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27.10.2014

17:13 Uhr

DDR im Herbst 1989

Die Planwirtschaft am Boden

Nicht nur politisch ist das SED-Regime im Herbst 1989 kurz vor dem Ende – auch die Wirtschaft liegt am Boden. Die DDR hat über ihre Verhältnisse gelebt und die Last auf die Schultern der Bevölkerung verteilt.

Mangelwirtschaft kurz vor dem Zusammenbruch: Käufer stehen 1989 in Leipzig Schlange vor einem Obst- und Gemüsestand. dpa

Mangelwirtschaft kurz vor dem Zusammenbruch: Käufer stehen 1989 in Leipzig Schlange vor einem Obst- und Gemüsestand.

BerlinIn den Läden herrscht Mangel – in der Bevölkerung Spott. „Kommt eine Frau in ein Geschäft und fragt den Verkäufer: „Haben Sie Bettwäsche?“ – Der Verkäufer antwortet gelangweilt: „Wir haben keine Handtücher, keine Bettwäsche gibt es nebenan.“ Die DDR-Wirtschaft hat aber noch ganz andere Probleme.

Viele Industrieanlagen sind im Jahr 1989 veraltet, die Arbeitsproduktivität sinkt seit Jahren. Viele Betriebe arbeiten nicht effizient genug, Produkte etwa aus dem Maschinenbau oder der Elektrotechnik sind auf dem Weltmarkt immer weniger konkurrenzfähig. Die DDR ist hoch verschuldet, es droht die Zahlungsunfähigkeit.

„Der politische Zusammenbruch hat den wirtschaftlichen Zusammenbruch vorweggenommen“, sagt der Historiker Matthias Judt vom Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) in Potsdam. „Es kam beides zusammen: der Freiheitswillen der Bürger und die schwierige wirtschaftliche Lage.“ Die DDR habe über ihre Verhältnisse gelebt, so der Volkswirt Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

Nur: Die greise DDR-Führung um Erich Honecker will die Realität offensichtlich lange nicht wahrhaben. Am 18. Oktober 1989 wird Honecker zum Rücktritt gezwungen, Egon Krenz wird Staats- und Parteichef. Kurz nach seinem Amtsantritt verlangt Krenz ein „ungeschminktes Bild“ der wirtschaftlichen Lage. Am 31. Oktober 1989 befasst sich das Politbüro mit einer Analyse, ausgearbeitet von führenden Wirtschaftsexperten um Gerhard Schürer, Chef der staatlichen Plankommission.

Das Papier gleicht einem Offenbarungseid: Das gesamte System der Planwirtschaft sei gescheitert. Viele Produktionsanlagen seien marode, es sei viel zu wenig investiert worden. Bei der Arbeitsproduktivität liege die DDR um 40 Prozent hinter der Bundesrepublik zurück. Die devisenbringenden Exportüberschüsse seien in den vergangenen Jahren gesunken.

Wie es zum Mauerbau kam

21. Januar 1961

Parteichef Walter Ulbricht bespricht mit DDR-Verteidigungsminister Heinz Hoffmann eine mögliche „Sicherung der Staatsgrenze“ zur Bundesrepublik und zu West-Berlin.

10. Februar

Arbeitsgruppen von Parteifunktionären und aus dem Verkehrsministerium erörtern Möglichkeiten zur Eindämmung des Flüchtlingsstroms.

16. März

Das ZK der SED macht die anhaltende Massenflucht für die schwere Wirtschaftskrise der DDR verantwortlich. Ulbricht fordert „einen entschiedenen Kampf gegen die Abwanderung aus der DDR“.

1. Mai

Ein in den Westen geflohener Abteilungsleiter des DDR-Außenministeriums berichtet über aktuelle Ost-Berliner Planungen gegen die Flüchtlingswelle. Eine diskutierte Variante sei der Bau einer Mauer entlang der Sektorengrenze rund um West-Berlin.

15. Juni

Ulbricht versucht Gerüchten zu begegnen und behauptet auf einer Pressekonferenz in Ost-Berlin: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“

12. August

Ulbricht gibt mit Rückendeckung aus Moskau den Befehl zur Abriegelung der Sektorengrenze nach West-Berlin.

13. August

Bewaffnete Grenzpolizisten reißen in Berlin das Straßenpflaster auf, schieben Barrikaden zusammen und ziehen Stacheldraht. Die Grenze zu West-Berlin ist blockiert - bis 1989.

17. August

Erste Teile der Stacheldraht-Barriere werden durch eine Mauer aus Hohlblocksteinen ersetzt.

24. August

Bei einem Fluchtversuch an der Berliner Mauer wird der erste Flüchtling erschossen.

Notwendig sei eine grundlegende Reform der Wirtschaftspolitik. Dazu zähle auch eine engere Kooperation mit westlichen Konzernen. Und: die DDR solle die Bundesrepublik erneut um Milliardenkredite bitten - wie bereits 1982, als der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß zwei Milliardenkredite für die DDR einfädelte.

Denn die DDR ist zwar nicht pleite, sie steht im Westen aber mit Milliarden in der Kreide. Die Verschuldung sei „auf eine Höhe gestiegen, die die Zahlungsfähigkeit der DDR in Frage stellt“, heißt es im „Schürer-Papier“. „Allein ein Stoppen der Verschuldung würde im Jahre 1990 eine Senkung des Lebensstandards um 25-30 Prozent erfordern und die DDR unregierbar machen.“

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

27.10.2014, 19:02 Uhr

Mit der Ethik-Energiewende Merkel und dem ESM hält die DDR-Planwirtschaft wieder Einzug in Deutschland/EU!
Das EEG ist ein planwirtschaftliches Diktatgesetz und hat mit einer freien, wettbewerbsfähigen Energiemarktpolitik nichts mehr gemein. Und genauso sieht es beim ESM aus. Der ESM hebelt die Marktwirtschaft im Euro-Finanzmarkt aus. Der Steuerzahler darf beim EEG und ESM immer nur zahlen und wird dabei immer ärmer! Dank der DDR-Mutti Merkel und Genossen in der Union.

... .bürste

27.10.2014, 20:17 Uhr

"Die Planwirtschaft am Boden"?

die Arbeiteraufstände in der Ostzone von 1953,
waren begründet in dem Beginn der völlige Zerstörung (der Feinde) Gesellschaft/Wirtschaft, des menschlichen Wesen - GENDER - (aus dem entsprechend zerstörenden "Bildungssystem" unmöglich das Selbst zu erkennen [fehlende Synapsen - Logik/Analytik/Reflexion/Wertigkeit] -- unaussprechliche Kriegsverbrechen!


Die DDR hatte Zeit ihrer Existenz von `50 -`89 nicht aus sich heraus Existiert, sondern wurde auf Kosten anderer, Dritter finanziert,
bis Ende der `70er (`79 -´80) auf Kosten des Bruders aus Moskau, durch Energielieferungen Gas/Öl/Benzin/Rohstoffe zu Spottpreisen, weit unter Marktwert. Das dann nach Einstellung 1980 ( den erschwerten Lebensbedinungen in der UdSSR - der Weigerung, die Massen Psychiatrischen Experimente von Merkels Freunden weiter zu finanzieren ) besser Marktpreise geforderte Bezahlung, zum „Staats-Bankrott“ der DDR 1981 geführt hatte. Und dann nach 1981 wurde die DDR nicht mehr vom Sozialistischen Brudervolk aus Moskau finanziert, sondern direkt vom Klassenfeind aus der BRD, dem Steuerzahler mit Durchgezogen.

...
hier:
http://homment.com/StatusQuo

... .bürste

27.10.2014, 20:22 Uhr

der M i n i m a l e i s m u s!

„Untergeordnete Nebensächlichkeiten, erhalten die Gleiche Wertigkeit, wie die Hauptthemen,
wodurch aber nicht die untergeordnete Nebensächlichkeiten,
zu „fehlerfreie“ Hauptthemen werden,
sonder die Hauptthemen werden zu Nebensächlichkeiten.
Die Konzentration ist nicht mehr ausgerichtet auf das Gelingen des Ganzen, sondern auf die „Fehlerlosigkeit“ der Nebensächlichkeiten,“
„z.B.: lösen einer Mathe Aufgabe,
- die winklige Ausrichtung,
- immer die gleich Strichstärke,
- Formschrift,
- Unterstriche genau in der Länge x
- usw.
erhalten die gleiche Wertigkeit, wie das richtige Ergebnis.“
so erklärt man das Wichtige zu Nebensächlichkeit und blockiert das Tatsächliche bis zum Stillstand!
(in der DDR bis zum Exzess getrieben, wie man 1989 sehen konnte!)
und war neben der Zerstörung des Sozialen (GENDER Nazismus) in einer Gesellschaft, die Zerstörung des Technischen einer Gesellschaft, bis hin zum Stillstand und *von Dritte 1953 den Bonzen ganz gezielt impliziert!*
wegen genau diesen Ergebnis, die zerstörte Feind "Gesellschaft"/Volk.

Einziger Sinn des Minimaleismus,
es wird ein Maximum an Fehlerquellen, Angriffspunkte zur Unterdrückung/Erniedrigung in der totalitären Hierarchie geschaffen aber blockiert das technische einer Gesellschaft bis zum Stillstand – der Hintergrund!!


(siehe 100 Jahre altes Gesetz für Farradlaternen - und 2013 die Hochgefährliche Erneuerung des (OST) Verkehrsministerium und dann wundert sich WER über die D-Bahn oder "Super Mehdorn und sein Baukollektiv"
Berlin BER oder D-Bahn oder Bildungssystem oder ... )

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