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06.08.2015

16:58 Uhr

DDR-Forschung

Zahlreiche Stasi-Spitzel unter West-Neonazis

Der Arm der Stasi reichte weit. Sie setzte im Westen geheime Mitarbeiter und Zuträger ein. Aus dem rechten Spektrum wurden mehr Informationen gefischt als bisher vermutet. Alte Fälle könnten so in neuem Licht erscheinen.

Der überwiegende Teil der in der rechten Szene geführten Stasi-Spitzel ist in den 80er Jahren angeworben worden. ap

Archiv mit Stasi-Unterlagen

Der überwiegende Teil der in der rechten Szene geführten Stasi-Spitzel ist in den 80er Jahren angeworben worden.

BerlinDas DDR-Ministerium für Staatssicherheit (MfS) hat die rechtsextreme Szene in der Bundesrepublik stärker beobachtet als bislang bekannt. Dokumente aus dem Stasi-Archiv enthielten Hinweise auf viele IM (Inoffizielle Mitarbeiter) sowie weitere Quellen in der westdeutschen Neonazi-Szene, sagte die Sprecherin der Stasi-Unterlagen-Behörde, Dagmar Hovestädt, am Donnerstag. Zuerst hatte die „Berliner Zeitung“ (Donnerstag) darüber berichtet.

Es sei dem MfS vor allem darum gegangen, Anschläge auf die innerdeutsche Grenze frühzeitig zu vereiteln, so die Sprecherin. Auch sollte eine stärkere Vernetzung der rechtsextremen Szene in beiden Teilen Deutschlands verhindert werden. In einem Stasi-Bericht vom Oktober 1989 hieß es laut Zeitung, dass sowohl Kontakte von rechten DDR-Jugendlichen zu BRD-Nazigruppen als auch Nazi-Aktivitäten in der DDR zunähmen.

Nach dem Zeitungsbericht hatte das Stasi-Ministerium unter Erich Mielke mindestens 42 IM unter westdeutschen Neonazis und in deren unmittelbarem Umfeld. Weitere fast 30 Rechtsextremisten seien als IM-Vorläufe registriert. Das bedeute, ihre Anwerbung als Spitzel sei vorbereitet worden. Hinzu seien noch vier weitere Informanten gekommen, die einen loseren Kontakt zum MfS unterhielten. Die meisten seien in den 80er Jahren angeworben worden. Zuständig gewesen sei die Hauptabteilung XXII, deren Aufgabe die Terrorabwehr war. Auch andere Stasi-Abteilungen des Ministeriums seien involviert gewesen, hieß es. So gehe aus den Akten hervor, dass ein Westagent der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA – zuständig für Auslandsspionage) Informationen über die militante Neonazi-Organisation „Wehrsportgruppe Hoffmann“ geliefert habe.

Die Akten über IM, die im rechten Spektrum agierten, könnten auch für aktuelle Ermittlungen der Bundesanwaltschaft zu Hinterleuten und Mittätern des Oktoberfestattentats von 1980 von Belang sein, schrieb das Blatt. Bei dem Anschlag am 26. September 1980 waren 13 Menschen getötet und weitere 211 Personen zum Teil lebensgefährlich verletzt worden. Unter den Toten war auch der Attentäter, der 21-jährige Student Gundolf Köhler, Anhänger der „Wehrsportgruppe Hoffmann“. Er wurde als Einzeltäter angesehen. An dieser Theorie gab es aber immer Zweifel.

Die Bundesanwaltschaft hatte zuletzt im Februar erklärt, bereits in der Vergangenheit seien Hinweise in Stasi-Akten auf das Oktoberfestattentat eingehend gesichtet und hochrangige Offiziere des MfS befragt worden.

Dass die Stasi auch die rechtsextreme Szene „auf dem Radarschirm“ hatte und IM in deren Mitte führte, zeigt nach Ansicht von Sprecherin Hovestädt, dass die Geheimpolizei weltanschaulich über ihren Schatten sprang, wenn ihr Auftrag als „Schild- und Schwert“ der SED-Partei es erforderlich gemacht habe.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Frau Margrit Steer

06.08.2015, 17:57 Uhr

Das ist doch klar. Das wundert mich nun überhaupt nicht.
Deswegen wird ja auch die DDR-Geschichte nicht aufgearbeitet.
Es geht auch keiner auf die Straße und fordert das, so wie wir in den 60er Jahren
Der Bundestag ist doch auch voller alter Kader

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