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14.08.2013

11:59 Uhr

Debatte über Mainzer Zugchaos

Union schmettert Brüderles Bahn-Vorstoß ab

FDP-Fraktionschef Brüderle sieht in einem Börsengang ein gutes Heilmittel für die derzeitigen Probleme der Bahn. Die Union hält die Gedankenspiele für wenig hilfreich, die SPD sieht einen Schuldigen im Bundeskabinett.

Der Fraktionschef der FDP, Rainer Brüderle: Mit seinem Bahn-Vorstoß beißt er auch beim Koalitionspartner auf Granit. dpa

Der Fraktionschef der FDP, Rainer Brüderle: Mit seinem Bahn-Vorstoß beißt er auch beim Koalitionspartner auf Granit.

BerlinIn der Union regt sich massiver Widerstand gegen Überlegungen des Koalitionspartners FDP, angesichts der chaotischen Zustände am Mainzer Hauptbahnhof eine grundlegende Umstrukturierung der Bahn in Betracht zu ziehen. „Für mich löst eine Privatisierung bei der Bahn kein Problem. Für Deutschland ist vor allem wichtig, dass die Bahn, auf die ja jeden Tag Millionen Menschen angewiesen sind, funktioniert“, sagte Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) der „Leipziger Volkszeitung“.

Es könne nicht sein, dass eine Landeshauptstadt wie Mainz mehr oder weniger vom Bahnnetz abgekoppelt sei, sagte Kauder weiter. „Ich denke, dass die Bahn die Probleme in den Griff bekommen wird. Es muss aber schnell geschehen“, forderte der CDU-Politiker. „Ein Ausweis blendender Organisation ist der Vorgang leider nicht.“ Der Vorstand der Bahn müsse sich daher „intensiv mit der Frage beschäftigen, ob die Personalreserven wirklich ausreichend sind“. Zur Ehrenrettung der Bahn müsse aber auch gesagt werden, dass es auch bei anderen Verkehrsmitteln dauernd Verspätungen gebe.

Bei einem weiteren Spitzentreffen sollen heute Lösungen für die akuten Personalprobleme der Bahn gesucht werden. Bahnchef Rüdiger Grube trifft sich am Nachmittag in Frankfurt mit dem Vorsitzenden der Eisenbahngewerkschaft EVG, Alexander Kirchner, und dessen Stellvertretern. Zuvor tauschen sich Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber und die Personalchefs der verschiedenen Unternehmenssparten mit Gewerkschaftern aus.

Seit mehr als einer Woche gibt es aus Personalmangel Zugausfälle und Umleitungen am Hauptbahnhof in Mainz. Nach einem Gespräch mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) kündigte die Bahn am Dienstag an, die über Mainz führenden Zugverbindungen vom kommenden Wochenende an schrittweise wieder zu verbessern. Ab 30. August will sie zum normalen Fahrplan zurückkehren. Ins Mainzer Stellwerk sollen im September vier Fahrdienstleiter-Helfer zusätzlich kommen, von November bis Dezember fünf weitere neue Dienstleiter.

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Der Personalmangel bei der Bahn wird in der Politik weiter kontrovers diskutiert. Die Strategie des international aktiven Konzerns wird von manchem infrage gestellt. Und sogar ein Börsengang ist wieder ein Thema. Nach Ansicht von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) könnte ein Börsengang die Effizienz des Unternehmens steigern und für mehr Kundennähe sorgen. „Eine Privatisierung kann helfen, aber das ist derzeit eher ein Führungsproblem als eine Frage der Unternehmensform“, sagte Rösler der „Neuen Westfälischen“. „Der Marktdruck kann ein Unternehmen erfolgreicher machen.“ Zuvor hatte sein Parteikollege, FDP-Bundestagsfraktionschef Rainer Brüderle, verlangt, die Bahnstruktur mit ihrer staatlichen Absicherung zu überprüfen.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

14.08.2013, 12:26 Uhr

Glaubt wirklich jemand, bei einem Börsengang werden Mitarbeiter eingestellt? Es würden Tausende entlassen, um die Bilanzen kurzfristig zu schönen. Schlußendlich würden nur noch einige wenige - gewinnbringende - Züge fahren, das Netz würde marode werden, bis es der Steuerzahler nach einem Zusammenbruch wieder finanzieren würde.
Alles gerade in UK geschehen.

Account gelöscht!

14.08.2013, 12:34 Uhr

„Der Marktdruck kann ein Unternehmen erfolgreicher machen.“
Was genau versteht denn der Herr Rösler unter "erfolgreich"? Etwa guten Service, ein vernünftiges Preis-Leistungsverhälntnis? Bis jetzt hat "Marktdruck" nach meinen Erfahrungen als Verbraucher immer nur das Gegenteil bewirkt - ganz platt: es wurde schlechter und teurer.

Schwan

14.08.2013, 12:38 Uhr

Die Bahn wird immer ein Zuschussgeschäft bleiben- so schmerzlich das auch sei! Bei einer Privatisierung müssten sehr viele unrentable Strecken geschlossen werden- nur in einem Staatskonzern mit Subventionen können diese erhalten bleiben. Es ist ja immer die Frage, was man will...flächendeckenden öffentlichen Nahverkehr, der viel öffentliches Geld verbraucht oder kostendeckenden, individuellen Nahverkehr, der nicht für jeden zur Verfügung steht...

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