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01.03.2011

12:08 Uhr

Der unfreiwillige Rücktritt

Märchenprinz am beruflichen Abgrund

VonDaniel Delhaes

Zwei Wochen hat die Affäre gedauert. Am Dienstag, 1. März, ist um 11.23 Uhr alles vorbei für den beliebtesten Politiker Deutschlands. Karl-Theodor zu Guttenberg gibt sein Amt auf und tritt zurück. Eine Momentaufnahme.

Karl-Theodor zu Guttenberg verlässt die Pressekonferenz, auf der er seinen Rücktritt erklärt hat. Quelle: Reuters

Karl-Theodor zu Guttenberg verlässt die Pressekonferenz, auf der er seinen Rücktritt erklärt hat.

Berlin"Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht", sagt Guttenberg in Berlin auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz. Die Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit, die "Copy and Paste"-Mentalität des Doktoranden der juristischen Fakultät der Universität Bayreuth, sie wurde ihm zum Verhängnis.

Das ZDF berichtet live, Nachrichtensender bis hin zur BBC wollen diesen historischen Moment übertragen. Der Medienstar, er steht im Foyer des Bundesverteidigungsministeriums, und liest seine Rücktrittserklärung vor. Auch jetzt, im Augenblick seines politischen Falls will er wie ein würdevoller Edelmann dastehen und ehrenvoll die Gründe benennen, weshalb er erst heute, viele Tage nach den ersten Plagiatsvorwürfen und nach einer beispiellosen Protestwelle im Land "von allen politischen Ämtern" zurücktritt.

Guttenberg im Wortlaut: „Ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht“

Guttenberg im Wortlaut

„Ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht“

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zieht die Konsequenzen aus der Plagiatsaffäre und ist zurückgetreten. Seine Rücktrittserklärung im Wortlaut, dokumentiert auf Guttenbergs Homepage.

Es sei "eine Frage des Anstandes" gewesen, die drei in Afghanistan gefallenen Soldaten "mit Würde zu Grabe zu tragen", sagt er. "Es findet eine dramatische Verschiebung zu Lasten der mir Anvertrauten statt." Soldaten würden verletzt und fielen in Afghanistan, während Deutschland über seine Doktorarbeit diskutiere. Das könne er als Minister nicht mehr verantworten. Er habe "ein geordnetes Haus" hinterlassen wollen für seinen Nachfolger "für die größte Bundeswehrreform, die ich angestoßen habe".

Er, der Generäle und den Kommandanten der Gorch Fock in Windeseile suspendierte oder entließ, so bald er bei ihnen auch nur leise Zweifel gab, er wollte lange Zeit nicht gehen. Er wollte weiter glänzen als Liebling der schwarz-gelben Koalition. Ministerpräsident in Bayern, Bundeskanzler, alles schien möglich für den Märchenprinzen, den Strahlemann der CSU. Jetzt steht er da, akkurat im feinen Zwirn und perfekt gebundener Krawatte, ohne Doktortitel, ohne Ministeramt, am beruflichen Abgrund, entlarvt als einer, der den Ruhm suchte, aber für ihn nicht ehrlich arbeiten wollte. "Ich habe wie alle anderen auch zu meinen Schwächen und Fehlern zu stehen", sagt er heute. Deswegen habe er sich "aufrichtig bei all jenen entschuldigt, die ich verletzt habe".

Kommentare (23)

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Peinlichberuehrt

01.03.2011, 12:53 Uhr

Eine Mediale Schlammschlacht, in der es nicht um Qualität und Arbeit eines Menschen ging, geht zu Ende. Was bleibt, ist ein peinliches Gefühl weiter in diesem Staat zu leben. Was bleibt ist eine menschenunwürdige Hetzjagt, getrieben durch die opposition in Deutschland. Ich hoffe wirklich, dass sich jemand einmal alle Doktorarbieten der Leute vornimmt, die jetzt am lautesten Applaudieren und das jetzt entstandene in Gang gesetzt haben, warscheinlich würden wir dann 80 % dieser feinen Herren nicht mehr im Amt sehen. Was bleibt sollte die Angst dieser Leute sein, hoffentlich nicht die nächsten zu sein, deren Doktorarbeiten einmal genauer unter die Lupe genommen werden ! Peinlich Peinlich, es gilt immer noch in Deutschland, Politische Karriere und Ansichten sind wichtiger als der Auftrag des Volkes oder dessen wohlergehen ! Danke für Ihre Arbeit Herr Guttenberg, ich war sicherlich nicht immer Ihrer Meinung, aber im grossen und ganzen haben Sie hervorragende Arbeit geleistet !

Kantahh

01.03.2011, 13:02 Uhr

Unabhängig von der Tatsache, daß Herr zu Guttenberg mit seinem Verhalten selbst der Auslöser der Affäre war und der entsprechende Vorgang durchaus kritikwürdig ist gilt m.E.: Hier ist einer der vielversprechendsten Repräsentanten der deutschen Politik auf brutale Art und Weise zu Gunsten der Kaste blasser und neidischer Hauptstadtpolitiker sowie eitelkeitsumnachteter Wissenschaftler niedergeschrieben worden. Und das von Menschen deren Reinheit der Weste ich gerne überprüfen lassen würde...diese mögen sich für die feige Hatz schämen und fragen welchen Dienst sie der Republik damit tatsächlich erwiesen haben.

Kantahh

01.03.2011, 13:02 Uhr

Unabhängig von der Tatsache, daß Herr zu Guttenberg mit seinem Verhalten selbst der Auslöser der Affäre war und der entsprechende Vorgang durchaus kritikwürdig ist gilt m.E.: Hier ist einer der vielversprechendsten Repräsentanten der deutschen Politik auf brutale Art und Weise zu Gunsten der Kaste blasser und neidischer Hauptstadtpolitiker sowie eitelkeitsumnachteter Wissenschaftler niedergeschrieben worden. Und das von Menschen deren Reinheit der Weste ich gerne überprüfen lassen würde...diese mögen sich für die feige Hatz schämen und fragen welchen Dienst sie der Republik damit tatsächlich erwiesen haben.

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