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05.10.2012

17:26 Uhr

Deregulierung der Bundesregierung gescheitert

Unternehmen versinken in der Bürokratie

Vorschriften, Anleitungen, Regulierungen: Deutschlands Manager fühlen sich der Bürokratie immer stärker ausgeliefert, zeigt der Handelsblatt-Business-Monitor. Die Ergebnisse sind eine Ohrfeige für die Bundesregierung.

Die Bürokratie in Deutschland macht vielen Unternehmen zu schaffen. dpa

Die Bürokratie in Deutschland macht vielen Unternehmen zu schaffen.

Frankfurt, BerlinDass Deutschlands Bürokratie ein Monster ist, daran zweifelt keiner. Was aber viel schlimmer ist: Es wächst und gedeiht, urteilen neun von zehn deutschen Spitzenmanager, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa für den Handelsblatt-Business-Monitors befragt hat. Die Bürokratie, sagt Forsa-Chef Manfred Güllner, „umfasst die Unternehmen im Würgegriff“.

Knapp 700 Führungskräfte der deutschen Wirtschaft hat Forsa in den vergangenen Wochen exklusiv für das Handelsblatt in einer repräsentativen Umfrage telefonisch interviewt - mit klaren Ergebnissen: 71 Prozent der Spitzenmanager klagen darüber, es gebe „alles in allem“ zu viele Vorschriften und Regulierungen in Deutschland. Das Ausmaß sei größer als in vergleichbaren westlichen Ländern, meinen zwei Drittel der Befragten.

Die Ergebnisse der Umfrage gleichen einer schallenden Ohrfeige für die Bundesregierung. Schwarz-Gelb wollte die Wirtschaft von einem Viertel der bürokratischen Lasten befreien, die sich laut dem Statistischen Bundesamt auf jährlich 50 Milliarden Euro belaufen.

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Selbst Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sieht Handlungsbedarf - gibt den Schwarzen Peter aber nach Brüssel weiter: „Wir haben national schon viel erreicht. Doch der Bürokratieabbau bleibt angesichts der europäischen Gesetzgebung eine Daueraufgabe“, sagte er dem Handelsblatt.

Am nächsten Mittwoch überreicht Johannes Ludewig Bundeskanzlerin Angela Merkel den Jahresbericht des Normenkontrollrats zum Bürokratieabbau - eines der Vorzeigeprojekte der Bundesregierung. Die Bilanz des früheren Bahn-Chefs, der heute an der Spitze des Gremiums steht, ist geteilt: „Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, ein Viertel dieser Last bis Ende 2011 abzubauen. Das ist weitgehend gelungen“, sagte Ludewig.

Doch das von der Koalition selbst gesteckte Ziel an Maßnahmen zum Bürokratieabbau ist noch nicht erreicht: „Weitere müssen folgen“, forderte Ludewig. Der Normenkontrollrat berät die Regierung beim Bürokratieabbau. Das Gremium erwarte mehr Engagement von allen Beteiligten, sagte Ludewig. Länder und Kommunen müssten sich ebenso beteiligen wie die Wirtschaft. „Gute Vorschläge aus der alltäglichen Praxis, wo konkret unnötige Bürokratie und Kosten beseitigt werden können, sind leider in der Realität eher Mangelware.“

Kommentare (23)

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Clemens

05.10.2012, 17:59 Uhr

Es ist erstaunlich, dass die Wirtschaft allmählich wach wird.
Vor Ort ist hier eine Finanz-Fachhochschule wo mir ein Dozent des Hauses beim Dorffest
vor einigen Wochen erklärte, das es ca.1,3 Millionen Gesetze, Dienstanweisungen,
Ausführungsbestimmungen usw. gebe. Der Bundesbürger muss sich in den Täglichen Umgang
mit über 30 Millionen Gesetze / Vorschriften Auseinandersetzen und Beachten.
Wer glaubt, wir leben in einer Demokratie, möge weiter schlafen.
Unser Leben wird Ausschließlich von Juristen und nicht von der Politik bestimmt.

Ottokar

05.10.2012, 18:21 Uhr

Der Bürokratieabbau ist sicher kein Thema mit dem man Leser gewinnen kann. Die Mehrheit schweigt oder erduldet unnötige Bürokratie. Um so mehr ist der Artikel zu begrüßen.
Ähnlich wie bei den ständig sich erhöhenden Staatsschulden verhält es sich mit dem ständig sich erhöhenden Aufwand für Bürokratie. Beides scheint Wenigen zu nutzen und Vielen zu schaden.
Wäre es nicht angebracht Staatsschuldenaufbau und Bürokratieaufbau auch den Wenigen zu vergällen. Der Schaden der durch Beides verursacht wird dürfte es wert sein.

pikokelvin

05.10.2012, 18:35 Uhr

da hilft nur eins: streiken sollen die unternehmer.keine formulare ausfüllen,nicht antworten wenn wieder so ein wisch kommt von wem auch immer.
das einzige was bei mir ausgefüllt wird sind die MA-abrechnungen für die KV und die lohnsteuer sonst nichts.
vieles verläuft auch im sande, wenn sich der unternehmer nicht rührt.
es ist natürlich von branche zu branche verschieden, aber der grossteil dürfte entberlich sein, vom statistikamt z.b.
auch die androhung von sogen. zwangsmassnahmen kann man gut abwehren. denn man kann denen drohen den geschäftssitz zu verlagern. das zieht. die haben angst um jeden arbeitsplatz der weggeht. zur begründung kann man dann ruhig die warheit schreiben, das zieht noch mehr. andere B-Länder sind dann auch zufrieden wenn einer umsiedelt, da wird mann hofiert, wie der könig von preussen.
genauso ist es mit den ausbildungsplätzen. da braucht ja der ausbilder oder im handwerk der meister, eine "ausbilderprüfung" von der ihk/handwerkskammer, wenn er ausbilden will. die haben einen rückzieher gemacht, bei den betrieben, die zwar ausbilden wollen aber eben keine "ausbilderprüfung" selbst ablegen wollen, weil das argument zieht, die praxis wird's schon richten. da machen die kammern den grossen kneifer und geben sogen. "ausnahmegenehmigungen" auf die der unternehmer sch...st.
wenn die kammern nicht wollen, stellt der unternehmer eben keine azubis ein- punkt.

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