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08.07.2015

11:56 Uhr

Demografie in Deutschland

500.000 weniger

VonPeter Thelen

Trotz jüngster Zuwanderungsrekorde schrumpft Deutschland laut einer neuen Bertelsmann-Studie weiter. Das größte Problem: Die höchst ungleiche Verteilung der Bevölkerung auf die verschiedenen Regionen verschärft sich.

BerlinDeutschland wird bis 2030 um mehr als eine halbe Million Einwohner schrumpfen, hat jetzt die Bertelsmann-Stiftung in einer aktuellen Untersuchung festgestellt. Die Zahl ist eher undramatisch. Was sind 500.000 gemessen am aktuellen Bevölkerungsstand von 80,8 Millionen. Schon im April hat das Statistische Bundesamt bei der Aktualisierung älterer Bevölkerungsprognosen, die wegen der hohen Zuwandererzahlen in den vergangenen Jahren nötig wurde, festgestellt, dass die deutsche Bevölkerung in den kommenden fünf bis sieben Jahren sogar noch wachsen wird.

Erst ab 2020 werden wir weniger werden, und erst ab 2023 werden auf deutschem Boden weniger Menschen leben als heute. Also kein Grund zu Panik? Die Bertelsmann-Stiftung meint doch. Denn schon vorher wird ein anderer Prozess eintreten und den hat die Bertelsmann-Stiftung an Hand der Prognose-Daten aller Kommunen mit mehr als 5000 Einwohnern untersucht: Die Einwohnerzahlen werden in vielen vor allem ländlichen Regionen Deutschlands dramatisch sinken. Während Metropolen wie Frankfurt am Main, München und Leipzig und in eingeschränkterem Umfang auch Berlin ein Boom an Zuwanderung bevorsteht.

Wo die Bevölkerung am stärksten schrumpft

Wittenberg (Sachsen-Anhalt)

Bevölkerungsentwicklung bis 2030: minus 17,8 Prozent

Stendal (Sachsen-Anhalt)

Bevölkerungsentwicklung bis 2030: minus 17,9 Prozent

Greiz, LK (Thüringen)

Bevölkerungsentwicklung bis 2030: minus 17,9 Prozent

Oberspreewald-Lausitz (Brandenburg)

Bevölkerungsentwicklung bis 2030: minus 18,1 Prozent

Salzlandkreis (Sachsen-Anhalt)

Bevölkerungsentwicklung bis 2030: minus 18,5 Prozent

Elbe Elster (Brandenburg)

Bevölkerungsentwicklung bis 2030: minus 18,7 Prozent

Anhalt-Bitterfeld (Sachsen-Anhalt)

Bevölkerungsentwicklung bis 2030: minus 19,9 Prozent

Altenburger Land (Thüringen)

Bevölkerungsentwicklung bis 2030: minus 20,2 Prozent

Suhl (Thüringen)

Bevölkerungsentwicklung bis 2030: minus 20,3 Prozent

Mansfeld-Südharz (Sachsen-Anhalt)

Bevölkerungsentwicklung bis 2030: minus 21,5 Prozent

Vor allem der Osten blutet aus. Die zehn Kreise und Städte, die bis 2030 am meisten Bevölkerung verlieren werden, liegen alle in Ostdeutschland. In Hoyerswerda im Kreis Bautzen, in Bitterfeld Wolfen (Kreis Anhalt-Bittelfeld) oder im Gräfenhainichen (Kreis Wiitenberg) werden 2030 sogar rund 26 Prozent weniger Menschen leben als heute. Dagegen erwarten Gemeinden wie Unterföhring und Feldkirchen im Kreis München oder Ilvesheim im Rhein-Neckarkreis und Teltow im Kreis Potsdam Mittelmark, also in Ostdeutschland, einen Anstieg der Einwohnerzahl um ein Viertel.

Generell lässt sich sagen: Städtische Regionen vor allem in Westdeutschland wachsen, der ländliche Raum verliert. „Es wird für die schrumpfenden und alternden Regionen immer schwieriger werden, eine gute Infrastruktur zu gewährleisten“, sagt Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung. Die zentrale Herausforderung sei, auch in einwohnerschwachen Regionen flexible Mobilitätsangebote, schnelles Internet und eine gut erreichbare Gesundheitsversorgung sicher zu stellen.

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Bevölkerungsstatistiken aus Industrienationen zeigen, dass Eltern bei der Geburt der Kinder immer älter werden. Demografieforscher haben dieses Phänomen untersucht – und kommen zu einem erstaunlichen Ergebnis.

Beispiel Pflegebedarf: 2030 wird die Hälfte der Bundesbürger über 48 sein. Auch diese Zahl klingt auf den ersten Blick undramatisch. Aber in vielen Kommunen wird dann das Durchschnittsalter bereits deutlich höher sein. Von 63 Jahren bis 41 reicht die Spanne. 2012 waren es noch 37 bis 65. Die drei jüngsten Kommunen werden 2030 München, Unterföhring und Münster sein – alles Städte, die derzeit schnell wachsen. Die ältesten werden Bad Füssing in der Nähe von Passau, schön heute ein Rentnerparadies, Guben im Kreis Spree Neiße und Grömitz an der Ostsee sein – zumindest außerhalb der Badesaison.

Kommentare (10)

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Herr Martin Wienand

08.07.2015, 13:02 Uhr

Würden der "Generation Praktikum" anständige Arbeitsplätze angeboten, gäbe es auch mehr Kinder.

Die prekären Arbeitsverhältnisse, in der sich heute viele junge Menschen befinden, bieten nicht die Grundlage, um verantwortungsbewusst eine Familie zu gründen.

Ohne finanzielle Sicherheit keine Kinder. So einfach ist das. Und so gesund ist es.

Daran ändern auch die vielen, z. T. fragwürdigen Statistiken, mit denen die Bertelsmann-Stiftung seit Jahren ungefragt Deutschland überschüttet, auch nichts.

Matt Anderson

08.07.2015, 13:28 Uhr

"Trotz jüngster Zuwanderungsrekorde schrumpft Deutschland..."

Nicht "Trotz" sondern wegen dieser Zuwanderungsrekorde schrumpft Deutschland. Wer will denn hier noch Kinder kriegen, nur um für Merkel und Schäuble "Steuerzahlervieh" in die Welt zu setzen? Denn mehr sind die Menschen in unserem Land nicht mehr wert. (...)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Frau Margrit Steer

08.07.2015, 13:48 Uhr

Ich muß und kann beiden Kommentatoren Recht geben. Da brauche ich nichts mehr sagen.
Das alles ist von der Politik gemacht und vor allem gewollt.

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