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07.08.2012

18:16 Uhr

Debatte

Kompensation für hohe Strompreise stößt auf Zustimmung

VonThomas Sigmund, Klaus Stratmann

ExklusivIn der Politik stößt die Forderung nach einer Entlastung der Stromkunden auf Zustimmung. CDU und FDP warnen vor den Belastungen der stark steigenden Strompreisen. Damit wächst der Druck auf Bundeskanzlerin Merkel.

Merkels Zusage, die Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energien werde nicht steigen, erwies sich als unhaltbar. dpa

Merkels Zusage, die Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energien werde nicht steigen, erwies sich als unhaltbar.

BerlinDie Forderung nach einer Entlastung der Stromkunden stößt in der Politik auf Zustimmung, Spitzenpolitiker aus CDU und FDP warnen vor den Belastungen, die sich aus den stark steigenden Strompreisen ergeben. „Klar ist: Trotz der zusätzlichen Belastungen durch die Energiewende müssen die Strompreise stabil und bezahlbar bleiben“, sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) dem Handelsblatt. Eine Absenkung der Stromsteuer oder der Mehrwertsteuer sei einer von mehreren Denkansätzen für eine Gesamtkonzept zur Schonung der Bürger.

Wie Haseloff denken auch andere Politiker aus den Reihen von CDU und FDP. „Die Energiewende stellt niemand infrage. Sie kann aber nur funktionieren, wenn die Kosten nicht durch die Decke gehen. Für Familien sind Energiepreise die modernen Brotpreise, für Betriebe ein entscheidendes Standortkriterium“, sagte FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle dem Handelsblatt.

Damit wächst der Druck auf Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Regierungschefin hatte vor gut einem Jahr im Zusammenhang mit den Beschlüssen zur Energiewende gesagt, die Bürger müssten auch in Zukunft mit bezahlbarem Strom versorgt werden. Die Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energien werde nicht steigen. Doch diese Zusage erweist sich als unhaltbar, weil die Kosten für die Förderung der erneuerbaren Energien stark wachsen. Die Forderung, angesichts der steigenden Strompreise für eine Ausgleich zu sorgen, stammt ursprünglich vom Bundesverband der Verbraucherzentralen.

Die Verbraucherschutzorganisation setzt sich für „kurzfristige Lösungen ein, die den Verbrauchern eine spürbare Entlastung bringen“. Ihr Vorschlag: Die Bundesregierung könnte die Stromsteuer von zwei Cent je Kilowattstunde streichen und so die Verbraucher um sieben Milliarden Euro jährlich entlasten. Oder sie könnte auf Strom den reduzierten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent anstelle des vollen Satzes von 19 Prozent erheben.

Mit der Strompreisdebatte rückt zugleich das Erneuerbare-Energien-Gesetz in den Fokus. Die Dauersubventionen für erneuerbare Energien seien der größte Kostentreiber der Energiewende, kritisierte Brüderle. „Das EEG kann so nicht bleiben. Bei seiner Reform darf es keine Denkverbote geben. Wir dürfen den Verbrauchern und dem Mittelstand nicht immer höhere Energiekosten aufladen“, sagte der FDP-Fraktionschef.  

Christian Lindner, Chef der NRW-FDP, teilt Brüderles Kritik an den Erneuerbaren, lehnt aber die von den Verbraucherschützern geforderten Maßnahmen ab: „Kurzfristiges Hantieren an der Steuerschraube ist weder bezahlbar noch dauerhaft wirksam. Wer Energiekosten senken will, muss die Energieplanwirtschaft beenden“, sagte er dem Handelsblatt. Statt der Subventionen für Solarenergie sei eine Effizienzwettbewerb zwischen Wind, Wasser, Sonne und Biogas erforderlich. Das EEG in der bisherigen Form sei ein Auslaufmodell.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

07.08.2012, 21:02 Uhr

„Klar ist: Trotz der zusätzlichen Belastungen durch die Energiewende
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nun muß ich doch mal grundschulmäßig fragen, was ist denn so teuer an der Wende?
Da gibt es Weindparks z. B. die stellen strom ehr und vgerkaufen ihn. Außerdem erhalten sie Subventionen, also zahlen wir den strom zwei Mal
Was aber ist jetzt so teuer?

RFS

07.08.2012, 22:10 Uhr

Nun, das Problem ist, dass es immer mehr Analphabeten gibt, die irgendwie durchgefüttert werden müssen. Das muss natürlich irgendwie finanziert werden.

blosseinbuerger

07.08.2012, 22:22 Uhr

Warum schöpft die Politik nicht bei denen die Gewinne ab, die zwanzig oder dreißig Prozent Rendite einheimsen. Die ehmalige Rot-Grüne Regierung hat mit dem EEG den Ökoindustriellen Millardengewinne zugeschanzt. Da das Geschäft mit den erneuerbaren Energien quasi risikolos ist, sollte die daraus erzielbare Rendite nicht höher sein als die Rendite, die die Bundesnetzagentur den Übertragungsnetzbetreibern zubilligt. 8% Rendite reichen völlig und sind weitaus mehr, als derzeit mit Alternativanlagen erzielt werden kann. Dazu bedarf es allerdings des Mutes, sich mit der Ökoindustrielobby und den Ökoverbänden anzulegen; ob Politik den Mut aufbringt, darf bezweifelt werden. Also dürfen mal wieder die kleinen Leute ohne Solaranlage auf dem Dach oder Solarfonds im Depot die Gewinne der Ököindustrie bezahlen.

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