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05.01.2013

15:53 Uhr

Debatte um Kanzlergehalt

Steinbrück wollte Sparkassen-Chef werden

Mit dem Vergleich zwischen dem Kanzlergehalt und dem eines Sparkassen-Chefs hat Peer Steinbrück für viel Wirbel gesorgt. Einem Medienbericht zufolge soll Steinbrück versucht haben, selbst Sparkassen-Präsident zu werden.

Nur ein kleines Bisschen rudert Peer Steinbrück in der Diskussion um das Kanzlergehalt zurück: "Natürlich kann man davon gut leben." Reuters

Nur ein kleines Bisschen rudert Peer Steinbrück in der Diskussion um das Kanzlergehalt zurück: "Natürlich kann man davon gut leben."

BerlinPeer Steinbrück lässt sich nicht beirren: Trotz des verheerenden Echos bleibt der SPD-Kanzlerkandidat bei seiner Kritik, dass der deutsche Regierungschef zu niedrig bezahlt wird. Das hätten er und auch andere schon viele Male zuvor gesagt und dazu stehe er auch, sagte er dem „Tagesspiegel am Sonntag“. „Diese Wahrheit werde ich nicht verschweigen, auch nicht als Kanzlerkandidat.“

Zugleich stellte der Ex-Finanzminister klar, dass er nicht gefordert habe, das Kanzlergehalt von knapp 17.000 Euro monatlich plus Zuschlägen zu erhöhen. Er habe lediglich die Meinung vertreten, dass Kanzler im Vergleich zu Führungspersonen in der Wirtschaft eher gering bezahlt sind. Er wolle auch in Zukunft nicht nur laut aussprechen, was opportun erscheint, sagte Steinbrück. „Ich sage, was ich denke, und ich tue, was ich sage.“

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Steinbrück hat nur eine Außenseiterchance. In zwei Gruppen schneidet er schlecht ab.

Gleichwohl räumte der Sozialdemokrat ein, dass seine Äußerung bei Geringverdienern missverstanden werden könnte. „Natürlich kann man davon gut leben“, sagte Steinbrück. Vor allem aus der Perspektive einer allein erziehenden Frau mit 1.000 Euro monatlich.

Den Schluss, er selbst wünsche sich ein höheres Einkommen, wenn er Kanzler werden sollte, wehrte Steinbrück entschieden ab. „Das ist wirklich Unfug“, sagte er. Wem die Entlohnung nicht reiche, der sollte sich nicht bewerben.

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Vertreter der Sparkassen kritisierten Steinbrücks Vergleich. „Wir halten diese Diskussion für überflüssig. Herr Steinbrück muss sich entscheiden - die Fakten liegen ja auf dem Tisch -, ob er sich als Bundeskanzler oder als Sparkassendirektor bewerben will“, teilte der Deutschen Sparkassen- und Giroverband der „FAS“ in einer Stellungnahme mit.

Sparkassen NRW: Die Spitzenverdiener

Platz 10

Sparkasse Westmünsterland

Heinrich-Georg Krumme

484.200 Euro

Platz 9

Sparkasse Bochum

Volker Goldmann

489.000 Euro

Platz 8

Stadtsparkasse Wuppertal

Peter Vaupel

500.000 Euro (geschätzt)

Platz 7

Sparkasse Leverkusen

Manfred Herpolsheimer

522.000 Euro

Platz 6

Sparkasse Essen

Hans Martz

542.800 Euro

Platz 5

Sparkasse Köln-Bonn

Artur Grzesiek

578.000 Euro

Platz 4

Sparkasse Münsterland Ost

Markus Schabel

593.000 Euro

Platz 3

Sparkasse Aachen

Hubert Herpers

650.000 Euro (geschätzt)

Platz 2

Stadtsparkasse Düsseldorf

Peter Fröhlich (bis Juni 2012)

664.000 Euro

Platz 1

Kreissparkasse Köln

Alexander Wüerst

756.000 Euro

(Daten für das Geschäftsjahr 2011, Quelle: Bundesanzeiger, Schätzungen)

Pikant ist, dass Steinbrück vor fast 15 Jahren offenbar selbst einmal Sparkassen-Chef werden wollte. Nach Recherchen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ bewarb sich Steinbrück im August 1998 informell darum, die Nachfolge des Präsidenten des schleswig-holsteinischen Sparkassen- und Giroverbandes anzutreten.Der Posten war demnach damals mit 400.000 Mark dotiert, mehr als die Ministerpräsidentin Heide Simonis verdiente.

Jedoch sei seine Kandidatur von seiner eigenen Partei hintertrieben worden. Simonis unterstützte den Flensburger Oberbürgermeister und SPD-Mann Olaf Cord Dielewicz, der von der Verbandsversammlung mit Zweidrittelmehrheit gewählt wurde.

Kommentare (71)

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Waldbesitzer

05.01.2013, 12:42 Uhr

Ach Gott, Peer, warum behauptest du dann und stellst fest, der Kanzler sei unterbezahlt, wenn du in gleichem Atemzug nun bestreitest eine Erhöhung des Kanzlergehalts anzustreben?
Das ist doch eine hinterhergeschobene Schutzbehauptung, die dir keiner abnimmt, der noch klar denken kann.
Natürlich willst du mehr Geld und willst es immer noch, nur die verheerende Reaktion auf deinen Unsinn hat dich dazu getrieben diesen halben Rückzieher zu machen.
Gib´s doch zu du Revierhirsch und versuche nicht deine Rehlein zu beschummeln.

Koboldo

05.01.2013, 13:00 Uhr

Steinbrück hat immer noch nicht begriffen, dass die Höhe des Kanzlergehalts für das Klientel seiner Wähler kaum von Interesse ist. Es gibt wahrhaftig andere Themen, die den Menschen unter den Nägeln brennen. Wenn er aber in rechthaberischer und egoistischer Manier versucht,sich zu rechtfertigen, ist er eingefundenes Fressen für die Medien und er vergrault seine potentiellen Wähler. Er sollte sich besser daran erinnern, wie Kohl mit seiner "Geradlinigkeit" scheiterte. Ein Kotzbrocken hat noch nie die Wahl gewonnen....

gquell

05.01.2013, 13:05 Uhr

Ein Kanzler, Minister, ja im Grunde jeder Politiker sollte so viel Gehalt erhalten, wie er benötigt, einen vernünftigen Lebensstandard zu halten.
Es ist aber aus der Motivationsforschung bekannt, daß mehr Geld ab einer Grenze nicht zu mehr Motivation und Leistung führt.

Ich bin der Meinung, daß die Diäten für Politiker sich an der Höhe des sozialen Mindestbedarf orientieren sollten, wie sie für HartzIV-Empfänger gezahlt werden. Das kann dann heißen, das ein Kanzler das 20fache der Grundsicherung erhält. Und wenn die Politiker ihre "Diäten" erhöhen wollen, dann müssen parallel die Grundsicherungen erhöht werden.

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