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30.03.2017

19:15 Uhr

Der große Ausblick für Deutschland

Die Wirtschaft trotzt den geopolitischen Turbulenzen – noch

Das Handelsblatt Research Institute stellt die wichtigsten Daten für die deutsche Wirtschaft vor: Wachstum, Arbeitsmarkt, Konsum und Devisen. Bis 2018 sieht es fast überall gut aus – doch es gibt Herausforderungen.

Mit den wichtigsten Wirtschaftsdaten in Deutschland geht aufwärts – oder sie bleiben auf hohem Niveau. dpa

Gute Stimmung in der Wirtschaft

Mit den wichtigsten Wirtschaftsdaten in Deutschland geht aufwärts – oder sie bleiben auf hohem Niveau.

DüsseldorfSeit der globalen Konjunkturkrise der Jahre 2008/ 2009 wächst die deutsche Volkswirtschaft nun schon das achte Jahr in Folge – und ein Ende dieser Wachstumsphase ist bislang nicht in Sicht. Denn der Anfang der Woche veröffentlichte Ifo-Geschäftsklimaindex klettere in diesem Monat um satte 1,2 Punkte auf nunmehr 112,3 Punkte. Dies ist der höchste Wert seit dem Juli 2011. Diese deutliche Stimmungsaufhellung der etwa 7000 befragten Unternehmen steht in einem bemerkenswerten Kontrast zu den jüngsten harten Wirtschaftszahlen. Denn beispielsweise hat die Zunahme des privaten Konsums, der in der jüngsten Vergangenheit der wichtigste Wachstumstreiber war, sich verlangsamt. Die Einzelhandelsumsätze sind im Januar gegenüber dem Vormonat sogar zurückgegangen.

Das Handelsblatt Research Institute (HRI) geht in seiner neuen Konjunkturprognose ebenfalls davon aus, dass die gesamtwirtschaftliche Leistung der deutschen Wirtschaft bis zum Ende des nächsten Jahres pro Quartal durchschnittlich etwa 0,4 Prozent zulegen wird. Wegen der unterschiedlichen Anzahl der Arbeitstage ergibt sich daraus für 2017 ein reales Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent und für 2018 von 1,7 Prozent. Damit liegen die Zuwachsraten des Bruttoinlandsprodukts über dem Produktionspotenzial, den rechnerischen langfristigen Produktionsmöglichkeiten der Volkswirtschaft.

Die mit Hilfe statistischer Filterverfahren ermittelte Wachstumsrate des Produktionspotenzials, der gesamtwirtschaftlichen Ausbringung bei einer normalen Auslastung der Produktionsmöglichkeiten, liegt laut der Schätzung des Sachverständigenrates derzeit bei etwa einem Prozent pro Jahr. Wächst eine Volkswirtschaft dauerhaft stärker als ihr Produktionspotenzial, so droht eine Überhitzung, sprich Knappheit auf dem Arbeitsmarkt, steigende Löhne und steigende Preise.

Aufgrund vielfältiger geopolitischer Risiken ist insbesondere die Prognose des kommenden Jahres mit Unsicherheiten behaftet. Am Mittwoch hat die britische Premierministerin Theresa May den Austrittsantrag des Vereinigten Königreichs aus der EU in Brüssel eingereicht. Zudem ist noch nicht absehbar, ob und welche Maßnahmen US-Präsidenten Donald Trump zur Umsetzung seiner „America First -Agenda“ ergreifen wird. Sicher ist, dass weder vom Brexit noch von Trumps Steuerplänen positive Wachstumsimpulse auf die nach wie vor stark exportabhängige deutsche Volkswirtschaft ausgehen werden. Hinzu kommen die Unsicherheiten als Folge der Entwicklung in der Türkei, von weiteren Terroranschlägen auch in Deutschland und eines schwer berechenbaren russischen Präsidenten, der offensichtlich dem Ziel eines neuen, kommunismusfreien Großrussland anhängt.

Ungeachtet dieser Risiken geht das HRI davon aus, dass die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in diesem und auch noch im kommenden Jahr anhalten wird und die größten Beiträge zu den gesamtwirtschaftlichen Wachstumsraten wieder vom privaten Konsum kommen werden. Für 2017 dürfte dieser Wachstumsbeitrag bei 0,8 Prozentpunkten liegen. Der Staatskonsum steuert in diesem Jahr 0,4 Prozentpunkte bei und von den Bruttoanlageinvestitionen kommen 0,3 Prozentpunkte. Der Außenhandel dürfte dagegen die gesamtwirtschaftliche Dynamik bremsen, da die Importe deutlich stärker zulegen werden als die Exporte. Ein Grund dafür dürfte der recht starke private Konsum sein. Somit drückt das Zusammenwirken von einer abgeschwächten Exportdynamik und stärker steigenden Importen dieses Jahr das Wirtschaftswachstum in 2017 um 0,4 Prozentpunkte drücken.

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Auch im Jahr 2018 bleibt der private Konsum mit einem Wachstumsbeitrag von einem Prozentpunkt der größte Wachstumstreiber. Der Staatskonsum liefert 2018 noch einen Wachstumsbeitrag von 0,3 Prozentpunkten und die Bruttoanlageinvestitionen kommen auf 0,6 Prozentpunkte. Der Außenhandel wird 2018 die skizzierte Entwicklung fortsetzen und das gesamtwirtschaftliche Wachstum um 0,3 Prozentpunkte dämpfen. Womöglich wird dies die EU-Kommission und die US-Administration trotz der Rekordausfuhr der deutschen Wirtschaft ein wenig milde stimmen.

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