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16.07.2011

16:43 Uhr

Datenklau

Hacker-Angriff auf Zoll schwerer als bislang bekannt

Die Folgen eines Hacker-Angriffs auf deutsche Ermittlungsbehörden sollen deutlich größer sein als bisher bekannt. Schlamperei beim Schutz der Daten machte den Angriff überhaupt erst möglich.

Vor gut einer Woche wurde der Zoll Opfer eines Hackerangriffs. Die Folgen sind offenbar größer, als bislang gedacht. Quelle: dpa

Vor gut einer Woche wurde der Zoll Opfer eines Hackerangriffs. Die Folgen sind offenbar größer, als bislang gedacht.

BerlinNach der Attacke mussten das Bundeskriminalamt (BKA), alle Landeskriminalämter, der Zoll und die Bundespolizei sämtliche Server abschalten, die dazu dienen, Schwerkriminelle und Terrorverdächtige zu observieren, berichtet "Focus Online". Die Bundespolizei stellte laut „Bild am Sonntag“ inzwischen Strafanzeige. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) beklagt grundsätzliche Probleme im Bereich der Informationstechnik.

Vor gut einer Woche waren Hacker auf einen Server des Zolls eingedrungen. Sie nahmen das Observationsprogramm „Patras“ ins Visier, auf das mehrere Ermittlungsbehörden des Bundes zugreifen, darunter die Bundespolizei. Die Hacker veröffentlichten die erbeuteten Daten im Internet.

Hintergrund des Angriffs war laut „Focus Online“ Schlamperei in der Bundespolizei-Kaserne im nordrhein-westfälischen Swisstal-Heimerzheim, in dem der zentrale Server für „Patras“ steht. Die Webseite beruft sich auf geheime Berichte des Zollkriminalamtes (ZKA) an das Bundesfinanzministerium.

Mit dem Spähprogramm „Patras“ arbeiteten alle Landeskriminalämter, das BKA und der Zoll. Als zentraler Dienstleister betreue die Bundespolizei von Swisstal-Heimerzheim aus das deutsche Observationsnetz. Sie habe die dafür verwendeten Server aber nur mit einer Billig-Software geschützt. Zudem monierten laut „Focus Online“ Experten des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in einem streng geheimen Report an den Bundesinnenminister, dass bei dem gehackten Server „grundlegende Sicherheitsempfehlungen missachtet“ worden seien, etwa beim Umgang mit Passwörtern.

Hacker sollen über Monate Trojaner benutzt haben

Die Bundespolizei stellte nach Informationen der „Bild am Sonntag“ bei der Staatsanwaltschaft Karlsruhe Strafanzeige gegen unbekannt. Es gehe um den „Verdacht des Ausspähens vertraulicher Daten“. Die Hacker hätten sich über mehrere Monate unbemerkt mit sogenannten Trojanern Zugang zu der Datenbank verschafft. Trojaner sind Programme, die verdeckt auf einem Computer arbeiten und zum Beispiel unbemerkt Informationen abfangen und weiterleiten können.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert wegen der Hacker-Attacke eine „sofortige Überprüfung der Sicherheit der Informationstechnik der Bundespolizei in allen Bereichen“. Bis dahin müssten die Datensysteme soweit zurückgefahren werden, dass kein weiterer Schaden mehr entstehen könne, sagte der Vorsitzende des GdP-Bezirks Bundespolizei, Josef Scheuring, am Samstag in Berlin.

Scheuring kritisierte, die Neuordnung der Informations- und Kommunikationstechnik „im Zuge der letzten Neuorganisation der Bundespolizei“ sei von Anfang an „sehr schlecht gelaufen“. Es bestehe „eine hohe Misstrauenskultur gepaart mit massiven Führungsproblemen“ in diesem Bereich.

 

Von

dapd

Kommentare (4)

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SeeTeufel

16.07.2011, 17:15 Uhr

Das kommt vom sparen und lügen. Gibt genug Freaks, die das sicher Sicherer gemacht hätten und angeblich nicht tauglich in den Augen von Scheuring und Co. sind. Wie heisst es so schön: Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.
Geschieht euch recht. Vielleicht kommen endlich mal ein paar wahrheiten ans Tageslicht

Account gelöscht!

16.07.2011, 21:53 Uhr

Das sieht mir ganz nach einer symbolischen Aktion eines Anonymousablegers aus. Die Hacker observierten offensichtlich monatelang das zentrale Observationsnetz der Bundespolizei. Da hat wohl jemand mal den Spiess umgedreht und den allwissenwollenden Beobachter beobachtet.
Applaus, Applaus!
Allerdings gehe ich davon aus, dass diese aufflackernden Fünkchen Widerstand "dem System" in Zukunft wiedermal als Rechtfertigung dienen werden, das Netz mit einem noch grösseren Flammenwerfer ausleuchten zu dürfen. Der große Bruder wird den vermeintlichen Cyberterroristen immer eine Nasenlänge voraus sein, denn er kann sich seiner Rechtshoheit bedienen. Um ihm nicht auch noch die Deutungshoheit zu überlassen:
Weiter so, Kleiner Bruder!

imao

16.07.2011, 23:40 Uhr

Cool down.

Der deutsche Zoll, die Pickelhaube beim Geldeintreiben und Gäste vergraulen: die ultimative Waffe gegen Gastfreundschaft.

Bei dem Geld was der Laden hereinholt ist das allerdings ne Megapleite, sich von Adoelszenten dermaßen vorführen zu lassen.

Zoll: das sind auf der ganzen Welt kleine Sackgreifer, denen es zu gut geht.

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