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08.01.2007

11:28 Uhr

Debakel bei Oberbürgermeisterwahl

Wiesbadener SPD will durchs Hintertürchen

Nach dem peinlichen Wahlpanne der Wiesbadener SPD haben mehrere Parteimitglieder den Rückzug aller zugelassenen Kandidaten gefordert. So könnte doch noch verhindert werden, dass die Wahl zum Oberbürgermeister im März ohne einen Bewerber der Sozialdemokraten stattfindet. Doch die schusseligen Genossen haben die Rechnung ohne die CDU gemacht.

Peinliche Panne: Der Wiesbadener OB-Kandidat Ernst-Ewald Roth darf vermutlich nicht zur Wahl antreten. Foto: dpa Quelle: dpa

Peinliche Panne: Der Wiesbadener OB-Kandidat Ernst-Ewald Roth darf vermutlich nicht zur Wahl antreten. Foto: dpa

HB WIESBADEN. Weil die Geschäftsstelle der SPD in Wiesbaden vergessen hatte, ihren Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl rechtzeitig anzumelden, sollen nun die anderen Parteien ihre Bewerber wieder abmelden. In einem komplett neuen Verfahren sei doch noch eine faire Wahl möglich, sagte der SPD-Stadtverordnete Veit Wilhelmy am Montag. Der Wiesbadener CDU-Chef Horst Klee wies die Forderung jedoch als „Unfug“ zurück. Bei formalen Versäumnissen der CDU in früheren Kommunalwahlen seien die SPD-Kandidaten auch nicht zurückgetreten.

Am Montagabend wollten die Parteigenossen über Konsequenzen aus dem Fall beraten. Dabei sollte ein kommissarischer Parteivorstand bestimmt werden. Der komplette Vorstand des SPD- Stadtverbands unter der Führung des Landtagsabgeordneten Marco Pighetti war am Freitag wegen der Vorgänge zurückgetreten.

Zuvor hatte sich die Wiesbadener SPD schriftlich bei ihrem Kandidaten und seinen Unterstützern entschuldigt. „Wir möchten uns bei all denjenigen, die Ernst-Ewald Roth in den letzten Wochen unterstützt haben, bedanken. Vor allem aber möchten wir uns bei Ihnen und Ernst-Ewald Roth entschuldigen“, hieß es am Samstag im Internet auf der Homepage der SPD Wiesbaden.

„Abgrund an Blödigkeit“

SPD-Chef Kurt Beck bedauerte in Bremen das Fristversäumnis. Die Panne habe aber nichts mit der SPD in Hessen zu tun, sagte Beck laut einem Bericht des Hessischen Rundfunks. „Was an Fehlern gemacht werden kann auf dieser Welt, wird wohl offensichtlich gemacht.“

Roth war als Stadtdekan einer der höchsten katholischen Geistlichen Hessens gewesen. Wegen der Kandidatur hatte er um die Entbindung von seinem Kirchenamt gebeten. Er sei „tief enttäuscht“, werde aber nicht resignieren, erklärte er. „Über meine Zukunft entscheide ich später. Ich habe über ein Jahr gebraucht, mich für die Kandidatur zu entscheiden. Jetzt lasse ich mir ein paar Tage Zeit für eine neue Perspektive.“

Der Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, Gert-Uwe Mende, erteilte am Sonntag Spekulationen eine Absage, seine Partei prüfe eine Gesetzesänderung, um Roths Kandidatur doch noch zu ermöglichen. Zwar sei am Samstag am Rande einer Sitzung des SPD-Präsidiums in Bremen über einen ähnlichen Fall in Hamburg gesprochen worden. „Wir wissen darüber aber nichts Näheres und das wird auch keine Auswirkungen auf Hessen haben“, sagte er der dpa.

Das Echo in den Medien war am Tag nach dem Debakel verheerend: Die „Bild“-Zeitung übersetzte SPD mit „So Peinlich Doof“, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ blickte in einen „Abgrund an Blödigkeit“ und zerstreute Mutmaßungen, Roths Kandidatur sei absichtlich torpediert worden: Wäre dem so gewesen, hätten die SPD- Mannen „einen Oscar für die weltweit überzeugendste Darstellung von Enttäuschung verdient“.

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