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26.11.2012

15:19 Uhr

Deutsche Jugend

Kein Glaube an den sozialen Aufstieg

Einmal arm, immer arm: Vor allem junge Menschen aus einfachen Verhältnissen glauben nicht an einen sozialen Aufstieg. Dass persönliche Anstrengung weiterhilft, glauben die wenigsten. Für viele zählt nur das Elternhaus.

Deutsche Jugendliche halten einen sozialen Aufstieg für unwahrscheinlich. dpa

Deutsche Jugendliche halten einen sozialen Aufstieg für unwahrscheinlich.

BerlinMehr als die Hälfte der aus einfachen Verhältnissen stammenden Menschen unter 30 Jahren glaubt nicht, dass in Deutschland ein Aufstieg in eine höhere soziale Schicht möglich ist. Einer neuen Studie zur Chancengerechtigkeit zufolge ist mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung überzeugt davon, dass Leistung sich nicht lohnt und allein das Elternhaus zählt. Der Glaube, sich durch Leistung verbessern zu können, sei aber eine Grundvoraussetzung dafür, sich verstärkt zu engagieren, sagte die Geschäftsführerin des Allensbach-Instituts, Renate Köcher, am Montag in Berlin bei der Präsentation der Studie. Besonders pessimistisch sind danach die Ostdeutschen.

Ganz anders schätzen etwa die Schweden ihre Chancen ein. Laut der ländervergleichenden Studie im Auftrag der Zeitschrift „Bild der Frau“ sind dort unabhängig von der sozialen Schicht zwei von drei jungen Erwachsenen überzeugt davon, dass jeder alles werden kann. Lediglich 28 Prozent halten einen sozialen Aufstieg für nur sehr schwer möglich. Hierzulande werde die Verantwortung für die Bildung der Kinder stark den Eltern übertragen. In Schweden zeigen sich die Eltern laut Umfrage deutlich entspannter und delegieren Bildungsaufgaben eher an den Staat.

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Weil deutsche Eltern sich eher verpflichtet fühlen, spielen ihre eigenen Voraussetzungen der Studie zufolge eine größere Rolle als in Schweden. Der enge Zusammenhang zwischen Bildungshintergrund der Eltern und dem Bildungsweg der Kinder präge auch die Vorstellung der Deutschen sehr stark, ob man es in dieser Gesellschaft mit Leistung zu etwas bringen könne, sagte Köcher. Soziale Unterschiede seien normal. „Die entscheidende Frage ist, ob eine Gesellschaft auch Auf- und Abstiege ermöglicht“, betonte die Meinungsforscherin.

Bereits das dreigliedrige deutsche Schulsystem sei sehr starr und nicht durchlässig, ergänzte dazu die Bildungssoziologin und Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin, Jutta Allmendinger. Sie kritisierte, dass die Herkunft von Schülern bei der Beurteilung ihrer Chancen oft eine zu große Rolle spiele.

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Während schwedische Eltern glauben, dass Kinder davon profitieren, wenn sie schon sehr früh in die Kita oder zur Tagesmutter gehen, sind die Deutschen der Meinung, dass ein Kleinkind unter der Berufstätigkeit der Mutter oder beider Elternteile leidet. In Deutschland besucht bislang nur rund ein Viertel der unter Dreijährigen eine Kinderbetreuungseinrichtung. Schweden verzeichnet dagegen eine Betreuungsquote von mehr als 90 Prozent für Zweijährige.

Kommentare (10)

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Ben-Wa

26.11.2012, 15:49 Uhr

Die Jugend wird belogen und mit Schulden überhäuft. Die Jugend sollte genau wissen, daß ihnen spätestens der Staatsbankrott droht. Mit allen damit verbundenen Unanehmlichkeiten. Die Alten entscheiden die Wahlen - die Jungen haben keine Lobby!

Account gelöscht!

26.11.2012, 16:02 Uhr

...kein Wunder, dass sich die Jungend mit "daddeln" betäubt!

Ihre Aussichten sind mehr als deprimierend.

fabian.scf

26.11.2012, 16:54 Uhr

Es bleibt allerdings ein Unterschied, ob jemand glaubt, keine Chance zu haben oder ob er die vorhandenen einfach nicht nutzt. Ich glaube ehrliche gesagt nicht daran, dass ein fleißiger Mensch mit dem nötigen Willen in irgendeinem Verhältnis stecken bleiben muss. Es gibt doch genug Beispiele von Menschen, die trotz gelgentlichem Scheitern wieder auf die Beine kommen. Aber Resignation scheint ja mittlerweile typisch deutsch zu sein.

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