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04.02.2012

16:44 Uhr

Demos in Frankfurt

Tausende demonstrieren gegen Fluglärm

Tausende demonstrieren lautstark am Frankfurter Flughafen gegen Fluglärm, sie skandieren Rufe wie „Lärm macht doof“ und wollen eine andere Flugroute. Die Flughafengesellschaft Fraport zeigt vor allem eins: Verständnis.

Großdemo gegen Fluglärm in Frankfurt: „Lärm macht krank.“ dpa

Großdemo gegen Fluglärm in Frankfurt: „Lärm macht krank.“

FrankfurtMit einer koordinierten Aktion haben am Samstag tausende Anwohner der Flughäfen Frankfurt am Main und Berlin-Schönefeld gegen Fluglärm demonstriert. In Frankfurt war es die bisher größte Demonstration von Ausbaugegnern im Flughafen. Die Polizei sprach von 6000 Demonstranten, der Veranstalter von 10.000, die in der Abfertigungshalle ein striktes Nachtflugverbot und ein Ende des Dauerlärms über ihren Häusern forderten. In Berlin beteiligten sich nach Angaben der Polizei in der Abflughalle des alten Flughafens Schönefeld 300 Menschen, nach Veranstalter-Angaben 500 bis 600. Beide Aktionen blieben friedlich.

In beiden Flughäfen erzeugten die Demonstranten, unter ihnen viele Familien mit Kindern, ohrenbetäubenden Lärm. Viele trommelten auf Eimern, Keksdosen und anderen Gefäßen. Einige trugen Ohrenschützer. „Fluglärm macht krank“ oder „Landewahn“ stand auf Plakaten. Nach Frankfurt waren auch Flughafengegner aus Berlin gekommen sowie Vertreter der Protestbewegung Stuttgart 21.

Die Fluglärm-Gegner verlangten für beide Flughäfen ein Nachtflugverbot zwischen 22 und sechs Uhr sowie den Stopp weiterer Ausbaupläne. In Frankfurt wurde auch die Stilllegung der neuen Nordbahn gefordert.

Der Frankfurter Flughafen ist das größte Luftdrehkreuz Deutschlands. In Berlin-Schönefeld soll der neue Großflughafen „Willy Brandt“ am 3. Juni in Betrieb gehen. Früher hatte die Hauptstadt drei Flughäfen: Tempelhof ist bereits stillgelegt, Tegel wird am Vorabend der Betriebsaufnahme des neuen Großflughafens stillgelegt, Schönefeld selbst ist der einstige DDR-Flughafen.

In Frankfurt äußerte der Flughafenbetreiber Fraport „großes Verständnis“ für die Demonstranten. „Die Neubelastung durch den Flugbetrieb ist für sie hoch“, sagte Fraport-Chef Stefan Schulte in einer Mitteilung. „Ich versichere den Menschen in der Region, dass wir gemeinsam und mit Hochdruck an Lösungen arbeiten, die zu einer Entlastung führen werden.“ Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände sprach von „völlig überzogenen Vorstellungen“ Forderungen der Demonstranten. Wachstum und Wohlstand der Rhein-Main-Region würden dadurch beeinträchtigt.

Kommentare (9)

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Vanni-FFM

04.02.2012, 15:43 Uhr

Der Frankfurter Innenstadtflughafen hat die Grenzen der Sozialverträglichkeit überschritten. Jeder weitere Ausbau nutzt nicht mehr der Region oder der Gesellschaft, sondern nur noch Fraport und deren Anteilseignern. Er ist ein Musterbeispiel dafür, wie ein Unternehmen seine gesellschaftliche Legitimation durch Privatisierung seiner Gewinne und Sozialisierung der Belastungen verliert: Es ist die Mitte der Bürgergesellschaft, die ein klares Nein zum weiteren Ausbau spricht. Und es ist bezeichnend, wie ein Unternehmen darüber die Sprache und damit jede Form von Respekt verloren hat. Das Management sollte den Offenbarungseid leisten und abtreten. Für die Politiker im Aufsichtsrat werden die Wähler diese Entscheidung treffen.

FraBumm

04.02.2012, 16:26 Uhr

genau !
Frankfurter Flughafen schließen oder verkleinern, mit Flugverbot das Transportsystem lahmlegen oder behindern, Kunden und Aufträge verlieren, Arbeitsplätze verlieren, Gewerbesteuer verlieren, Infrastruktur zerstören usw.

Deutschland und Frankfurt sind eh keine wichtigen Wirtschaftsstandorte mehr.

Brauchen wir doch nicht, denn uns geht es doch gut.
Die paar Banken in Frankurt machen es sowieso nicht mehr lange, ach was solls und wozu.

Und den Frankurter Flughafen verlegen wir mit deutschem KnowHow und dem Mittelstand nach Peking. Alles kein Problem der ist sicher im Nu 1:1 dort wieder aufgebaut.

HoffnungfuerRheinMain

04.02.2012, 16:48 Uhr

Das Vertrauen in die Politik und den Flughafenbetreiber ist längst verspielt - Verständnisbekundungen nützten da wenig - so sehen das viele Fluglärmbetroffene. Es ist richtig: Seit Inbetriebnahme der Landebahn ist die Lärmbelastung für viele Anrainer höher geworden, nur: Die Belastung war schon vorher - seit Ostern 2011- extrem hoch - Flieger im 40-Sek-Takt, in 1100 m Höhe und noch sehr viel niedriger, und dies - ohne Übertreibung - tatsächlich permanent - ein echter Lärmdeckel. Unsere Mainzer Dialogrunde FlugLärmSchutz wurde bereits im September 2011 von Herr Dr. Schulte empfangen, weil für uns der Lärm auch zu diesem Zeitpunkt schon unerträglich war. Warum sonst hätte sich wohl der führende Fraport-Manager, mit knappen Zeitbudget, mit unserer Gruppe treffen sollen, wenn es nicht damals schon um ein ernstes Problem gegangen wäre?
Jetzt auf neue Belastungen und Betroffenenheiten zu rekurrieren, verdreht die Tatsachen. Fakt ist: Es ist in ganz Rhein-Main zu laut und dies seit Jahren, weil die Zahl der Anflüge steigt - der Himmel ist tatsächlich flächendeckend verlärmt, von der Wetterau bis Rheinhessen - nur nicht in Bad Homburg, wo Herr Dr. Schulte zuhause ist.
Helfen können hier nur noch ein striktes Nachtflugverbot, die Deckelung von Flugbewegungen und eine Änderung der Anflugverfahren - alles andere ist Kosmetik. Bereits in unserem Gespräch im September merkte der Fraportchef an, die Verteilung des Luftraums müsse insgesamt überdacht werden. Die Protestbewegung wartet darauf, dass aus solchen Worten endlich Taten werden, die der ganzen Region helfen.

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