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07.07.2012

11:55 Uhr

Deutsch-französische Freundschaft

Zwei Staaten, zwei Ansichten

Seit 50 Jahren besteht der deutsch-französische Freundschaftsvertrag. Bei den anstehenden Feierlichkeiten will Angela Merkel die Beziehung erneut würdigen. François Hollande sieht den Bund deutlich kritischer.

In ihrer Videobotschaft kündigte Angela Merkel an, Deutschland und Frankreich werden gemeinsam an einem vereinigten Europa arbeiten. dapd

In ihrer Videobotschaft kündigte Angela Merkel an, Deutschland und Frankreich werden gemeinsam an einem vereinigten Europa arbeiten.

Berlin/FrankfurtKurz vor dem Jubiläum der sogenannten Versöhnungsmesse in Reims hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die deutsch-französische Freundschaft gewürdigt. Merkel sagte am Samstag in ihrer wöchentlichen Videobotschaft, Frankreichs früherer Staatspräsident Charles de Gaulle und der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer hätten 1962 „Mut und Weitsicht“ bewiesen. „Sie haben die Bedenken vieler beiseite getan und haben einen Neuanfang gewagt; einen einzigartigen Neuanfang, der international zu einer der bedeutendsten Freundschaften geführt hat“, erklärte die CDU-Vorsitzende.

Die Kanzlerin wird am Sonntag gemeinsam mit dem französischen Staatspräsidenten François Hollande an einer Gedenkfeier in der Kathedrale von Reims teilnehmen. Schon de Gaulle und Adenauer hätten gesagt, die deutsch-französische Freundschaft sei ein unerlässlicher Schritt auf dem Weg zu einem vereinigten Europa.

François Hollande warnt: Die deutsch-französische Freundschaft dürfe nicht als Direktorium für Europa verstanden werden. AFP

François Hollande warnt: Die deutsch-französische Freundschaft dürfe nicht als Direktorium für Europa verstanden werden.

„Genau daran arbeiten wir - Deutschland und Frankreich - gemeinsam. Und das tun wir auch angesichts der aktuellen Herausforderungen“, sagte Merkel mit Blick auf die Euro-Krise. Sie werde in Reims noch einmal deutlich machen, dass Deutschland und Frankreich gemeinsam daran gehen, „die Aufgaben unserer heutigen Zeit zu lösen“.

Gänzlich anders sieht das François Hollande. In einem Interview mit der französischen Zeitung „L'Union“ (Samstagsausgabe) warnt er vor einem Alleingang beider Länder in der Europapolitik. Zwar sei in Europa sicherlich nichts möglich, wenn Frankreich und Deutschland sich nicht einig seien. Allerdings dürfe man die „Beziehung nicht wie ein Direktorium verstehen, in dem Frankreich und Deutschland allein für Europa entscheiden.“ Die übrigen Länder müssten eingebunden werden.

Von

dapd

Kommentare (16)

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Machiavelli

07.07.2012, 12:07 Uhr

Der Morgenthau-Plan oder warum Europa verblutet.
Die Euro- und EU-Verträge, von der deutsch-französische Achse entworfen und durchgesetzt, führen zu eine Art Morgenthau-Plan für die Peripherieländer der Währungsunion.
Die wirtschaftlich schwache Euro-Länder werden, weil ihre Wirtschaft gegen die stärkere Wirtschaften nicht geschützt ist, immer schwächer. Dies führt dazu dass vielen jungen und gut ausgebildete Menschen aus diesen Länder keine andere Alternative bleibt als Europa den Rücken zu kehren und ihr Glück auf andere Kontinente zu suchen.
Diese Hämorrhagie ist nicht nur eine menschliche Tragödie aber auch wirtschaftlich nachteilig für Europa.
Was Europa braucht sind Vertragsänderungen die zu einer Wirtschaftskonvergenz innerhalb der Währungsunion führen und zu einer horizontalen Arbeitsteilung, Vertragsänderungen die den natürlichen Standortsnachteile der Peripherieländer entgegen wirken.

Nostradamus

07.07.2012, 12:13 Uhr

In den drei Jahrzehnten vor der Euro-Einführung fand eine stärkere Integration zwischen den 6 Gründer-Ländern statt als seither. Dass Deutschland seine Steuerhoheit mit anderen Ländern teilt (dies würde eine Fiskalunion bedeuten), deren wirtschaftliche und geopolitische Interessen nicht mehr unbedingt deckungsgleich mit den seinen sind, erscheint nur schwer vorstellbar. Und selbst wenn – Deutschland würde im Gegenzug Bedingungen stellen, die die anderen Länder abschrecken könnten.
Jedoch kann die Eurorettung nur durch eine echte Fiskalunion gelingen.
Die "Schuldenbremse" ist für die Eurorettung nur das was eine Sonnenrille zum Blauen Auge ist, liebe Frau Merkel.
Gerne würde ich wissen warum damals Mitterrand und Kohl diese Scheinunion gewählt haben, wahrscheinlich hatte damals Mitterrand gedacht Frankreich würde sich weiter durchsetzen können.
So ein großer Staatsmann war er anscheinend doch nicht.
Am Ende werden wir die Bildung eines Mitteleuropa um Deutschland und eine Union pour la méditerranée um Frankreich-Italien-Spanien sehen.
Also eine Zweiteilung Europas. Schade!

Account gelöscht!

07.07.2012, 12:14 Uhr

Zwischen den Zeilen..

'Ein Freundschafts-Vertrag'

Muss man Verträge über Freundschaften schließen oder Freundschaften mit Verträgen beschließen...;-)

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