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16.12.2013

14:10 Uhr

Deutsche Wirtschaft

Bundesbank erwartet Wachstum

Die Bundesbank setzt auf ein Wachstum der deutsche Wirtschaft in den kommenden Monaten. Obwohl die Konjunktursignale gemischt sind, soll da Winterhalbjahr deutlich stärker werden.

Im November dürfte die Kfz-Produktion deutlich steigen. dpa

Im November dürfte die Kfz-Produktion deutlich steigen.

Berlin/Frankfurt/DüsseldorfDer Aufschwung der deutschen Wirtschaft wird auch im Winter an Fahrt gewinnen. Damit rechnet die Deutsche Bundesbank: „Trotz eines sehr verhaltenen Einstiegs in das Schlussquartal ist damit zu rechnen, dass die deutsche Wirtschaft im Winterhalbjahr 2013/ 2014 kräftig expandieren wird“, heißt es im Monatsbericht der Bundesbank vom Montag.

Verwiesen wird auf eine anziehende Automobilproduktion, günstigere Produktions- und Exporterwartungen der Unternehmen sowie eine hohe Nachfrage nach Vorleistungsgütern. Die lebhafte Binnenkonjunktur - getragen vom Wohnungsbau und der guten Verbraucherstimmung – dürfte durch eine stärkere Industriekonjunktur ergänzt werden.

Auch auf mittlere Sicht rechnet die Bundesbank mit einer anziehenden Konjunktur. Wie bereits Anfang Dezember mitgeteilt worden war, geht sie für das kommende Jahr von einem Wirtschaftswachstum um 1,7 Prozent aus, für 2015 wird ein Plus von 2,0 Prozent veranschlagt. Das wäre jeweils deutlich mehr als die für dieses Jahr erwartete Zuwachsrate von 0,5 Prozent. „In mittelfristiger Perspektive sollte die deutsche Volkswirtschaft davon profitieren, dass nicht nur die globale Wirtschaft wieder stärker wächst, sondern dass auch die europäische Wirtschaft zunehmend Tritt fasst.“

Deutschlands Exportüberschüsse

Seit wann erzielt Deutschland Exportüberschüsse?

Seit 1952. Nur in den ersten Nachkriegsjahren wurde mehr importiert als exportiert. 1950 gab es ein Handelsdefizit von umgerechnet 1,54 Milliarden Euro, das aber schon 1951 auf 76 Millionen Euro schrumpfte. Seither gibt es Überschüsse.

Mit welchen Ländern erzielt Deutschland Überschüsse?

Mit den meisten. Den größten Überschuss erzielt Deutschland im Handel mit Frankreich. Dorthin wurden im vergangenen Jahr Waren im Wert von 39,7 Milliarden Euro mehr exportiert als von dort eingeführt. Auf Rang zwei folgen die USA mit (36,3 Milliarden Euro) und Großbritannien (28,6 Milliarden Euro). Das größte Defizit macht Deutschland im Handel mit dem ölreichen Norwegen (-17,7 Milliarden Euro), gefolgt von den Niederlanden (-15,6 Milliarden) und China (-10,7 Milliarden.)

Wie hoch ist der deutsche Leistungsbilanzüberschuss?

In den ersten acht Monaten 2013 wurden Waren im Wert von 726 Milliarden Euro ausgeführt, aber nur im Wert von 599 Milliarden Euro importiert. Das ergibt einen Exportüberschuss von 127 Milliarden Euro. In die Leistungsbilanz fließen zudem der Austausch von Dienstleistungen mit dem Ausland ein, aber beispielsweise auch Entwicklungshilfe und Vermögenseinkommen. Von Januar bis August summierte sich der Leitungsbilanzüberschuss damit auf rund 115 Milliarden Euro.

Welche Länder haben einen höheren Exportüberschuss?

Derzeit kein anderes, nicht einmal Exportweltmeister China. 2012 lag der deutsche Überschuss mit umgerechnet 238 Milliarden US-Dollar sowohl über dem von China (193 Mrd) als auch dem des ölreichen Saudi-Arabien (165 Mrd). Mit der Erholung der Weltkonjunktur dürfte sich der deutsche Leistungsbilanzüberschuss in diesem Jahr auf die 200-Milliarden-Euro-Marke zubewegen, prognostiziert das Münchner Ifo-Institut. Das wäre ein Rekord.

Warum werden die Überschüsse kritisiert?

Die USA, aber auch der Internationale Währungsfonds zählen sie zu den großen Ungleichgewichten in der Weltwirtschaft, die für die globale Finanz- und die Schuldenkrise in Europa mitverantwortlich sind. Denn Ländern mit Exportüberschüssen stehen welche mit Defiziten gegenüber, die ihre Importe über Schulden finanzieren müssen. Die EU-Kommission stuft einen Leistungsbilanzüberschuss von mehr als sechs Prozent der Wirtschaftsleistung als stabilitätsgefährdend ein. Bei einer längeren Fehlentwicklung droht sie deshalb mit einem Mahnverfahren, an dessen Ende ein Bußgeld stehen könnte. Im ersten Halbjahr lag der deutsche Überschuss bei 7,2 Prozent.

Was kann dagegen getan werden?

Der IWF und die Industriestaaten-Organisation OECD fordern seit längerem von Deutschland, mehr für die Binnennachfrage zu tun, um die Unwucht zu beheben. Höhere Importe schmelzen nicht nur den deutschen Überschuss, sondern erhöhen die Exporte anderer Länder – die damit ihre Defizite verringern können. Ein Schlüssel dazu können stärkere Lohnerhöhungen sein. „Das stimuliert die Binnennachfrage, wodurch mehr importiert und der Außenhandel wieder mehr ins Gleichgewicht gebracht wird“, sagt der Direktor des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts, Gustav Horn. Steigen die Löhne hierzulande, werden deutsche Produkte teurer – womit die preisliche Wettbewerbsfähigkeit etwa der Euro-Länder steigen würde und dort den Export ankurbeln könnte.

Was sagt die Wirtschaft?

Sie argumentiert ganz anders. Der deutsche Erfolg helfe den Krisenländern. Ihr Argument: Deutsche Exporte bestehen zu rund 40 Prozent aus zuvor importieren Vorprodukten, sagt etwa der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Somit profitiere auch das Ausland. Zudem steigen die deutschen Importe wegen des anziehenden Konsums bereits: Die führenden Wirtschaftsinstitute erwarten sowohl für dieses als auch das kommende Jahr ein höheres Importtempo.

Wird Deutschland immer Überschüsse erzielen?

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) bezweifelt das. Ab 2028 erwartet es keine Exportüberschüsse mehr in Deutschland. Wenige Jahre später sollen Leistungsbilanzdefizite folgen. „Die Ursache dieser Entwicklung ist der demografische Wandel, die Schrumpfung und Alterung der deutschen Bevölkerung“, heißt es in der Studie. Weil es in wenigen Jahren schon weniger Erwerbstätige geben werde, könne auch weniger exportiert werden. Gleichzeitig müsse der Konsum der Älteren durch höhere Importe gedeckt werden.

Derweil rechnet die deutsche Industrie 2014 mit einem Exportplus von mindestens zwei Prozent. „Die Weltwirtschaft setzt ihren Wachstumskurs fort. Europa lässt die Rezession weiter hinter sich, wenn auch mit moderatem Tempo“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Markus Kerber, in Berlin. Als Motor sieht der BDI das Handelsabkommen von Bali. „Das Abkommen führt zu Kostensenkungen für Unternehmen, da bürokratische Hürden abgebaut und Zollprozesse zukünftig schneller und transparenter gestaltet werden.“ Viele der neuen Vereinbarungen kommen Industriebranchen wie Maschinenbau und Automobil vor allem beim Handel mit Entwicklungsländern zugute.

Nach Einschätzung des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) dürfte der Aufschwung indes keinen nennenswerten Niederschlag am Arbeitsmarkt finden. Die Zahl der Menschen ohne Job werde sich im Jahresdurchschnitt 2014 um 50.000 auf 3,0 Millionen erhöhten, heißt es in einer Prognose des Instituts der Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf.

Bei der Arbeitslosenquote rechnen die IMK-Experten trotz einer Erhöhung der Erwerbstätigenzahl mit einem Anstieg von 6,9 Prozent auf 7,0 Prozent im kommenden Jahr. Hintergrund der Entwicklung sei ein steigendes Angebot an Arbeitskräften durch eine höhere Erwerbsneigung und durch Zuwanderung, hieß es.

Beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) rechnet das Institut im kommenden Jahr mit einem Anstieg um 1,2 Prozent nach 0,4 Prozent im laufenden Jahr. „Wir prognostizieren eine Aufhellung der wirtschaftlichen Lage, aber noch keinen selbsttragenden Aufschwung“, so der wissenschaftliche Direktor des IMK, Professor Gustav Horn. Zentrale Stütze der Konjunktur bleibe der private Konsum.

2014 könne man auch eine erneute Zuspitzung der Situation im Euroraum „nicht gänzlich“ ausschließen, hieß es in der IMK-Prognose. Deutlich wahrscheinlicher sei jedoch eine langsame Besserung der Lage in den Krisenländern.

Kommentare (1)

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Joker1

16.12.2013, 12:49 Uhr

Alles Hypothesen.
Andere, sog. "Wirtschaftsexperten" sagen -trotz "Wachstum" einen Anstieg der Arbeitslosigkeit voraus. Ganz nach dem Motto: "nichts Genaues weiß man nicht"!
Der Michel muss mal wieder auf vordermann gebracht werden, nur nicht zu wohl werden lassen, denn die richtigen Probleme (Eurozone) kommen erst noch.

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