Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.02.2013

20:49 Uhr

Debatte um Gasförderung

Oettinger rät zur Offenheit für Schiefergas

Die Suche nach Schiefergas ist in Deutschland umstritten. EU-Kommissar Günther Oettinger fordert von der Bundesregierung, sich dem Thema nicht zu verschließen. Diese sieht in der Gewinnung des Gases Gefahren.

EU-Kommissar Günther Oettinger (links, mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler) rät der Bundesregierung, sich dem Thema Schiefergas nicht zu verschließen. dpa

EU-Kommissar Günther Oettinger (links, mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler) rät der Bundesregierung, sich dem Thema Schiefergas nicht zu verschließen.

MünchenEU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) hat die Bundesregierung aufgefordert, sich nicht der umstrittenen Suche nach Schiefergas zu verschließen. „Ich rate Deutschland zur Offenheit“, sagte Oettinger am Freitag auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Schiefergas wird durch das sogenannte Fracking aus Schiefergestein tief unter der Erde gelöst. Die Technologie ist unter anderem deshalb umstritten, weil dabei Chemikalien eingesetzt werden. Das Umweltbundesamt sieht dadurch Gefahren fürs Trinkwasser.

In den USA ist wegen Fracking inzwischen von einer Energierevolution die Rede. Oettinger sagte, er erwarte durch die massive Ausweitung der US-Gasförderung einen deutlich stärkeren Wettbewerb. Es werde eine Entkopplung des Ölpreises vom Gaspreis und einen „echten, eigenen Gasmarkt, der von Wettbewerb geprägt ist“ geben. „Die Globalisierung der Gasmärkte ist im vollen Gang. Und die USA beschleunigen dies.“ Die nächste Schiefergas-Revolution erwarte er in Ländern wie China und Indien.

Fragen zum Netzausbau

Wie groß ist der Ausbaubedarf?

Der von den Netzbetreibern vorgestellte Entwicklungsplan sieht bis 2022 insgesamt 3.800 Kilometer neue Stromtrassen vor, dazu den Ausbau von 4.400 Kilometern bereits bestehender Leitungen. Das soll rund 20 Milliarden Euro kosten.

Um welche Leitungen geht es?

Es gibt zwei Arten von Stromleitungen: Übertragungsnetze und Verteilnetze. Das Übertragungsnetz verhält sich zum Verteilernetz in etwa so wie eine Autobahn zu einer Landstraße oder innerstädtischen Straße. Beim Ausbau der Netze geht es vor allem um die Übertragungsnetze, die den Strom etwa vom windreichen Norden in den Rest der Republik transportieren sollen.

Das Übertragungsnetz

Das Übertragungsnetz in Deutschland ist rund 35.000 km lang und wird von den vier Übertragungsnetzbetreibern Tennet, 50Hertz, Amprion und Transnet BW betrieben.

Das Verteilnetz

Das Verteilnetz in Deutschland ist hingegen rund 1,7 Millionen Kilometer lang und wird von etwa 900 Unternehmen, darunter viele Stadtwerke, betrieben.

Wer bezahlt den Ausbau?

In letzter Instanz zahlt der Stromverbraucher über eine Umlage auf den Strompreis den Netzausbau. Diese Umlage nennt sich Netzentgelt, also eine Gebühr dafür, dass der Strom der Verbraucher über die Leitungen der Netzbetreiber geschickt werden darf. Die Gebühr macht derzeit 23 Prozent des Strompreises aus.

Über diese Umlage finanziert der Staat den Netzausbau: Die Netzbetreiber erhalten von der Bundesnetzagentur auf ihre Investitionskosten 9,5 Prozent Eigenkapitalverzinsung garantiert. Sie müssen lediglich dafür sorgen, das nötige Kapital für den Ausbau aufzutreiben.

Auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) erwartet große Auswirkungen durch die Ausbeutung von Schiefergas und -öl in den USA. Dies werde vor allem massive Auswirkungen für die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie haben. In den USA seien die Preise erheblich niedriger als etwa in Deutschland. „Für die USA ist das eine gute Nachricht, weil es auch die geplante Reindustrialisierung vorantreibt.“ Für Deutschland liege der Vorteil der Schiefergasfunde in den USA darin, dass dies die Wettbewerbssituation am Gasmarkt verbessere. Es werde Deutschlands Verhandlungen mit Ländern wie Russland nun erleichtern.

Mit Hilfe von Schiefergas und -öl wollen die USA absehbar unabhängig von Energieimporten werden.

Von

afp

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

01.02.2013, 21:01 Uhr

Wie er drum bettelt sich unbeliebt zu machen

EU_nein_danke

01.02.2013, 21:09 Uhr

Es reicht. Dann kann man ja mal mit dem Fracking unter seinem Haus anfangen und ihn gleichzeitig von der Trinkwasserversorgung abschneiden, damit er weiß, wie das durchs Fracking vergiftete Wasser schmeckt, dass er anderen und den in der Natur lebenden Tieren zumuten will. Unerträglich, was für Gestalten sich mit meinen STeuern die Taschen vollstopfen.

petervonbremen

01.02.2013, 23:21 Uhr

Es spricht überhaupt nichts gegen eine Suche von Schiefergas- und -öl Vorkommen. - Wer es mit den aktuellen Technologien auch ausbeuten will, ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Brunnenvergifter. Solche Leute hat man im Mittelalter aufgeknüft. War ja recht hart, oder? Es würde doch ausreichen, wenn solche bildungsfernen Politiker wie es nun einmal Herr Oettinger bekanntermaßen ist, zu einer täglichen Zwangsverköstung des kontaminierten Grundwassers aus dem Umfeld schadhafter Frackingbohrungen herangezogen würden. Dann würden solche Leute zwar immer noch nicht begreifen, was läuft, aber ihre Meinung zum Fracking würde sich ändern - ganz sicher ;-)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×