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30.12.2016

07:57 Uhr

Der Fall Anis Amri

BAMF-Chef sieht keine Fehler im eigenen Haus

Anis Amri kam als tunesischer Flüchtling nach Deutschland. Immer wieder täuschte der mutmaßliche Attentäter von Berlin die deutschen Behörden. BAMF-Chef Weise sieht aber keine Versäumnisse seiner Behörde.

Terroranschlag Berlin

Das Bekennervideo von Amis Amri

Terroranschlag Berlin: Das Bekennervideo von Amis Amri

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Berlin/KarlsruheNach den bisherigen Ermittlungen zum Terroranschlag von Berlin und dem mutmaßlichen Attentäter Anis Amri sieht das Bundesflüchtlingsamt keine Versäumnisse im eigenen Haus. „Amri ist nicht durch das Raster des BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) geschlüpft“, sagte Behördenchef Frank-Jürgen Weise der „Bild“-Zeitung (Freitag). „Vorwürfe mache ich mir daher nicht, aber der Anschlag macht mich sehr betroffen. Der Fall Amri ist Anlass, einige Prozesse auch in unserem Hause nochmals genau zu überprüfen.“

Weiter sagte Weise: „Bis jetzt kann ich keine Fehler des BAMF im Fall Amri erkennen.“ Allerdings gelte auch. „Wir sind noch mitten in der Aufarbeitung und müssen uns alle Details genau anschauen, erst danach kann man eine abschließende Bewertung vornehmen.“

Was über die Fluchtroute von Anis Amri bekannt ist

Berlin

Montag, 19.12.: Gegen 20.00 Uhr fährt ein Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche. Im Lkw entdecken Ermittler Fingerabdrücke des Tunesiers Anis Amri.

Nimwegen (Niederlande)

Mittwoch, 21.12.: Gegen 11.30 Uhr zeichnen Kameras im Bahnhof Bilder eines Mannes auf, der nach Angaben der niederländischen Staatsanwaltschaft „sehr wahrscheinlich“ Amri ist. In Nimwegen wurden an diesem Tag Gratis-Sim-Karten verteilt, von denen eine später bei Amri gefunden wurde. Italienischen und französischen Medien zufolge fuhr Amri mit dem Fernbus weiter nach Lyon. Das in den Berichten genannte Unternehmen Flixbus teilte auf Anfrage mit, es stehe in „engem Austausch mit internationalen Ermittlungsbehörden“. Flixbus bietet Fahrten von Nimwegen nach Lyon über Brüssel, Paris oder Düsseldorf an.

Lyon (Frankreich)

Donnerstag, 22.12.: Am Nachmittag zeigen Aufnahmen der Videoüberwachung Amri im Bahnhof Lyon Part-Dieu. Von dort soll er französischen Medien zufolge einen Zug nach Chambéry genommen haben.

Chambéry (Frankreich)

Donnerstag, 22.12.: Hier soll Amri in einen Zug Richtung Turin umgestiegen sein. Französische Medien berichteten, dass italienische Ermittler bei Amri nach seinem Tod Tickets für die Strecke von Lyon nach Italien gefunden hätten.

Turin (Italien)

Donnerstag, 22.12.: Im Bahnhof Porta Nuova filmt eine Überwachungskamera Amri um 22.14 Uhr. Unbestätigten Medienberichten zufolge blieb Amri etwa zwei Stunden in dem Bahnhof.

Mailand (Italien)

Freitag, 23.12.: Eine Überwachungskamera filmt Amri um 00:58 Uhr im Hauptbahnhof.

Sesto San Giovanni

Freitag, 23.12.: Gegen 3:30 Uhr wird Amri vor dem Bahnhof von Polizisten erschossen, die routinemäßig seinen Ausweis kontrollieren wollten.

Amri erreichte 2011 als tunesischer Flüchtling Italien, saß dort wegen verschiedener Straftaten mehrere Jahre hinter Gittern und kam im Juli 2015 nach Deutschland. Immer wieder täuschte der mittlerweile getötete mutmaßliche Attentäter die deutschen Behörden, benutzte Aliasnamen, stellte mehrere Asylanträge, kam vorübergehend in Abschiebehaft, lebte mal in Nordrhein-Westfalen, mal in Berlin. Schließlich entzog er sich der Überwachung der Behörden.

Der scheidende BAMF-Präsident wies darauf hin, dass es im europäischen Asylregister Eurodac keinen Treffer zu Amri gegeben habe. „Wir konnten also nicht wissen, ob er einen Antrag stellte und dieser in Italien abgelehnt worden war. Aber: Selbst wenn wir es gewusst hätten, hätte Amri hier einen Asylantrag stellen können - den hätten wir dann ebenfalls abgelehnt.“ Das Eurodac-System funktioniere nur, wenn es auch von allen Ländern gründlich mit Daten befüllt werde. „Deutschland tut das intensiv. Wir setzen uns gegenüber den anderen EU-Mitgliedsstaaten dafür ein, dass sie es auch tun.“

Kommentare (33)

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29.12.2016, 15:43 Uhr

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29.12.2016, 16:41 Uhr

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29.12.2016, 17:38 Uhr

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