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25.04.2012

18:00 Uhr

Demografie-Strategie

Falsche Rezepte gegen das Aussterben der Deutschen

VonAndreas Niesmann

Die Deutschen werden älter. Und es werden weniger: 17 Millionen Einwohner werden in den nächsten 50 Jahren verschwinden – wenn die Regierung nicht gegensteuert. Sie hat Rezepte. Doch die fallen bei Experten glatt durch.

Ein Baby aus dem brandenburgischen Sieversdorf (Archiv). dpa

Ein Baby aus dem brandenburgischen Sieversdorf (Archiv).

DüsseldorfDie Analyse der Bundesregierung ist schonungslos. In den nächsten 50 Jahren wird die Bevölkerung Deutschlands laut Demografiebericht auf 65 bis 70 Millionen Menschen zurückgehen. „Das wären bis zu 17 Millionen Einwohner weniger“, heißt es in dem Papier. Das entspricht ziemlich genau der Einwohnerzahl des bevölkerungsreichsten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Was besonders dramatisch ist: Auch die Altersstruktur der Gesellschaft wird sich nachhaltig verändern.

Heute stehen in Deutschland den über 65-Jährigen noch fast genauso viele Menschen unter 20 Jahren gegenüber – beide Gruppen machen ungefähr 20 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Bis 2060 wird die Gruppe der Alten so weit zunehmen, dass dann jeder Dritte 65 Jahre und älter sein wird. Der damit einhergehende Rückgang der Erwerbsfähigen wird unweigerlich zu einem Fachkräftemangel führen, wie er schon jetzt in einigen Bereichen der Wirtschaft zu beobachten ist.

Das alles ist nicht neu und wird seit dem Erscheinen des Demografieberichts der Bundesregierung im vergangenen Herbst auch von offizieller Seite anerkannt. „Wir werden weniger und wir werden älter. Diese beiden Tatsachen werden in allen Lebensbereichen ankommen und jeden berühren“, gibt Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) unumwunden zu. Doch bislang ist die Politik eine Antwort auf die Frage schuldig geblieben, wie sie Deutschland demografiefest machen will.

Einen ersten Versuch unternahm die Bundesregierung heute, als das Kabinett die „Demografie-Strategie 2030“ abnickte. Das 74-seitige Konzept, das Innenminister Friedrich in Berlin vorstellte, beinhaltet Vorschläge, wie die Folgen einer immer kleiner und älter werdenden Gesellschaft abgemildert werden können.

Kommentare (65)

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25.04.2012, 17:40 Uhr

Eines vergessen die beiden Experten, ob bewußt oder unbewußt, lass ich mal dahin gestellt
Wir haben ein riesiges Potential junger und jüngerer Menschen in der Sozialhilfe, um die sich der Staat ja nicht wirklich kümmert.
Da werden von der ARGE mal ein paar dümmliche Weiterbildungskurse gemacht, die nur einen Nutzen haben, nämlich die Arbeitslosen-Statisktik zu bereinigen. Den Leuten in den Kursen nützen diese dümmlichen Lehrgänge gar nicht.
Anstatt hier endlich einmal ganz gezielt dran zu gehen, wird so weiter gemacht.
Wir haben einen Arbeitsmarkt, der keine Perspektiven mehr gibt und junge Leute ja gar nicht in die Lage versetzt, eine Familei zu gründen.
Wer nur prekär arbeitet, nicht genug verdient und heute nicht weiß ob er morgen noch einen Job hat, wird keine Kinder in die Welt setzten
Nach wie vor entlassen Firmen immer noch Leute weil dise mit 50 angeblich zu alt sind. Oder sie geben Älteren gar keine Jobs mehr und das teils schon mit Ende 30
Massenhaft wurden in den letzen Jahren junge Akademiker wenn sie von der Uni kamen, nur als kostenlose Praktikanten beschäftigt. Bisdiese die Schnauze voll hatten und gingen und das verlassen haben.
Inzwischen haben mehr als eine 1/2 Mio Deutsche das Land verlassen.
Deutsche Kidner werden zunehmend im Ausland geboren.
Das alles muß angepackt werden
Leute zurück holen mit Rückkehr-Prämieen z, B.
Wer heute über Zuwanderung redet, gehört vor Gericht.
Oder will man bewußt Deutschland abchaffen?
Der antidetusche Trend ist ja schon länger merkbar
Und wenn wir ein paar Leute weniger sind, alle haben Arbeit, dann geht es uns nicht schlechter als jetzt.
In der derzeitigen Einwohnerzahl stecken ja auch Millionen Zuwandeer die auschließlich von den Sozialsystemen leben, das wird in der Studie nicht benannt. Warum nicht?
Denn normal dürfte man die bei so einer Studie nicht mitzählen, da sie dem Land nicht nützen

nanoflo

25.04.2012, 18:10 Uhr

Was ist mit einer Kindprämie???
100.000€/Kind wären schon ein Anreiz!
Für nichtsnutzige Bundespräsidenten und BAnken ist doch auch genug da!

xyz

25.04.2012, 18:20 Uhr

die Geburtenrate liegt meines Wissens bei circa 1,6 und nicht nur 1,4. Ob in Mecklenburg nachher 10000 Dörfer unter 1000 Einwohner sind oder nur 5000 kann den meisten Leuten im Prinzip egal sein.

Deutschland ist sowieso recht dicht besiedelt, die Lebensqualität könnte steigen, wenn mehr Raum zur Verfügung steht.

der Arbeitsmarkt 2050 wir ein ganz anderer sein als heute. Schon jetzt gibt es in vielen Nachbarländern kaum noch Kassierer in Supermärkten -- das ist ein neuer Rationalisierungs- und Automatisierungsschub, der auch DE noch treffen könnte -- es werden also in vielen Bereichen wegen technischen Fortschritt weiterhin Arbeitskräfte nicht mehr gebraucht werden. Von daher kann man einen Fachkräftemangel nicht so einfach antizipieren.

bisher ist das Arbeitsvolumen seit den 1960er Jahren ohne Unerbrechung gesunken. Jahr um Jahr wird weniger gearbeitet -- es gibt ein Überangebot an Arbeitskräften, was ewig nicht abgebaut wurde -- noch jetzt ist es z.B. so, dass nur wenige Firmen überhaupt ausbilden.

die Arbeitslosigkeit wird in DE aber aus einem Grund hoch bleiben: es gibt bei vielen eklatante Bildungsmängel und das Schulsystem ist für Einwanderung vollkommen dysfunktional -- Deutschland hat z.B. weniger Sprachförderung als andere Länder. Integration kostet immer viel Geld -- das sollte man mit einrechnen.

und die Firmen werden einfach noch schneller automatisieren und rationalisieren - das werden sie aber so oder so tun. Demographischer Wandel beschleunigt das in vielen Branchen nur.

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