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27.03.2006

08:42 Uhr

Der Wahlabend in Berlin

Anhaltendes Partygeschnatter

VonMaximilian Steinbeis

Die CDU-Spitze präsentiert sich in zufriedenem Gleichmut und ínterpretiert die Wahlergebnisse als Bestätigung der Bundeskanzlerin.

BERLIN. Die ersten Sätze des Generalsekretärs verhallen ungehört. Es dauert eine Weile, bis die im Foyer des Konrad-Adenauer-Hauses versammelten Wahlpartygäste merken, dass Ronald Pofalla vor das Mikrofon getreten ist. Die CDU-Gäste löffeln altmärkische Hochzeitssuppe, schlürfen badischen Weißburgunder oder pfälzischen Dornfelder. Erst als Pofalla sagt, die CDU sei "auch an diesem Wahlabend wieder die stärkste Partei in Deutschland", verstummt das Partygeschnatter an den Stehtischen allmählich.

Von Emotionen ist in der CDU-Zentrale wenig zu spüren an diesem Abend. Alles ist so schön ausbalanciert: In Baden-Württemberg kratzt die Union an der absoluten Mehrheit - dafür hat sie in Rheinland-Pfalz krachend verloren. In Sachsen-Anhalt reicht es womöglich nicht mehr für Schwarz-Gelb, aber da die CDU bequem vorn und die SPD hinter der Linkspartei liegt, findet das niemand weiter schlimm: Dann gibt es eben eine große Koalition. Aus Berliner Sicht ohnehin die zeitgemäße Lösung.

Pofalla lässt das Publikum gleich wissen, was es von diesem Ergebnis zu halten hat: Es handle sich um "eine Bestätigung der erfolgreichen Arbeit unserer Bundeskanzlerin, Doktor Angela Merkel". Auch dem Verlierer von Rheinland-Pfalz, Christoph Böhr, zollt Pofalla warmen Dank. Böhr, der in der Heimat von Helmut Kohl vor fünf Jahren schon eine krachende Niederlage eingefahren hatte und seine Spitzenkandidatur gegen die offene Skepsis großer Teile der eigenen Partei durchsetzen musste, hat der CDU in Rheinland-Pfalz einen neuen Negativrekord beschert. Ein junger Mann im Trachtenjanker höhnt: "Danke!"

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