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29.01.2003

10:53 Uhr

Deutliche Konjunkturrisiken durch Krieg

Regierung hofft auf Belebung im zweiten Halbjahr

Die Bundesregierung sieht durch einen Krieg in Irak deutliche konjunkturelle Risiken für die deutsche und die Weltwirtschaft. In dem am Mittwoch vom Bundeskabinett in Berlin verabschiedeten Jahreswirtschaftsbericht heißt es, "ein Krieg stellt ein unkalkulierbares Wachstumsrisiko dar, das in der Jahresprojektion nicht berücksichtigt werden kann".

Wolfgang Clement. Foto: dpa

Wolfgang Clement. Foto: dpa

Reuters BERLIN. Im Bericht haben die Konjunkturexperten die Wachstumsprognose für Deutschland bereits auf rund ein von zuvor etwa 1,5 % abgesenkt. Doch im Falle eines Krieges könnte das Wachstum nach Einschätzung der Regierung schlechter ausfallen: "Vor allem die weitere Erholung der Weltwirtschaft - insbesondere die allgemein erwartete nachhaltige Belebung in den USA - und damit auch die Beschleunigung des Welthandels sind durchaus nicht gesichert."

Zudem heißt es in dem 68 Seiten starken Bericht unter dem Titel: "Allianz für Erneuerung- Reformen gemeinsam voranbringen": "Dabei könnten vor allem von einer möglichen militärischen Intervention im Mittleren Osten nachhaltige negative Effekte auf internationale Finanzmärkte, Ölpreise, Konsumenten- und Investorenvertrauen ausgehen." Im Bericht nimmt die Regierung einen Ölpreis 28 $ je Barrel an. Am Mittwoch wurde ein Barrel der Nordsee-Marke Brent zur Lieferung im März zu einem Preis von 30,30 $ gehandelt.

Falls es zu keiner militärischen Auseinandersetzung komme, rechnet die Bundesregierung vom Sommer an mit einem Aufschwung: "Im Jahr 2003 wird sich die wirtschaftliche Dynamik im Verlauf des 2. Halbjahres beschleunigen". Die Arbeitslosenzahl könnte im Durchschnitt des Jahres weiter auf 4,2 (Vorjahr 4,06) Mill. steigen und werde erst zum Jahresende unter den Vorjahresstand sinken. Die Inflation werde nur 1,3 % betragen. Damit verfüge die deutsche Wirtschaft "bei einem starken Euro-Kurs" über ein hohes Maß an Stabilität. Die Staatsdefizitquote werde nach 3,7 % im Vorjahr wieder unter die Marke von drei Prozent sinken.

Die anhaltenden Kriegsängste waren am Mittwoch nach Angaben von Händlern erneut mit ein Grund für kräftige Verluste beim Deutschen Aktienindex (Dax). Die Verunsicherung über die weiteren Schritte der USA in der Irak-Krise bleibe auch nach Rede des US-Präsidenten George W. Bush bestehen, hieß es. Daher seien die Anleger unverändert nervös. Bush hatte in seiner Rede an die Nation in der Nacht zum Mittwoch Beweise für Massenvernichtungswaffen in Irak angekündigt.

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