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17.10.2014

13:33 Uhr

DDR-Klischee

Banane, Du Symbol der Freiheit

Auch 25 Jahre nach dem Mauerfall gilt die Banane als Zeichen der DDR-Mangelwirtschaft. Gerade in Westdeutschland wurde die Wende oft mit der Tropenfrucht assoziiert – auch wenn ihre Rolle maximal symbolischer Natur war.

„Zonen-Gaby“ und die Banane: Das Covermodel der Satirezeitschrift Titanic stammte nicht einmal aus der DDR. dpa

„Zonen-Gaby“ und die Banane: Das Covermodel der Satirezeitschrift Titanic stammte nicht einmal aus der DDR.

Hannover„Wie verdoppelt man den Wert des Trabis? Indem man ihn voll tankt. Und wie vervierfacht man ihn? Eine Banane auf den Rücksitz legen!“ Im Internet finden sich immer noch Witze, die auf den Bananenhunger der ehemaligen DDR-Bürger anspielen. Tatsächlich war die Südfrucht jahrzehntelang im Osten Mangelware, in der Wendezeit wurde sie dann zum Symbol. Als nach der Grenzöffnung Kolonnen von Trabis in den Westen tuckerten, reichten ihnen Westbürger nicht nur Bier, Sekt und Schokolade, sondern auch Bananen durch die Autofenster.

„Zonen-Gaby (17) im Glück (BRD): Meine erste Banane“ betitelte die Satire-Zeitschrift „Titanic“ ihre November-Ausgabe 1989 und landete damit einen Verkaufsschlager. Der Titel zeigt eine junge Frau in verwaschener Jeansjacke mit Minipli-Frisur, die stolz eine auf Bananenart geschälte Gurke in die Kamera hält. „Ich sehe ihn mir noch heute gerne an und er entlockt mir immer noch ein Lächeln. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Zonen-Gaby ja eine Dame aus Rheinland-Pfalz ist, die damals tatsächlich diese Frisur hatte, die jeder gleich als DDR-typisch identifizierte“, erinnert sich der damalige „Titanic“-Chefredakteur Hans Zippert.

Die Berliner Mauer in Zahlen

Gesamtlänge

Die innerdeutsche Grenze war knapp 1400 Kilometer lang.

West-Berlin

Die Mauer um den Westteil Berlins umfasste 155 Kilometer und war knapp vier Meter hoch; 43 Kilometer davon trennten das Stadtgebiet von Ost- und West-Berlin.

Wasser

Auf 24 Kilometern durchquerte die Grenze Wasserwege.

Verkehr

Die Mauer unterbrach zwölf S- und U-Bahnlinien sowie 193 Straßen.

Grenzübergänge

Es gab acht Grenzübergänge zwischen West- und Ost-Berlin sowie sechs zwischen der DDR und West-Berlin.

Aufbau

Ab 1975 wird auf fast 42 Kilometern die Grenzmauer mit 3,60 Meter hohen Segmenten neu errichtet. Auf die jeweils 2,75 Tonnen schweren Elemente werden vier Meter lange Rohrauflagen gesetzt. Daneben besteht die Grenze um West-Berlin aus einer Mauer in Plattenbauweise, einem Metallzaun oder Gewässern.

Soldaten

11 500 Soldaten kontrollierten die Grenze rund um Berlin; sie spähten von 302 Beobachtungstürmen nach „Grenzverletzern“.

Signalzäune

Vor der Mauer gab es 127 Kilometer Signalzäune.

Gräben

105 Kilometer Gräben sollten ein Durchbrechen mit Autos verhindern.

Laufanlagen für Wachhunde

Zur Grenzbefestigung gehörten 259 Laufanlagen für Wachhunde.

Fluchtversuche

In den 28 Mauerjahren bewachen insgesamt mehr als 10.000 Soldaten der Nationalen Volksarmee die Berliner Grenze. Mehr als 5000 Menschen gelingt die Flucht - aus der gesamten DDR fliehen rund 40.000. Die Bundesrepublik kauft knapp 34.000 politisch Inhaftierte aus DDR-Gefängnissen frei.

Tote

Über 600 von ihnen kamen ums Leben. Mindestens 136 Menschen starben allein an der Berliner Mauer.

Grenzkontrollen

251 Reisende aus Ost und West starben während oder nach Kontrollen an Berliner Grenzübergängen, zumeist an Herzinfarkten.

Wollten sich die „Titanic“-Redakteure in Frankfurt am Main vor 25 Jahren über die Konsumgier der DDR-Bürger lustig machen? Zippert verneint das: „Es ging weniger um den sicher berechtigten und verständlichen Bananenhunger der Ossis, als um die Klischeebilder, mit denen die Medien damals das Thema Mauerfall behandelten“, sagt er. Dauernd seien Menschen zu sehen gewesen, die jubelnd Begrüßungsgeldscheine und Konsumtrophäen in die Kameras hielten.

Der Sozialwissenschaftler Thomas Ahbe beschäftigt sich seit Jahren mit den Bildern, die sich Ost- und Westdeutsche voneinander machen. Dass sich auch viele Ostler Zonen-Gaby und ihre erste Banane als Poster bestellten, findet er nicht verwunderlich. „Ostdeutsche neigen zur Selbstironie“, sagt der Leipziger.

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