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03.08.2016

13:29 Uhr

DAK-Report

Der kranke Deutsche

VonPeter Thelen

In Deutschland ist der Krankenstand so hoch wie seit 20 Jahren nicht mehr. Statistiken zeigen: Es gibt einen direkten Zusammenhang zur Wirtschaftslage. Feiern die Deutschen gerne krank?

Der Krankenstand in Deutschland ist so hoch wie seit 20 Jahren nicht mehr. dpa

Wie krank ist Deutschland?

Der Krankenstand in Deutschland ist so hoch wie seit 20 Jahren nicht mehr.

BerlinIst Deutschland ein Volk von Krankmachern? Fast könnte man das glauben, schaut man sich die aktuelle Krankenstandsentwicklung bei der Deutschen Angestelltenkrankenkasse an. Auf 4,4 Prozent ist danach im ersten Halbjahr 2016 der Krankenstand bei den 2,6 Millionen erwerbstätigen Versicherten der drittgrößten deutschen Krankenkasse gestiegen. Das sind 0,3 Prozentpunkte mehr als im ersten Halbjahr 2015.

Die Zahlen sind annähernd repräsentativ für die gesamte deutsche Erwerbsbevölkerung. Im Durchschnitt fehlte danach jeder Arbeitnehmer wegen Krankheit 7,9 Tage an seinem Arbeitsplatz. Vor Jahresfrist waren es noch 7,4 Tage. So hoch war der Krankenstand zuletzt vor 20 Jahren. Mehr als jeder dritte Berufstätige wurde mindestens einmal krankgeschrieben. Im Schnitt dauerte eine Erkrankung jedoch länger als die Krankschreibung, nämlich 12,3 Tage. Im Vorjahr waren es noch 11,7 Tage.

Trotzdem warnen Arbeitswissenschaftler vor Panikmache. Im Langzeitvergleich sei der Krankenstand nicht besorgniserregend hoch, so Jörg Marschall vom IGES-Institut, das die Gesundheitsdaten der DAK ausgewertet hat. Tatsächlich belegen Daten des Bundesgesundheitsministeriums, dass der Krankenstand in früheren Zeiten schon einmal deutlich höher war. So waren in den 1970er-Jahren Krankenstände von über fünf Prozent an der Tagesordnung. Erst in den Jahren nach der Wiedervereinigung gingen die Krankenstände deutlich zurück.

Damals waren die Arbeitslosenquoten in Deutschland noch viel höher. Die Wirtschaft kriselte. 2007 erreichte der Krankenstand der Deutschen mit 3,2 Prozent den niedrigsten Stand seit 1975. Seither geht es wieder aufwärts. Die Daten belegen, wie stark der Krankenstand in Deutschland noch immer von der Wirtschaftslage abhängt. Es gebe einen statistisch belegbaren Zusammenhang zwischen Konjunkturentwicklung und Krankenstand.

„In Zeiten, in denen die Menschen ihren Arbeitsplatz eher gefährdet sehen, melden sie sich eher nicht krank, obwohl es ihnen schlecht geht“, so Marschall. In besseren Zeiten sind sie dagegen eher bereit sich auszukurieren. „Das Vorurteil, dass Arbeitnehmer in wirtschaftlich guten Zeiten gerne öfter mal blau machen, weil sie keine Lust zum Arbeiten haben, lässt sich so generell aber nicht bestätigen.“

Auch in der aktuellen guten Arbeitsmarktlage gehen fast zwei Drittel der Arbeitnehmer mindestens einmal im Jahr trotz Krankheit zur Arbeit. Die Experten sprechen vom „Präsentismus“. Arbeitnehmer tauchen trotz Krankheit am Arbeitsplatz auf, sind aber nicht leistungsfähig also im Wesentlichen vor allem anwesend oder „präsent“. Arbeitgeber gefällt das in der Regel eher nicht, zumal jemand der lange trotz Krankheit zur Arbeit geht, wohlmöglich am Ende schwerer erkrankt und dann umso länger seine Arbeitskraft nicht einsetzen kann.

Kommentare (37)

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Herr Toni Ebert

03.08.2016, 13:37 Uhr

Als Stift war ich auch so eine faule Socke und habe gerne krank gefeiert. naja, war nicht so schlimm, denn wir haben nur Lehr-Stücke hergestellt, die nach der Vermessung zersägt wurden.

Später (nach dem Studium) war ich nie krank, denn die Arbeit hat mir Spaß gemacht. Jeden Morgen bin ich mit Freude zur Arbeit und auch noch heute springe ich mit Freude aus dem Bett, weil ich mit dem Online-Handel an unserem Reichtum arbeiten will.

Herr Franz Paul

03.08.2016, 13:38 Uhr

Arbeiten gehen lohnt sich ja auch für einen normalen Deutschen nicht mehr.
Wenn einer zusehen muss, dass die Invasoren alles umsonst bekommen, die Asozialen auch, und er bloß geschröpft wird, dafür aber immer länger arbeiten soll, um diese Gruppen durchzufüttern, dann verstehe ich jeden, der darauf keinen Bock mehr hat, und verweigert, oder vor lauter Frust wirklich krank wird.

Herr Peter Noack

03.08.2016, 13:41 Uhr

Für wen arbeitet sich der Deutsche krank und alt?
Für das Unternehmen und den Arbeitgeber.
Soll der Arbeitnehmer dafür, dass er Gesundheit und Jugend im Betrieb lässt auch das alleinige Risiko tragen? Was meinen die Arbeitgeber und ihre Verbände? Gibt es überhaupt einen Unterschied zwischen privaten, öffentlichen oder konfessionellen Arbeitgebern?

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