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25.04.2014

12:42 Uhr

Deutsche Arbeitgeberverbände

Pflegebeiträge werden stärker steigen als geplant

Die Beiträge für die Pflege werden wohl stärker steigen als bislang geplant, fürchtet deutschen Arbeitgeberverband. Grund seien Leistungssteigerungen in der Pflege. Diese könnten bald nicht mehr finanzierbar sein.

Ein Krankenpfleger versorgt eine Rentnerin: Die Pflege wird immer teurer. ap

Ein Krankenpfleger versorgt eine Rentnerin: Die Pflege wird immer teurer.

BerlinAngesichts geplanter Leistungssteigerungen in der Pflege befürchtet die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) eine stärkere Erhöhung der Beiträge als bislang eingeplant. „Schon jetzt ist absehbar, dass in wenigen Jahren eine erneute Beitragssatzanhebung droht“, schreibt der Spitzenverband in einer Stellungnahme, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Es dürften keine Leistungen eingeführt werden, die nicht mehr finanzierbar seien, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in ein Alter erhöhter Pflegebedürftigkeit kommen. Zuerst hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Freitag) über das Thema berichtet.

Die Reformpläne der Bundesregierung für die Pflege sehen bislang Erhöhungen um 0,3 Prozentpunkte im Jahr 2015 vor. 0,2 Punkte sollen später für die geplante Großreform dazukommen. Unterm Strich soll das sechs Milliarden Euro pro Jahr mehr bringen. Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen jeweils zur Hälfte in die Pflegeversicherung ein.

Die schwarz-roten Pflege-Pläne

Die Pflege in zwei Schritten

Zwanzig Jahre nach dem Beschluss zur Pflegeversicherung will die schwarz-rote Bundesregierung die Pflege in Deutschland nun in zwei Schritten reformieren. Kernpunkte der Pläne von Union und SPD:

Anpassung an Preisentwicklung

Die gut 2,5 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland sollen ab 2015 um bis zu vier Prozent erhöhte Leistungen bekommen.

Betreuung

Mehr Menschen sollen sich mit Demenzkranken, Behinderten oder psychisch Kranken beschäftigen. In Heimen sind neben Fachkräften dafür etwa 24 000 nachqualifizierte Kräfte im Einsatz – künftig sollen es 45 000 sein.

KURZZEIT- UND VERHINDERUNGSPFLEGE

Flexibler und großzügiger sollen Hilfen gewährt werden für bis zu vier Wochen Heimaufenthalt eines zu Hause gepflegten Menschen pro Jahr, ferner für vier Wochen ambulante Pflege etwa durch einen Dienst, wenn Angehörige Urlaub machen.

LOHNERSATZ BEI PFLEGEORGANISATION

Wer Pflege daheim organisieren muss, hat Recht auf zehn Tage Auszeit – künftig soll es dafür Lohnersatz ähnlich wie Kinderkrankengeld geben.

RECHTSANSPRUCH AUF FAMILIENPFLEGEZEIT

Angehörige können sich für eine Pflegezeit bereits bis zu sechs Monate unbezahlt von der Arbeit freistellen lassen. Die Familienpflegezeit aber, in der man auf bis zu 15 Stunden reduzieren kann, ist für die Unternehmen freiwillig. Auch hier soll ein Rechtsanspruch her.

Vorsorgefonds

Von 2015 bis 2033 sollen steigende Milliardensummen in einen Fonds fließen. Wenn die sogenannten Babyboomer-Jahrgänge 1959 bis 1967 verstärkt pflegebedürftig werden, sollen mit diesem Geld Beitragssprünge vermieden werden.

Ausbildung

Die Ausbildung zu Alten- und Krankenpflegern soll einheitlich werden, so dass Altenpfleger später besser wechseln können und der Beruf attraktiver wird.

Demenz

In Reformstufe 2 soll mit einer Großreform die Versicherung besser auf die zahlreicher werdenden Demenzkranken eingestellt werden. Die heute drei Pflegestufen sollen durch fünf weiter gefasste Pflegegrade ersetzt werden. Auch Einschränkungen im Wahrnehmen und Bewusstsein, die heute bei der Einstufung nach körperlicher Beeinträchtigung im Hintergrund sind, sollen stärker zählen.

Finanzen

Der Pflegebeitragssatz soll von 2,05 Prozent (Kinderlose: 2,3 Prozent) 2015 um 0,3 Punkte steigen. 0,2 sollen später für die geplante Großreform dazukommen. Unter Strich soll das sechs Milliarden Euro pro Jahr mehr bringen.

Von

dpa

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