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27.03.2011

12:14 Uhr

De Maiziere am Hindukusch

Anti-Guttenberg auf Truppenbesuch

Verteidigungsminister Thomas de Maiziere besucht erstmals die Bundeswehr in Afghanistan - und setzt sich dabei deutlich von seinem Vorgänger ab. Die Soldaten müssen sich erst einmal an den Neuen gewöhnen.

Verteidigungsminister de Maiziere setzt vor einem Hubschrauberflug einen Helm auf - und tritt ansonsten mit Anzug und Krawatte auf. Quelle: dapd

Verteidigungsminister de Maiziere setzt vor einem Hubschrauberflug einen Helm auf - und tritt ansonsten mit Anzug und Krawatte auf.

KundusDunkler Anzug statt Outdoorjacke, blaue Krawatte auf Hemd statt Bundeswehr-T-Shirt, schwarze Straßenschuhe statt Wüstenboots: Mit seinem Auftritt am Hindukusch könnte sich der neue Verteidigungsminister Thomas de Maiziere kaum deutlicher von seinem Vorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg unterscheiden. Wo der neue Minister gelassen aus dem Militärflugzeug steigt, sprang sein Vorgänger energisch ins Freie, wo der neue eigentlich zuerst die fast vergessenen Soldaten im Balkaneinsatz besuchen wollte, drängte es den alten immer wieder an die schlagzeilenträchtige Front im Hindukusch.

Auch an dem von Guttenberg eingeführten Zwei-Monatsrhythmus bei den Besuchen in Afghanistan dürfte sich de Maiziere nicht gebunden fühlen.

Die Soldaten empfangen ihren neuen obersten Chef auch ruhiger als seinen Vorgänger, um den sich in den staubigen Feldlagern ein regelrechter Starkult entwickelt hatte - Blitzlichtgewitter und nervös kichernde junge Soldatinnen inklusive. Ganz anders bei de Maiziere: Als er im größten Camp in Masar-i-Scharif beim Grillabend in einem Innenhof zu seiner Rede ansetzt, sind weniger Soldaten gekommen als früher, und sie hören ihm einfach nur ruhig zu. Und obwohl sich viele von ihnen mit dem neuen Minister fotografieren lassen: Der Starkult ist vorbei.

„Guttenberg war einfach ein sympathischer Typ. Er hat mit den Medien gespielt und wusste sich zu verkaufen“, sagt ein Soldat etwas wehmütig. Der junge Freiherr sei dynamischer gewesen und habe die Truppe besser motiviert. Andere kritisieren, de Maiziere sei in seiner Rede zu wenig auf die Bundeswehrreform eingegangen, obwohl die Umbrüche existenzielle Folgen für die Soldaten hätten und die Truppe unter der Unklarheit leide. Allerdings stehe auch ihm die Hundert-Tage-Frist zu, ehe man ein Urteil über ihn fällen dürfe.

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