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02.07.2014

17:09 Uhr

Debatte um neuen Parteinamen

Was die FDP von Schokoriegeln lernen kann

VonDietmar Neuerer

Die krisengeschüttelte FDP diskutiert über eine Umbenennung. Im Schokoriegel-Geschäft hat ein solcher Schritt schon funktioniert. Ob er auch für die Liberalen taugt, hat der Chef von Scholz & Friends analysiert.

Rednerpult mit dem Logo der FDP: Neuer Name als Rettungsanker? dapd

Rednerpult mit dem Logo der FDP: Neuer Name als Rettungsanker?

BerlinFür die FDP sieht es übel aus. Der neue Parteichef Christian Lindner konnte die Partei bisher nicht aus ihrem Umfragetief holen. Im Gegenteil: Die Liberalen nisten sich unter der magischen Fünf-Prozent-Hürde ein. Das ist kein gutes Omen für die die anstehenden Landtagswahlen in Ostdeutschland. In Sachsen droht der Partei ähnliches Ungemach wie bei der Bundestagswahl. Sie könnte aus der Regierung und aus dem Parlament gewählt werden.

In dieser schweren Zeit für die FDP, sorgt die stellvertretende Bundesvorsitzende, die Düsseldorfer Bürgermeisterin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, mit einem ungewöhnlichen Vorschlag für Aufsehen. Sie habe den Vorschlag, die Partei umzubenennen, in den Raum gestellt, sagte sie der „Rheinischen Post“. Die Liberalen hätten mittlerweile ein großes Problem mit der FDP als Marke und würden nicht optimal wahrgenommen.  Sie sei darüber im Austausch mit dem Bundesvorsitzenden Christian Lindner und spreche die Idee auch bei Besuchen in Kreisverbänden an.

Parteichef Christian Lindner hält reichlich wenig davon, nun über einen neuen Namen für die FDP zu diskutieren. Man müsse jetzt „Konturen wieder kenntlich“ machen, statt „oberflächliche Marketingdiskussionen“ führen, sagte Lindner im Interview mit der „Stuttgarter Zeitung“. Es gehe jetzt „um Substanz und Profil“, betonte er: „Was wir dabei nicht brauchen, ist ein neuer Name. Freie Demokratische Partei - das drückt genau das aus, was wir heute in Deutschland vermissen: Eine Partei für Menschen, die selber denken und selber anpacken wollen.“

Chronologie der FDP im Bundestag

1949

Die FDP erzielt bei der Bundestagswahl 11,9 Prozent und verhilft Konrad Adenauer (CDU) zur ersten Kanzlerschaft.

1953

Die Partei rutscht auf 9,5 Prozent ab und regiert weiterhin als stärkster Partner der Union unter Adenauer.

1957

Die Liberalen gehen mit 7,7 Prozent in die Opposition.

1961

Die FDP legt auf 12,8 Prozent zu und bildet mit der Union die erste rein schwarz-gelbe Koalition, zunächst unter Adenauer, ab 1963 unter Ludwig Erhard.

1965

9,5 Prozent reichen zur Fortsetzung des Bündnisses unter Erhard. Ein Jahr später scheidet die FDP aus der Regierung aus, als Union und SPD die erste große Koalition eingehen.

1969

Mit schwachen 5,8 Prozent ermöglicht die FDP die erste sozial-liberale Koalition unter SPD-Kanzler Willy Brandt. Walter Scheel (FDP) wird Vizekanzler.

1972

8,4 Prozent; das rot-gelbe Bündnis regiert weiter.

1976

7,9 Prozent trägt die FDP zur sozial-liberalen Regierung unter Helmut Schmidt bei. Starker Mann der FDP ist Hans-Dietrich Genscher.

1980

10,6 Prozent für Genschers Partei; Rot-Gelb bleibt – noch.

1982

Bruch der Koalition mit der SPD und Wechsel in ein Regierungsbündnis mit der Union unter Kanzler Helmut Kohl (CDU).

1983

Bei der vorgezogenen Wahl fällt die FDP auf 7,0 Prozent. Doch es reicht für die Fortsetzung des gerade erst gebildeten christlich-liberalen Bündnisses. Es hält 16 Jahre.

1987

Die FDP steigert sich auf 9,1 Prozent, das Bündnis bleibt.

1990

FDP-Außenminister Genscher gilt als einer der Väter der Wiedervereinigung. Bei der ersten gesamtdeutschen Wahl stimmen 11,0 Prozent für die Liberalen.

1994

Die FDP sinkt auf 6,9 Prozent – die letzte Phase von Schwarz-Gelb beginnt.

1998

6,2 Prozent – die FDP muss wie die Union für elf Jahre in die Opposition. Das erste rot-grüne Bündnis startet unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder.

2002

7,4 Prozent reichen nicht für den erhofften Machtwechsel.

2005

9,8 Prozent sind wieder zu wenig: Die Union von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) koaliert mit der SPD.

2009

Ein 14,6-Prozent-Rekord sichert den Liberalen fünf Ministerämter in einer schwarz-gelben Regierung unter Merkel.

2013

Die FDP stürzt unter Parteichef Philipp Rösler auf 4,8 Prozent und gehört erstmals dem Bundestag nicht mehr an.

Hat Lindner Recht? Das Magazin „Horizont“ wollte es genau wissen und bat den Chef von Scholz & Friends, Roland Bös, seine Sicht auf die Debatte darzulegen. Herausgekommen ist eine Analyse, die denjenigen in der FDP die Augen öffnen könnte, die mit dem Namen der Partei ein Problem haben. Bös erklärt den Liberalen, was sie in dieser Hinsicht von Schokoriegeln, Kohle aus dem Ruhrgebiet und TV-Sendern lernen können.

Kommentare (1)

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Herr Jörg Baudisch

02.07.2014, 17:30 Uhr

LDP, DLP, FPD, DFP, PFD, PDF ... oder was.
In der DDR gab es schon die LDPD.

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