Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.01.2005

12:39 Uhr

Demographischer Wandel in Sachsen besonders deutlich zu spüren

Milbradt will Familienwahlrecht einführen

Der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) macht sich für eine Änderung des Wahlrechts in seinem Bundesland und darüber hinaus stark, bei dem Eltern für jedes Kind bis zum 18. Lebensjahr eine zusätzliche Stimme abgeben können. Um die Rechte von Kindern zu stärken, sollte ein Familienwahlrecht eingeführt werden, sagte er der „Leipziger Volkszeitung“ (Donnerstag).

HB DRESDEN. Mit dem so genannten Familienwahlrecht solle die Politik zu familienfreundlicherem Handeln gezwungen werden, sagte Milbradt nach Angaben der Staatskanzlei am Donnerstag vor Studenten in Leipzig. Der Regierungschef forderte zugleich weitere finanzielle Entlastungen insbesondere für kinderreiche Familien. Ziel der Maßnahmen sei es, dem Bevölkerungsschwund entgegenzuwirken.

Milbradt betonte, Zuwanderung könne das demographische Problem nicht alleine lösen. Begrenzte Zuwanderung könne den Schrumpfungsprozess zwar abmildern, sie sei aber auf Grund des benötigten Ausmaßes an Zuwanderung letztlich kein geeignetes Instrument. Deutschland müsse insgesamt kinder- und familienfreundlicher werden, sagte Milbradt, der vor Studenten der Leipziger Uni zum Thema „Der demographische Wandel als politische Herausforderung“ sprach. Dies müsse sich auch im Wahlrecht niederschlagen.

Milbradt plädierte für ein so genanntes Familiensplitting bei der Lohnsteuer nach dem Vorbild Frankreichs an Stelle des Ehegattensplittings, das auch kinderlosen Paaren zugute kommt. In Frankreich werden alle Einkünfte einer Familie zusammengezählt und durch die Anzahl der Kinder geteilt. Vorteile würden sich insbesondere ab dem dritten Kind bemerkbar machen, sagte der Regierungschef. Er verwies darauf, dass es im Nachbarland vergleichsweise viele Familien mit drei Kindern und nur wenige kinderlose Paare gebe. Denkbar wäre auch die Einführung eines „Begrüßungsgeldes“ für Kinder, sagte er der „Leipziger Volkszeitung“.

In Sachsen sind wegen seines hohen Geburtendefizits seit dem Mauerfall die Folgen des demographischen Wandlungsprozesses früher als anderswo zu spüren, sagte Milbradt. In Sachsen lebten vor dem Mauerfall 1989 mehr als fünf Mill. Einwohner. Bis 2020 wird die Bevölkerung Studien zufolge um knapp ein Drittel abnehmen. Gleichzeitig wird der Altersdurchschnitt auf rund 49 Jahre steigen. Hauptursache ist Experten zufolge nicht die Abwanderung, sondern das Geburtendefizit.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×