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14.05.2013

00:46 Uhr

DDR-Medikamententests

Ostbeauftragter fordert Aufklärung

Am Wochenende wurde bekannt, dass West-Pharmafirmen an mindestens 50 000 DDR-Bürgern heimlich Medikamente getestet haben könnten. Der Ostbeauftragte der Regierung fordert eine lückenlose Aufklärung. Die Zeit drängt.

Medikamententests westdeutscher Pharmaunternehmen in DDR-Kliniken sollen nun an der Berliner Charité untersucht werden. dpa

Medikamententests westdeutscher Pharmaunternehmen in DDR-Kliniken sollen nun an der Berliner Charité untersucht werden.

BerlinDie umstrittenen Medikamententests westdeutscher Pharmafirmen an DDR-Patienten sollen nach dem Willen der Bundesregierung umfassend untersucht werden. „Die vorliegenden Fakten müssen rückhaltlos untersucht und die Hintergründe aufgeklärt werden“, sagte der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Bergner (CDU) der „Mitteldeutschen Zeitung“.

Die Bundesregierung habe Kontakt zu Gruppen, die die Vorwürfe wissenschaftlich untersuchen wollen, und es seien die Finanzierungsmöglichkeiten geprüft worden. „Unabhängige Untersuchungen müssen jetzt in Gang kommen“, forderte Bergner.

An einer weitgehenden Aufklärung habe auch die Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen ein großes Interesse, bekräftigte Sprecherin Dagmar Hovestädt am Montag. Auch der Thüringer Wissenschaftsminister Christoph Matschie (SPD) sprach sich für eine umfassende Aufarbeitung aus. In Berlin hat der Charité-Historiker Volker Hess bereits am Wochenende angekündigt, die Vorgänge zu untersuchen.

Die Grünen im Bundestag beantragten eine Aktuelle Stunde. „Das systematische Unterlaufen ethischer und rechtlicher Standards bei Medikamentenversuche durch bundesdeutsche Pharmafirmen in der DDR muss rückhaltlos aufgeklärt werden“, forderte ihr Parlamentarischer Geschäftsführer Volker Beck. Er verlangte zudem eine Entschädigung der Opfer durch die beteiligten Firmen. Dies hatten zuvor bereits die Thüringer Linken ins Gespräch gebracht.

Der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) erklärte, die Tests hätten damals allgemein üblichen Standards für klinische Studien entsprochen. Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer betonte: „Das DDR-Recht machte Vorgaben für die Durchführung klinischer Prüfungen, die denen westlicher Staaten und auch der USA vergleichbar waren.“ Zudem seien viele der Studien nach dem DDR-Prüfplan parallel in westlichen Ländern durchgeführt worden.

Die Stasi-Landesbeauftragten verabredeten umfangreiche Recherchen zu den umstrittenen Medikamententests. Dafür sollten Experten bemüht werden, sagte Sachsens Landesbeauftragter für die Stasiunterlagen, Lutz Rathenow, der Nachrichtenagentur dpa.

Bis auf Thüringen gebe es aus seiner Sicht derzeit keine Recherchen, auch für Sachsen lägen keine Auskünfte dazu vor. Viele Antworten dürften im Archiv der Berliner Charité zu finden sein – doch dieses wird regelmäßig aufgeräumt. Derzeit würden Akten des Jahrganges 1983 vernichtet, berichtet der „Spiegel“.

„Die erste Forderung an die entsprechenden Ministerien ist, dass jegliche Vernichtung von Krankenakten unbedingt gestoppt wird“, sagte Rathenow.

Die Ausmaße der Medikamententests an DDR-Bürgern hatten am Wochenende die Öffentlichkeit empört. Dem „Spiegel“ zufolge sollen in mehr als 50 Kliniken über 600 Medikamentenstudien in Auftrag gegeben worden sein. Mehr als 50 000 Menschen sollen als Testpatienten gedient haben. Für einzelne Studien seien viele hunderttausend D-Mark gezahlt worden. Nach ersten Erkenntnissen waren in Thüringen und Brandenburg jeweils sechs Kliniken betroffen.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

14.05.2013, 13:30 Uhr

die DDR war eine Totalitäre Diktatur die Nachfolge Diktatur des sozialistischen "dritten Reichs".

Die DDR wurde bis Ende der `70er (`78-`79) von dem Bruder aus Moskau finanziert über Gas-, Öl-, Benzin-, Rohstoff-Lieferungen
zum Spottpreis,
die durch den Niedergang der UDSSR zu marktgerechten Preisforderungen führte, so das 1981/82 die DDR sich nicht mehr finanzieren konnte.
Nicht mehr mit Grundnahrungsmittel versorgen konnte, Butter als Giftig/ungesund erklärte wurde, "Konsum" (Ost-Supermarkt) immer öfter geplündert wurden, das war 1980/81,
Franz Josef Strauß 1981 seinen Staatsbesuch nach 1 Tag abbrach und 3 Mrd. DM in den Osten schaffte, auf seine Kappe.

Um zu überleben, an Devisen zu kommen, hatte das Regime alles Verkauft. Ab 1982 politische Gefangene auf der Straße eingesammelt und für 6 stellige Summen in den Westen verkauft,

- Und derartige Schlagzeilen, "wurde die Patienten aufgeklärt, haben zugestimmt" in einer Totalitären Diktatur?
- im Osten lag das Sterbealter 1991 bei 68 Jahren, 2001 dann bei 83 Jahren (Durchschnitt)
- Um die exorbitante Suizidquote zu verheimlichen hatte man bereits 1970 jeden Toten als gestorben bezeichnet, um die spätere Beweisführung zu verhindern.(10 Tsd./Jahr heute DE)
- Und derartige Schlagzeilen, "Zwangsarbeit im Bautzen, JVA"?
IKEEA als beschuldigte, in einer Totalitären Diktatur?

- Plattenbauten sind nackte Betonplatten aneinander gestellt, ohne Putz, ohne Estrich! (Räume aus Beton sind nicht für den ständigen Aufenthalt von Menschen geeignet!)

einfach Lächerlich!
das hat nichts mit Ostnostalgie zu tun sondern ist *Verleugnung*! Und obendrein verdeutlichen die Medien ihren Hintergrund!

in einer Totalitären Diktatur geht es ausschließlich um den Machterhalt des Regimes, die Menschen werden immer restriktiver gegängelt/gezwungen (GRÜNEN Rauchverbot, Giftlampen, E10 ...) um dem Regime das Dasein zu ermöglichen "koste es was es wolle"!

Aufklärung tut weh!

Account gelöscht!

14.05.2013, 14:03 Uhr

Diese Sache mit Medikamenten-Versuche, sind doch keine Neuheit.
Das it bekannt seit dem Mauerfall. Warum also wird das jetzt so ausgegraben?

WFriedrich

16.05.2013, 10:19 Uhr

@ izibizi: Was bezweckt Ihr Kommentar? Es ist zynisch, arrogant, braunsuppig: die beschriebenen Missstände werden zur Rechtfertigung der Beauftragung von Menschenversuche missbraucht. Das Bestreben erklärt, warum Berliner Charité als Involvierte Aufklärung betreibt, während Justiz inaktiv bleibt. Vorab gilt für Pharmaindustrie und Kalfaktoren die Unschuldsvermutung. Ein staatsanwaltliches Ermittlungsverfahren muss prüfen, ob geltendes Recht (s. Statement der Pharmawirtschaft) eingehalten worden war. Das gilt für Reifegrad der getesteten Medikamente und verantwortungsvolle Durchführung. Die Opferzahlen werden mit 4000 und 40000 Toten beziffert. Wem kann man aber unvoreingenommene Ermittlungen zutrauen? Diese Frage stellt sich, weil beide denkbaren Ermittlungsergebnisse unbequem sind. Entweder gibt es Schuldige, die sich in die Tradition von Mengele bis IG Farben einreihen, oder der Vorgang erweist sich als Alfred-Hugenberg-Propaganda. Auch an Selbstbeweihräucherung grenzender Umgang mit der dt. Geschichte seit 1917 weckt Zweifel: dt. Rechte haben Lenin und die Bolschewisten in Russland inthronisiert und tragen Mitschuld am Massenmord. Es waren dt. Ultrarechte, die ein Drittel des Reichsgebietes verzockten und Stalin den Einmarsch in weite Teile Europas ermöglichten. Und schließlich waren es wieder die alten Kameraden, die das Volk am 17. Juni 53 und am 13. August 61 verrieten und damit die damals fast 100%ige Wendechance schuldhaft verspielten. Wer dem dt. Volke über mehr als hundert Jahren solchen Schaden zugefügt hat, wird Mitschuld auch künftig leugnen und weiterhin jene verunglimpfen, die sich ohnmächtig der Realität anpassten (s. Merkel-Diffamierung). Heute unterscheidet sich Wertkonservatismus von seinen schmutzigen Vorläufern diametral. Damit eröffnet sich die Chance für zukunftsdienlichen Umgang mit der Vergangenheit, der frei ist von offenem und verkapptem (Un-)Rechtstraditionalimus.

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