Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.05.2013

07:58 Uhr

„Das ist Verleumdung“

Steinbrück verteidigt seinen Wahlkampfmanager

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück stellt sich hinter seinen Wahlkampfmanager Heiko Geue. Zuvor wurde gegen diesen eine Ermittlung wegen Untreue eingeleitet. Geue selbst erstattet nun auch eine Anzeige.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sieht in der Anzeige gegen Geue eine Verleumdungskampagne. dpa

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sieht in der Anzeige gegen Geue eine Verleumdungskampagne.

MainzNach der Einleitung von Ermittlungen wegen Untreue gegen seinen Wahlkampfmanager Heiko Geue hat sich SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hinter seinen Berater gestellt. "Er ist ein ehrbarer Mann", sagte Steinbrück am Montagabend im "heute-journal" des ZDF über Geue, gegen den die Staatsanwaltschaft Magdeburg demnach wegen des Verdachts der Untreue ermittelt. Es handele sich "um eine anonyme Anzeige, auf die die Staatsanwaltschaft pflichtgemäß reagieren muss".

Steinbrück führte aus, Geue habe selbst "heute Anzeige gestellt gegen Unbekannt mit Blick auf die damit verbundene Verleumdung". Sein Wahlkampfmanager habe sich "nichts vorzuwerfen". "In meinen Augen ist es ein Beitrag, die Wahlkampfstrategie der SPD zu verunsichern", sagte Steinbrück dem "heute-journal".

Der SPD-Kanzlerkandidat verteidigte überdies seine Entscheidung, mit IG BAU-Chef Klaus Wiesehügel einen der einst schärfsten Kritiker der Agenda 2010 in sein Schattenkabinett geholt zu haben: "Mir ist ein Gewerkschafter lieber, der seine Meinung offen kundtut und in der SPD bleibt, als diejenigen, die sich über diese Kritik dann vom Acker gemacht haben."

Steinbrücks Hintermannschaft

Kleines Team von Vertrauten

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat ein kleines Team von Vertrauten um sich geschart, die ihn beraten sollen – und die Krisenmanagement betreiben müssen, wenn der Kandidat mit seinen lockeren Sprüchen für Wirbel sorgt. Zum Teil gehörten Steinbrücks Berater bereits zum engen Kreis um Altkanzler Gerhard Schröder und Ex-Parteichef Franz Müntefering.

Andrea Nahles

Nach Kompetenzgerangel übernimmt Generalsekretärin Andrea Nahles die Hauptverantwortung für die gesamte Wahlkampagne. Enge Vertraute Steinbrücks verlieren bisherige Zuständigkeiten. Steinbrücks Kampagnenleiter Heiko Geue wird von einigen im Willy-Brandt-Haus kritisch beäugt.

Rolf Kleine

Rolf Kleine ist ein alter Hase des Berliner Politikbetriebs. Der gelernte Redakteur arbeitete lange in verschiedenen Positionen für die „Bild“-Zeitung. Ende 2011 verließ er den Springer-Konzern, um als Head of Public Affairs die politische Kommunikation des Immobilienkonzerns Deutsche Annington zu verantworten. Rolf Kleine ist 52 und gilt als meinungsstark, erfahren und gut vernetzt.

Kleine arbeitete unter anderem bei den „Westfälischen Nachrichten“, der Nachrichtenagentur ddp und der „Berliner Zeitung“. Insgesamt 17 Jahre schrieb er für Springer, zuletzt mehrere Jahre vor seinem Ausscheiden als Co-Leiter des Hauptstadtbüros. „Bild“ hatte damals mitgeteilt, Kleine gehe auf eigenen Wunsch.

Kleine war regelmäßig Gast in Talkshows und Fernsehmagazinen, so auch bei N24 im „Politischen Quartett“. Titel einer Jubiläumssendung vor fast genau 10 Jahren, im April 2003: „Lust am Untergang - Stürzt die SPD ihren Kanzler?“ Die Deutsche Annington, die Kleine nun wieder verlässt, gehört nach eigenen Angaben mit rund 180 000 eigenen Wohnungen und etwa 2400 Mitarbeitern zu den führenden deutschen Wohnungsunternehmen.

Hans-Roland Fäßler

Der Medienprofi gilt als sehr gut vernetzt. Anders als Donnermeyer ist er nicht in der Parteizentrale angesiedelt, sondern soll von außen Steinbrück den Weg zu führenden Medienvertretern ebnen. Fäßler war erst für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dann für die Medienkonzerne Gruner & Jahr und Bertelsmann tätig. Zu seinen Freunden zählt der frühere Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, der inzwischen nicht mehr der SPD angehört. Fäßler soll hinter dem verunglückten Internetportal „PeerBlog" gestanden haben.

Matthias Machnig

Thüringens Wirtschaftsminister gilt als einer der wichtigsten politischen Berater Steinbrücks. Machnig leitete 1998 und 2002 erfolgreich die Wahlkämpfe Gerhard Schröders. Auch mit Müntefering arbeitete er eng zusammen, als dieser erst Generalsekretär und später dann Parteichef war. Nach 2002 war Machnig zeitweise für die Consulting-Firma BBDO tätig, die zahlreiche deutsche Konzerne berät, später für das Beratungsunternehmen Booz Allen Hamilton. Auch Machnig arbeitet als externer Ratgeber für Steinbrück, weswegen er sein Regierungsamt in Erfurt weiter ausübt.

Heiko Geue

Heiko Geue ist Steinbrücks Kampagnenleiter. Wegen dieser Funktion ließ er sich von seinem bisherigen Posten als Finanzstaatssekretär in Sachsen-Anhalt beurlauben. Ein Rückkehrrecht ist jedoch rechtlich umstritten. Auf Veranlassung von Sachsen-Anhalts Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) verlor Geue daher seinen Job. In der Ära Schröder war Geue einer der Architekten der Agenda 2010 gewesen. Damals war er unter anderem als persönlicher Referent von Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier tätig. In der Zeit der großen Koalition koordinierte Geue den Leitungsstab des Bundesfinanzministeriums für den damaligen Ressortchef Steinbrück. Geue ist mit Steinbrücks Büroleiterin Sonja Stötzel liiert.

Timo Noetzel

Der Politikwissenschaftler gehört seit Anfang Februar zu Steinbrücks Mannschaft. Noetzel soll für den Kandidaten kampagnenfähige Themen identifizieren. Er war bisher Leiter des Politik- und Analysestabs der Münchner Sicherheitskonferenz sowie Vorstandsmitglied der Berliner Denkfabrik „Stiftung neue Verantwortung".

Torsten Schäfer-Gümbel

Steinbrück selbst nennt den hessischen SPD-Chef als Berater in Finanzmarktfragen. Der eher dem linken Parteiflügel zugerechnete „TSG" gehört aber wohl nicht zum engeren Umfeld des Kandidaten.

Jarmila Schneider

Mit ihr gehört neuerdings auch eine Frau zu Steinbrücks Beraterstab. Jarmila Schneider unterstützt seit Mitte Februar als zweite Pressesprecherin den Hauptsprecher Donnermeyer. Sie war bisher Sprecherin der bayerischen SPD.

Seine erneute Beteiligung an einer großen Koalition unter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schloss Steinbrück aus. "Sekt oder Selters. Wenn man in einen solchen Wahlkampf geht, muss man den Menschen klar signalisieren, was man gerne möchte - man darf sie nicht hinter die Fichte führen", sagte der SPD-Politiker. Er stehe für eine rot-grüne Regierung zur Verfügung und "würde nicht erneut in ein Kabinett gehen, das von Frau Merkel geführt wird".

Von

afp

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

14.05.2013, 10:37 Uhr

Also -

Seehofer (Amigo, Höneß) , Steinbrück (Geue) - wer kommt als nächstes?

Mal abgesehen von laufenden Prozessen. Die dauern sicher noch bis 9/22.

Account gelöscht!

14.05.2013, 13:03 Uhr

"Er ist ein ehrbarer Mann" Weshalb muss ich spontan an die ehrbare Gesellschaft denken?
Heutzutage ist die Selbstbereicherung in Politikerkreisen zum Standard geworden. Linke Parolen und im engsten Stab bekommen Personen, welche überdurchschnittlich verdienen den Hals nicht voll genug. [] Um ein Haar hätte ich jetzt etwas unanständiges geschrieben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×