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03.10.2014

08:22 Uhr

DDR

Stasi bespitzelte Spitzenfunktionäre

Der Chef der DDR-Staatssicherheit hat auch vor seinen Genossen nicht halt gemacht: Mielke führte ein Geheimdossier über SED-Spitzenfunktionäre, berichten jetzt Stasi-Forscher. Ein enormes Erpressungspotenzial.

Ein Diplomatenpass von Erich Mielke: Er hatte auch belastende Informationen aus der Nazizeit zu hohen DDR-Funktionären gesammelt. dpa

Ein Diplomatenpass von Erich Mielke: Er hatte auch belastende Informationen aus der Nazizeit zu hohen DDR-Funktionären gesammelt.

BerlinStasi-Chef Erich Mielke ließ einer neuen Analyse zufolge auch Dossiers über SED-Spitzenfunktionäre anlegen. Mielke habe kompromittierende Akten in einem geheimen Archiv namens „Rote Nelke“ gehortet, teilten die Stasi-Forscher Helmut Müller-Enbergs und Christian Booß mit. So habe Mielke die Biografien von Volksbildungsministerin Margot Honecker und der Politbüro-Mitglieder Günter Mittag und Hermann Axen unter Verschluss gehabt.

Ein Teil der Akten sei 1989 vernichtet worden, hieß es. Auch die Reste zeigten nun, welches Erpressungspotenzial Mielke in der Hand gehabt habe. Es seien auch belastende Informationen aus der Nazizeit zu hohen DDR-Funktionären dabei gewesen.

Zudem werde deutlich, dass etliche der rund 200 Mitglieder des SED-Zentralkomitees (ZK) schon vor ihrem Aufstieg inoffizielle Kontakte zum Ministerium für Staatssicherheit (MfS) hatten. Viele „Nomenklatur-Kader“ arbeiteten dann weiter mit dem MfS zusammen, hieß es weiter.

So verschieden sind Ost und West

Wirtschaft

„Blühende Landschaften“ gibt es im Osten eher wenige. Die Wirtschaftskraft liegt ein Drittel unter dem Niveau der westdeutschen Länder. Und: Die Lücke schließt sich seit einiger Zeit kaum noch. (Quelle: dpa)

Verdienst

Ostdeutsche verdienen viel weniger. So betrug der mittlere Bruttomonatslohn im Westen zuletzt 3094 Euro, im Osten nur 2317 Euro.

Arbeitslose

Die Kluft zwischen Ost und West wird immer kleiner. In Ostdeutschland ist die Arbeitslosenquote auf dem tiefsten Stand seit 1991. Trotzdem beträgt sie noch 9,1 Prozent, im Westen 5,8 Prozent.

Rente

Wegen des früheren Berufseinstiegs in der DDR sind Renten im Osten meist höher. Zuletzt bekamen Männer im Schnitt 1096 Euro, Frauen 755 Euro. Im Westen: Männer 1003 Euro, Frauen 512 Euro.

Vermögen

Ostdeutsche besitzen nicht einmal halb so viel. Während Erwachsene im Westen im Schnitt über 94 000 Euro verfügen, sind es im Osten nur 41 000 Euro. Der Durchschnittswert selbst genutzter Immobilien liegt im Westen bei 151 000, im Osten bei 88 000 Euro.

Kinderwunsch

In Westdeutschland ist der Kinderwunsch deutlich ausgeprägter. Nach einer Forsa-Umfrage möchten 63 Prozent der jungen Erwachsenen hier auf jeden Fall Kinder, im Osten nur 47 Prozent.

Kinderbetreuung

In der DDR gehörte die Krippe zum Alltag, das wirkt bis heute nach. 2013 war die Betreuungsquote im Osten mit 49,8 Prozent noch mehr als doppelt so hoch wie in den westdeutschen Ländern mit 24,2 Prozent.

Verkehrstote

Ostdeutsche Straßen sind gefährlicher - und besonders gefährlich sind die in Brandenburg. Bei Verkehrsunfällen starben 2013 dort 69 Menschen pro eine Million Einwohner, in Sachsen-Anhalt 61. Im Bundesdurchschnitt waren es gerade mal 41.

Musik

Ob Helene Fischer oder Tim Bendzko: Musik mit deutschem Text ist im ganzen Land beliebt, nach einer Umfrage im Osten (84 Prozent) aber noch deutlich stärker als im Westen (74 Prozent).

Sterbehilfe

Rund 82 Prozent der Ostdeutschen wünschen sich einer Forsa-Umfrage zufolge bei einer schweren Erkrankung Sterbehilfe. In Westdeutschland sind es nur 67 Prozent.

Studenten

Sie können sich im Osten wegen niedrigerer Mieten mehr leisten. Laut Umfrage zahlt jeder zweite weniger als 300 Euro Miete, im Westen nur jeder dritte. Für Ausgehen oder Hobbys geben Studenten im Osten im Schnitt 178 Euro aus, 16 Euro mehr als die Kommilitonen im Westen.

Kirche

Die historisch gewachsene Kluft bleibt groß: 2011 waren noch 25 Prozent der Menschen im Osten Mitglied der katholischen oder evangelischen Kirche, im Westen 70 Prozent.

Stimmung

Nach einer Umfrage von Infratest dimap bewerten etwa 75 Prozent der Ostdeutschen die Wiedervereinigung positiv. In Westdeutschland sieht dagegen nur rund die Hälfte der Befragten (48 Prozent) mehr Vor- als Nachteile.

Beide Seiten hätten sich gegenseitig informiert. Auch so sei Personalpolitik gesteuert worden. In den Akten tauchten hier laut Müller-Engbergs und Booß die für Frauenfragen zuständige ZK-Abteilungsleiterin Ingeburg Lange und Bauminister Wolfgang Junker auf.

Nach Aussage der Autoren konnte die Stasi in der DDR auf deutlich mehr Informanten zurückgreifen als auf inoffizielle Mitarbeiter (IM). So habe es zahlreiche „Auskunftspersonen“ gegeben, die Informationen über Nachbarn oder Kollegen in Betrieben und Institutionen lieferten.

Müller-Enbergs und Booß plädierten für mehr Differenzierung. Während manche freiwillig Mitmenschen denunzierten, seien „offizielle Partner des MfS“ teilweise gesetzlich zur Zusammenarbeit verpflichtet gewesen. Das Buch „Die indiskrete Gesellschaft“ soll in der nächsten Woche zur Frankfurter Buchmesse herauskommen.

Von

dpa

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