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20.02.2013

06:38 Uhr

Deutsche Finanzbranche

Großbanken haben engen Kontakt zur Politik

ExklusivDie öffentliche Kritik an der Finanzbranche mag groß sein. Die deutsche Politik jedoch pflegt ein enges Verhältnis zu großen Banken, wie aus einer Aufstellung des Bundesfinanzministeriums hervor geht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm sich Zeit für vier Banker. Einer von ihnen war der Chef der Deutschen Bank Anshu Jain. dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm sich Zeit für vier Banker. Einer von ihnen war der Chef der Deutschen Bank Anshu Jain.

BerlinTrotz der öffentlichen Kritik an der Finanzbranche pflegt die deutsche Politik ein enges Verhältnis zu großen Banken. Das geht aus einer Aufstellung des Bundesfinanzministeriums über Kontakte zwischen Vertretern der Banken und der Bundesregierung hervor, die dem Handelsblatt vorliegt. Bei dem Papier handelt es sich um eine Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linkspartei.

Nach der Auflistung haben vor allem die Deutsche Bank und die Investmentbank Goldman Sachs in der laufenden Legislaturperiode Termine mit Spitzenvertretern der Bundesregierung bekommen. Allein Christoph Brand, Partner bei Goldman Sachs und zuständig für den öffentlichen Sektor, hat es demnach seit Oktober 2009 fast 50-mal in die Terminkalender der Bundesregierung geschafft.

Dabei entfallen allein auf den Staatsminister im Kanzleramt, Eckart von Klaeden, 25 Gespräche. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nahm sich vier Mal für den Banker Zeit.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich mit den Großen der Finanzbranche vor allem auf Auslandsreisen nach China, Russland, Afrika, Italien und Portugal umgeben. Zeit für ein direktes Gespräch nahm sich die Regierungschefin nur für vier Banker: den Ex-Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Clemens Börsig, den einstigen Bundesbank-Präsidenten Axel Weber nach dessen Wechsel zur Schweizer Bank UBS und für die Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen.

Marktanteile der Investmentbanken - Fusionen & Übernahmen mit deutscher Beteiligung

Morgan Stanley

Rang 1 (Vorjahr: 10)

33,3 Milliarden Dollar

26 Transaktionen

Deutsche Bank

Rang 2 (Vorjahr: 1)

31,3 Milliarden Dollar

21 Transaktionen

Goldman Sachs

Rang 3 (Vorjahr: 4)

31,2 Milliarden Dollar

23 Transaktionen

Rothschild

Rang 4 (Vorjahr: 6)

25,8 Milliarden Dollar

32 Transaktionen

JP Morgan

Rang 5 (Vorjahr: 2)

24,8 Milliarden Dollar

15 Transaktionen

Citi

Rang 6 (Vorjahr: 7)

16,3 Milliarden Dollar

12 Transaktionen

Credit Suisse

Rang 7 (Vorjahr: 3)

14,0 Milliarden Dollar

18 Transaktionen

UBS

Rang 8 (Vorjahr: 15)

12,8 Milliarden Dollar

13 Transaktionen

Lazard

Rang 9 (Vorjahr: 9)

10,5 Milliarden Dollar

17 Transaktionen

Bank of America/Merrill Lynch

Rang 10 (Vorjahr: 8)

9,8 Milliarden Dollar

9 Transaktionen

Quelle

Thomson Reuters, ausgewerteter Zeitraum: 1. Januar bis 18. Dezember 2012

Beim Papier des Finanzministeriums überrascht die detaillierte Auflistung selbst kleiner Treffen. Dazu hieß es in der Regierung, dass man „durch Offenlegung jede Skandalisierung vermeiden“ wolle.

Gerade wegen der Vielzahl von kritischen Problemen bei der Euro- und Staatsschuldenkrise gebe es „hohen Beratungs- und Erklärungsbedarf“. Man sei auf den Rat von Bank-Experten angewiesen, hieß es. Deshalb werde man auch in Zukunft das Gespräch mit Bankvertretern suchen.

Von

jhi

Kommentare (51)

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Ludwig500

20.02.2013, 06:29 Uhr

Das ist doch normal, dass Chefs öfters vorbeischauen um sicher zu stellen, dass das Personal auch spurt.

Frankie

20.02.2013, 06:51 Uhr

Politik und Banken sind wie siamesische Zwillinge, die auf einander angewiesen sind: Die Politik schafft über eine fehlgeleitete Notenbankpolitik Nullzinsen, das einzige Mittel, den Staatsbankrott wegen Überschuldung noch um einige Jahre zu verzögern, und ermöglicht damit den Banken ihren (risikofreien, dank Steuerzahler, sprich ESM) Gewinn über 4-7% Anlagen in PIIGS Staaten. Im Gegenzug stimmen die Banken der neuen Finanztransaktionssteuer zu (die aber in Wirklichkeit von allen Kunden getragen wird) und geben der Politik Pöstchen für ausgemusterte Politiker (Sparkassen, Landesbanken usw.). Eine gelungene Symbiose, wäre sie nicht zu Lasten der Bürger und Steuerzahler, und eigentlich ein Fehlverhalten.

Skywalker

20.02.2013, 07:04 Uhr

Für dien Vertreter von Goldmann Sachs, die Bank die Griechenland mit mesen Tricks geholfen hat, die Beitrittskriterien zur EU zu erschummeln, für diesen Vertreter nimmt sich Frau Merkel soviel Zeit? Pfui! Unwissenheit kann das nicht sein, was ist es dann?

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