Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.12.2014

13:48 Uhr

Debatte um Flughafen-Kontrollen

„Billig kann uns teuer zu stehen kommen“

ExklusivWaffen, versteckt im Handgepäck: Die Sicherheitsmängel am Frankfurter Flughafen rufen die Politik auf den Plan. Abgeordnete von SPD und Grünen werfen die Frage auf, ob nicht der Staat die Kontrollen übernehmen muss.

Verdeckte Kontrollen

Gravierende Sicherheitsmängel am Flughafen Frankfurt

Verdeckte Kontrollen: Gravierende Sicherheitsmängel am Flughafen Frankfurt

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

DüsseldorfNach den Berichten über Sicherheitsmängel an Deutschlands größtem Flughafen Frankfurt am Main stellen Politiker von SPD und Grünen die Kontrollen durch private Firmen infrage. Es müsse ernsthaft die Frage geprüft werden, „ob die betrauten privaten Unternehmen hinreichend Gewähr für eine zuverlässige Sicherheitsüberprüfung bieten oder nicht“, sagte der SPD-Bundesvize Ralf Stegner dem Handelsblatt (Online-Ausgabe).

„Daran zeigt sich einmal mehr, dass der Zeitgeist vergangener Jahre, möglichst alles zu privatisieren, was nicht niet- und nagelfest ist, sehr problematische Folgen haben kann“, so Stegner weiter. Die Sicherheit der Passagiere an Flughäfen zu garantieren sei jedoch eine öffentliche Verantwortung, „die keinesfalls privaten Rendite-Interessen untergeordnet werden darf.“

Der innenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, warnt vor zu viel Privatisierung. „Billig kann uns bei der Sicherheit teuer zu stehen kommen“, sagte Beck dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). Durch private Sicherheitsfirmen, die ihren Mitarbeitern gerade mal den Mindestlohn zahlen, die Kosten bei der Flugsicherheit zu senken, sei daher angesichts der Sicherheitsdefizite am Frankfurter Flughafen nicht der Weisheit letzter Schluss. „Die Frage muss erlaubt sein, ob beim Schutz unserer Infrastruktur vor Terror  nicht staatlich organisierte Sicherheit am Ende preiswerter, wenn auch nominell teurer, ist, sagte Beck“

Die EU-Verkehrskommission hatte laut Berichten vom Wochenende bei verdeckten Kontrollen Sicherheitsrisiken am Frankfurter Flughafen entdeckt. Es soll gelungen sein, Waffen oder gefährliche Gegenstände durch die Passagierkontrollen zu schmuggeln. Grund für die Mängel soll schlecht geschultes Personal sein.

Auch der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, fordert die Rückführung der Flughafen-Sicherheit in Deutschland in die Hände der Bundespolizei. „Die Kontrollen am Frankfurter Flughafen haben gezeigt, dass die Gewährleistung von Sicherheit mit dem Streben nach Gewinnmaximierung nicht zu vereinbaren ist“, sagte Wendt dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Deshalb wäre die Übertragung der Kontrolle mit eigenen Beschäftigten der Bundespolizei der beste Weg.“

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Woifi Fischer

22.12.2014, 12:13 Uhr

Debatte um Flughafen-Kontrollen „Billig kann uns teuer zu stehen kommen“

Was gibt es da zu diskutieren, der Staat ist für die Sicherheit zuständig, sonst niemand.

Überall da, wo sich der Staat herausgelöst hat, ist die Kacke am Dampfen, ob Bundespost, oder die Bundesbahn, innere Sicherheit, muß der Staat die Sache wieder in die eigenen Hände nehmen, so wie bis jetzt kann es nicht mehr weiter gehen.
Alternativlos.

Herr Udo Schäfer

22.12.2014, 12:45 Uhr

Das eigentliche Risiko besteht darin, dass es irgendwann ein mittelmäßig begabter Terrorist mit elektrotechnischen Kenntnissen und einer Heimwerkstatt schaffen wird, eine kleine Boden-Luft-Rakete mit Drahtverbindung zusammenzubauen, die lässt sich nämlich nicht so einfach stören, um damit ein gerade startendes oder landendes Flugzeug abzuschießen. Dazu muss der Terrorist gar nicht in die unmittelbare Nähe eines Flughafens kommen, ein Platz auf dem Dach eines Hauses in der Einflugschneise genügt. Mit diesem Szenario sollten sich die Sicherheitskräfte beschäftigen. Das bedeutet, dass Flughäfen weiträumig auch aus der Vogelperspektive überwacht werden müssen, z.B. mit Drohnen. Um qualifiziertes Personal für diese verantwortungsvollen Aufgaben anzuwerben, muss die private Sicherheitsbranche aber deutlich besser bezahlen, ausbilden und Extras anbieten, sonst bleibt in Zukunft eine Sicherheitslücke, weil am Personal gespart wurde. Die Bundespolizei bleibt bei diesem Thema in der Verantwortung. Der Staat darf nicht alles wegen dieser Liberalisierungsideologie an private Anbieter outsourcen. Nach meiner Erfahrung ist die Sicherheitsbranche nicht offen für qualifizierte Beratungsangebote von außen.

Herr Manfred Zimmer

22.12.2014, 13:42 Uhr

"Nach den Berichten über Sicherheitsmängel an Deutschlands größtem Flughafen Frankfurt am Main stellen Politiker von SPD und Grünen die Kontrollen durch private Firmen infrage. Es müsse ernsthaft die Frage geprüft werden, „ob die betrauten privaten Unternehmen hinreichend Gewähr für eine zuverlässige Sicherheitsüberprüfung bieten oder nicht“, sagte der SPD-Bundesvize Ralf Stegner dem Handelsblatt (Online-Ausgabe)."

Nee, merken die jetzt auch schon wo der Staat gefordert ist und wo nicht?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×