Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.09.2011

23:15 Uhr

Debatte um Euro-Ausschluss

Merkel will Pleite-Griechen im Euro halten

Merkel kann der Idee eines Rauswurfs Griechenlands aus der Euro-Zone nicht viel abgewinnen. Diese klare Haltung gefällt nicht nur der Brüsseler EU-Spitze, auch Merkels Vorgänger Schröder stützt die Kanzlerin

Merkel will Griechen im Euro halten

Video: Merkel will Griechen im Euro halten

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und EU-Ratspräsident Herman van Rompuy haben Forderungen nach einem Ausschluss Griechenlands aus der Euro-Zone klar zurückgewiesen. „Ich glaube, dass wir damit einen Domino-Effekt einleiten könnten, der außerordentlich gefährlich für unser Währungssystem ist“, sagte Merkel am Montag in Berlin.

Noch drastischer stellte sich der frühere deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder gegen die Griechenland-Kritiker in Union und FDP: Rausschmiss-Forderungen bezeichnete er als „Quatsch“ und „Populismus“. „Wo endet das? Das endet in der Zerstörung der Gemeinschaftswährung“, sagte er am Montag am Rande einer Veranstaltung des Nicolas Berggruen Instituts in Brüssel.

Auch der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) wandte sich gegen einen Ausschluss Griechenlands aus der Euro-Zone. Griechenland müsse unter dem Rettungsschirm bleiben, sagte Steinbrück bei einem Vortrag in Essen. Erneut sprach sich der SPD-Politiker für einen Schuldenschnitt aus. „Griechenland ist pleite. Es ist langsam Zeit, sich das einzugestehen„, sagte Steinbrück, der als Kanzlerkandidat seiner Partei gehandelt wird. Ein Rettungsschirm nach dem anderen helfe allein nicht weiter. Bei einem Schuldenschnitt müssten den Banken, die Griechenland-Anleihen hielten, Möglichkeiten zur Rekapitalisierung eröffnet werden. Griechenland brauche aber nicht nur Hilfen, um seine Schulden bedienen zu können. Die Europäer müssten der griechischen Wirtschaft helfen, „wieder Wind unter die Flügel zu bekommen“.

Gewinner und Verlierer: Fünf Wahrheiten über die Euro-Krise

Gewinner und Verlierer

Fünf Wahrheiten über die Euro-Krise

Warum wir trotz der Krise vom Euro profitieren und weiteres Euro-Wissen finden Sie hier.

Die Europäische Zentralbank müsse von den Staatsanleihen befreit werden, die sie in den vergangenen Monaten aufgekauft habe, sagte Steinbrück weiter. Sie sollte die Anleihen an den europäischen Stabilitätsfonds abgeben, um wieder in eine neutrale Position zu kommen.

Altkanzler Schröder äußerte sich zuversichtlich, dass die derzeitige deutsche Regierung sich mit der Idee der sogenannten Euro-Bonds letztlich doch noch anfreunden werde. Er sei zuversichtlich, dass hier der „gleiche Lerneffekt“ möglich sei, der bereits in die Befürwortung einer Wirtschaftsregierung gemündet habe, betonte er. „Das dauert gelegentlich“, sagte er. Aber damit, dass manche Sachen etwas länger dauerten, habe er ja Erfahrung.

Merkel betonte, es sei wichtig, dass Griechenland seine Zusagen umsetze und einhalte. Vor der Unionsfraktion sagte die CDU-Vorsitzende am Abend laut Teilnehmern, wenn Griechenland nicht das tue, was die Prüfer der „Troika“ aus EU, EZB und IWF wollen, werde es keine neuen Mittel geben - weder aus dem laufenden noch aus einem neuen Hilfspaket.

Wachsenden Unmut im schwarz-gelben Regierungslager gibt es aber nicht nur über die schleppenden Reformfortschritte in Athen, sondern auch über die jüngsten Abstriche am Sparprogramm der italienischen Regierung.

Planspiel: Euro-Zone ohne Griechenland

Welche Folgen hätte ein Austritt Griechenlands aus dem Euro?

Die konkreten ökonomischen Folgen eines Euro-Austritts Griechenlands sind kaum vorhersehbar, da es eine vergleichbare Situation bisher noch nicht gegeben hat. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen sowohl für Griechenland als auch für die anderen Länder des Währungsraums verheerend wären. Experten befürchten schwere Konsequenzen für den europäischen Bankensektor - dem Hauptkreditgeber Griechenlands. Und da keine entwickelte Volkswirtschaft ohne gesunde Banken auskommen kann, würden auch Verbraucher und Unternehmen stark getroffen werden.

Welche Folgen würden sich für Griechenland ergeben?

Für Griechenland würde ein Euro-Austritt vermutlich den wirtschaftlichen Zusammenbruch bedeuten. Ohne Euro müssten die Hellenen wieder ihre alte Währung Drachme einführen, die vermutlich drastisch abwerten würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugute kommen.

Was würde sich am Schuldenstand Athens ändern?

Die in Euro aufgenommenen Altschulden würden infolge der Abwertung der neuen eigenen Währung drastisch steigen. „Selbst ein starker Schuldenschnitt würde Griechenlands Probleme dann nicht lösen, da das Land über Jahre hinweg vom Kapitalmarkt abgeschnitten wäre“, unterstreicht ein HSBC-Experte. Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher schon.

Ist ein Austritt Griechenlands im Interesse anderer Euro-Länder?

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht. An den Finanzmärkten würden nach einem Euro-Austritt Griechenlands wohl schnell andere finanzschwache Länder unter starken Druck geraten, möglicherweise auch wirtschaftsstarke Länder. Denn letztlich könnte sich kein Investor mehr darauf verlassen, dass nicht auch andere Länder - möglicherweise in Verbindung mit einem Schuldenschnitt - aus dem Euroraum ausscheren. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden vermutlich drastisch steigen, und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraums ins Wanken geraten.

Kommentare (79)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Hansi

05.09.2011, 20:14 Uhr

Als Edelmetallinvestor sage ich - vielen Dank, Frau Merkelowa. Schöne Grüsse an die Kommissare in Brüsskau.

Account gelöscht!

05.09.2011, 20:19 Uhr

"Merkel will Pleite-Griechen im Euro halten"?... so als Füllung wie beim Aluchip?

alessandro

05.09.2011, 20:25 Uhr

:-D Danke für die goldene Abend Unterhaltung!

Unsere EU-Block-Polit Elite kippt immer noch mehr Benzin in die Goldkurs Rakete! Sind wohl selber schon alle investiert bei Fr. Merkelowa als Physikerin bin ich mir sicher dass da unterm Bett ein paar Goldbarren gebunkert sind.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×