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11.10.2011

17:39 Uhr

Deutliche Mehrheit

Huber bleibt IG-Metall-Chef

Berthold Huber ist mit großer Mehrheit erneut zum IG-Metall-Vorsitzenden gewählt worden - und gehört damit weiter zu den mächtigsten Arbeitnehmervertretern Deutschlands. Der 61-Jährige gilt als ruhig aber hartnäckig.

Berthold Huber bleibt Vorsitzender der IG Metall. dpa

Berthold Huber bleibt Vorsitzender der IG Metall.

KarlsruheDer IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber ist mit großer Mehrheit wiedergewählt worden. 450 von 467 Delegierten stimmten am Dienstag auf dem Gewerkschaftstag in Karlsruhe für ihn. Das entspricht einem Anteil von 96,2 Prozent. Weitere Kandidaten für den Posten gab es nicht. Vor vier Jahren hatten 92,6 Prozent der Delegierten dem gebürtigen Ulmer ihr Vertrauen ausgesprochen. 

Der 61-jährige Huber steht der größten deutschen Einzelgewerkschaft seit 2007 vor. In der Zeit verschlankte er zusammen mit dem Zweiten Vorsitzenden Detlef Wetzel die Zentrale in Frankfurt am Main und sorgte dafür, dass die Gewerkschaft im September erstmals seit Jahren wieder mehr Mitglieder verzeichnete. Als eine der wichtigsten Aufgaben für die kommende Legislatur sieht er eine Verstetigung des Zuwachses und die Verjüngung des Vorstands.

In das Klischee des wortgewaltigen Gewerkschaftsbosses passt Berthold Huber auch nach seiner Wiederwahl als IG-Metall-Chef nicht. Ein mitreißender Redner wird nicht mehr aus ihm und dennoch hat der 61-Jährige gemeinsam mit Detlef Wetzel die Zügel bei Europas mächtigster Einzelgewerkschaft so fest in der Hand wie kaum einer seiner Vorgänger. Huber holte am Dienstag 96,2 Prozent der Stimmen - eine Verbesserung gegenüber seiner ersten Wahl vor vier Jahren, als er 92,6 Prozent Zustimmung auf sich vereinte. 

In seiner ersten Amtszeit seit 2007 hat der schmale Schwabe, der mitunter geradezu körperlich unter den Weltproblemen zu leiden scheint, alle Höhen und Tiefen mitgemacht: Vom beispiellosen Boom der exportstarken Metall- und Elektrobranche im Jahr 2008 ging es direkt in die von der Lehman-Pleite ausgelöste Weltwirtschaftskrise. Huber war als Krisenmanager ein gefragter Mann bei Opel, in Kanzlerrunden oder bei der Rettung von wichtigen Unternehmen wie Conti-Schaeffler. Huber sitzt in den Aufsichtsräten von Siemens, VW, Audi und Porsche.

Tarifpolitisch ging es ebenfalls zu wie auf der Achterbahn. Nach der üppigen 8-Prozent-Forderung von 2008 mutete Pragmatiker Huber seiner Organisation in der nächsten Runde zu, erstmals ohne konkrete „Zahl“ in die Verhandlungen zu gehen, um möglichst viele Jobs zu retten. Für die im Frühjahr anstehende Runde lässt sich der Fuchs, der bereits unter Walter Riester die Tarifabteilung leitete, nicht in die Karten schauen. Dafür sei es viel zu früh, sagt der vorsichtige Taktiker. 

Der streng katholisch erzogene Werkzeugmacher aus Ulm hatte es nach dem Abitur schon in jungen Jahren zum Betriebsratsvorsitzenden beim Busbauer Kässbohrer gebracht. Doch Huber verließ die gerade Linie des vorgezeichneten Funktionärslebens und studierte in Frankfurt Geschichte und Philosophie. Nach der Wende baute Huber die IG Metall in Sachsen auf, bis er aus familiären Gründen - er musste sich um seine kleine Tochter kümmern - nach Frankfurt zurückkehrte. Während seiner Zeit als Bezirkschef in Stuttgart von 1998 bis 2003 mehrte das SPD-Mitglied den Ruf der Baden-Württemberger als kampfstarken Pilotbezirk redlich und erzielte wegweisende Abschlüsse. 

Huber hat lange gewartet auf den Chefsessel bei der IG Metall, den er angeblich nie angestrebt haben will. Klaus Zwickel wollte ihn an seinem Vize Klaus Peters vorbei gleich zum Chef machen. Doch Huber entschied sich für den Kompromiss mit dem machtbewussten Peters, dem er nach vier Vize-Jahren 2007 nachfolgte. Mit Wetzel bildet der leise Huber seitdem ein stabiles Führungsduo, das auf Rekordeinnahmen und endlich wieder wachsende Mitgliederzahlen verweisen kann.

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