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27.10.2015

06:54 Uhr

Deutsch-Französische Digital-Konferenz

„Europäische Unternehmen werden am schnellen Wachstum gehindert“

VonDana Heide

Heute treffen sich der deutsche und der französische Wirtschaftsminister zur Deutsch-Französischen Konferenz zur Digitalen Wirtschaft. Tobias Kollmann, Chef des Beirats „Junge Digitale Wirtschaft“ hat Hausaufgaben für sie im Gepäck.

„Umso schneller ein Unternehmen wachsen kann, desto größer sind seine Chancen, international zu bestehen.“ dpa

Wettrennen um die Größe

„Umso schneller ein Unternehmen wachsen kann, desto größer sind seine Chancen, international zu bestehen.“

Tobias Kollmann leitet den Beirat „Junge Digitale Wirtschaft“, der das Bundeswirtschaftsministerium in digitalen Fragen berät. Heute übergibt er gemeinsam mit seinem Kollegen vom französischen Pendant „Conseil national du numérique“

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und dessen französischem Amtskollegen Emmanuel Macron einen 15-Punkte-Plan, wie ein europäischer digitaler Binnenmarkt entstehen kann.

Tobias Kollmann, Vorsitzender des Beirats „Junge Digitale Wirtschaft“ beim Bundeswirtschaftsministerium.

Tobias Kollmann

Tobias Kollmann, Vorsitzender des Beirats „Junge Digitale Wirtschaft“ beim Bundeswirtschaftsministerium.

Herr Kollmann, warum müssen die europäischen Staaten bei der Digitalisierung besser miteinander kooperieren?
Schauen Sie sich die Position von europäischen Start-ups im weltweiten Vergleich an. Es gibt momentan 120 sogenannte „Unicorns“ weltweit, also Firmen, die mit über einer Milliarde Dollar bewertet sind. Davon sind 79 in den USA, 28 in Asien und nur 13 in Europa, davon vier in Deutschland. Wir geraten gerade zwischen die Mühlsteine der Player aus Asien und den USA, die irgendwann einmal Europa als digitale Beute sehen werden. Ich glaube, dass wir eine gemeinsame europäische digitale Strategie brauchen, die uns mehr Durchschlagkraft gibt, im internationalen Wettbewerb zu bestehen.

Was macht es europäischen Start-ups so schwer?
Ein Start-up aus Berlin versucht heute erstmal den deutschen Markt zu erobern. Aber es gibt keinen deutschen Markt im Online-Bereich. Das Internet kennt keine Grenzen. Und umso schneller ein Unternehmen wachsen kann, desto größer sind seine Chancen, international zu bestehen. Unternehmen in Europa werden aber am schnellen Wachstum gehindert, weil sie sich in jedem europäischen Land auf andere Regeln einstellen müssen. Im Moment ist es doch so: Unternehmen versuchen erstmal ihren Heimatmarkt zu erobern, dann greifen sie ihre europäischen Wettbewerber an und erst dann sind sie groß genug, um international zu konkurrieren. In der Zeit ist der große Amerikaner schon längst so stark geworden, dass er sich am Ende nur noch aussuchen muss, welchen europäischen Konkurrenten er kaufen will.

Was muss sich ändern?
Wir brauchen einheitliche steuerliche und rechtliche Regeln in Europa. Wir brauchen einheitliche Systeme zur Förderung von digitaler Ausbildung in Europa. Wissen ist die beste Basis für eigene digitale Innovationen.

Was fehlt noch?
Wir brauchen Plattformen, die Start-ups europaweit zusammenbringen, damit sie sich frühzeitiger verbünden und gemeinsam im internationalen Online-Wettbewerb bestehen können. Aber nicht nur untereinander, sondern auch mit dem Mittelstand und der Industrie, damit sie denen bei der digitalen Transformation helfen können. Auch aus dieser Verbindung kann eine neue Kraft entstehen, denn die einen haben den Zugang zu Märkten und die anderen die digitalen Innovationen.

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