchlaufen, daneben gebe es auch „gute“ Mittelständler, sagte Gaycken. Auch viele klassische Deliktfelder wie der Handel mit Drogen oder Waffen sei längst ins Internet abgewandert, sagte Markus Koths, beim BKA Leiter der Gruppe Cybercrime. Die Kriminalität habe sich zu einem hoch organisierten und arbeitsteiligen Dienstleistungsgewerbe entwickelt. Allein für Privatpersonen sei in Deutschland 2015 nach Schätzungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung DIW ein Schaden von 3,4 Milliarden Euro entstanden.

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Heute würden so viele Daten produziert wie in der gesamten Menschheitsgeschichte zuvor, erklärte Münch. Straftätern böten sich durch die Digitalisierung immer neue Angriffspunkte. Kriminalität werde digitaler, vernetzter, internationaler. Sie operierten innovativ und anpassungsfähig und bedienten sich neuster Technologien. Digitale Kompetenzen seien für die Ermittler deshalb von entscheidender Bedeutung. „Dem müssen wir bei der Fortentwicklung unseres Berufsbildes hin zu einem Cybercop Rechnung tragen.“ Münch plädierte auch für „Streifen im digitalen Raum“, etwa in sozialen Netzwerken.

Es gehe dabei auch um eine beschleunigte Anpassungsfähigkeit, um mit den Veränderungen Schritt zu halten. „Wir dürfen den Tätern nicht zu Fuß hinterherlaufen.“ Und die Ermittlungsbehörden müssten der hochvernetzten Cyber-Kriminalität ebenfalls ein leistungsfähiges Netzwerk gegenüber stellen. Netzwerkarbeit sei ein wichtiger Bestandteil erfolgreicher Polizeiarbeit. Die diesjährige Konferenz des BKA in Berlin sei dafür ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Sie wurde erstmals gemeinsam mit den Vereinen Digital Society Institute (DSI) und dem German Competence Centre against Cyber Crime veranstaltet.

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Passwort mit weniger als acht Zeichen

Das zu knacken, dauert in der Regel nicht einmal eine Minute. Längere Passwörter sind zwar sicherer, empfehlenswert ist dennoch die Kombination mit einer weiteren Authentifizierungsmethode - beispielsweise einer Smartcard. Eine solche Zwei-Faktor-Authentifizierung bietet einen zuverlässigen Schutz und hilft, Sicherheitsrisiken zu vermeiden.

Verschiedene Schlüssel

Wer schon einmal seine Geldbörse oder seine Schlüssel verloren hat, weiß: Je mehr Schlüssel und je mehr Karten man besitzt, desto mehr Schlösser sind im Fall eines Verlusts oder Diebstahls auszutauschen und desto mehr Karten zu sperren. Wer sämtliche Zugänge auf einer geschützten Karte speichert, hat nicht nur eine bessere Übersicht über seine Datenträger, sondern muss sich bei Verlust auch nur noch um die Sperrung einer einzigen Karte kümmern.

Das passiert nur den anderen

Kein Unternehmen ist zu klein oder zu unwichtig für einen Cyberangriff. Zwar setzen viele IT-Chefs als gefährlich eingestufte Webseiten und Programme auf eine Blacklist - sicherer aber ist es, die als ungefährlich geltenden Programme über Whitelists zu erlauben und alle anderen Programme grundsätzlich zu blockieren. Whitelisting eignet sich besonders für vernetzte Geräte, die nur zu bestimmten Zwecken, aber von vielen verschiedenen Personen genutzt werden und selten Updates benötigen, etwa Drucker.

Unbekannte Links

Wer sie anklickt, lädt Erpresser geradezu ein: Die Wahrscheinlichkeit, Opfer dieser Form von Schadsoftware zu werden, hat sich 2016 noch einmal deutlich erhöht. Entdeckt wird eine Infektion mit Ransomware jedoch meist erst, nachdem das Programm die Daten des Nutzers verschlüsselt und unzugänglich gemacht hat. Um wieder auf die Daten zugreifen zu können, muss der Nutzer ein Lösegeld zahlen.

Updates alle drei Jahre

Eine Site, die nicht aktualisiert wird, ist ein Einfallstor für Datendiebe. Wer die Wartung und das Aktualisieren von Plug-Ins ignoriert und sich auf Instandhaltungsarbeiten alle drei Jahre verlässt, macht sich selbst zur Zielscheibe für alle, die Geheimnisse stehlen wollen. Also bitte keine Website online stellen und sie dann sich selbst überlassen.

Quelle: Creditreform 02 2017

Als Beispiel erfolgreicher Zusammenarbeit nannte Emily Haber, Staatssekretärin des Innenministeriums, die Aufklärung des jüngsten Angriffs auf Router der Deutschen Telekom, der eine große Zahl von Nutzern vom Netz abgeschnitten hatte. Keine drei Monate später sei ein britischer Staatsangehöriger als mutmaßlicher Täter verhaftet worden. Das sei ein enormer Erfolg gewesen, sagte Haber. Möglich sei das durch eine gute internationale Kooperation der Behörden und Unternehmen gewesen. „Wir müssen unsere Kräfte bündeln.“

Zugleich müsse auch das Strafgesetzbuch entsprechend aktualisiert werden. Deutschland sei Verschlüsselungsstandort Nummer eins, aber Sicherheitsbehörden müssten nötigenfalls die Verschlüsselung auch umgehen können. Stellvertretend für eine verbesserte Zusammenarbeit nannte Haber die neue Zentrale Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich „Zitis“ in München, die alle Sicherheitsbehörden beraten und mit Werkzeugen unterstützt.

Von

dpa

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