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31.12.2016

14:39 Uhr

Deutscher Arbeitsmarkt

Der Sehnsuchtsort auf dem Westbalkan

2015 hatten Tausende auf dem Westbalkan per Asylantrag auf einen Job in Deutschland gehofft. Die Regierung startete ein Gastarbeiterprogramm – dreimal so viele Arbeitslose haben seitdem eine Arbeitsgenehmigung erhalten.

In den ersten elf Monaten des Jahres hat die Bundesagentur für Arbeit dreimal so vielen Menschen aus den Westbalkan-Staaten eine Arbeitsgenehmigung erteilt wie im selben Zeitraum des Vorjahres. dpa

Große Nachfrage nach deutscher Arbeitserlaubnis

In den ersten elf Monaten des Jahres hat die Bundesagentur für Arbeit dreimal so vielen Menschen aus den Westbalkan-Staaten eine Arbeitsgenehmigung erteilt wie im selben Zeitraum des Vorjahres.

NürnbergDas Anfang 2016 gestartete Gastarbeiterprogramm für Arbeitssuchende aus dem Westbalkan kommt in der Region gut an. In den ersten elf Monaten des Jahres hat die Bundesagentur für Arbeit (BA) dreimal so vielen Männern und Frauen aus den Westbalkan-Staaten eine Arbeitsgenehmigung – offiziell Vorab-Zustimmung – erteilt wie im selben Zeitraum des Vorjahres. Das geht aus einer vorläufigen Bilanz der Nürnberger Behörde hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Insgesamt hätten bis Ende November rund 50.000 Albaner, Bosnier, Serben, Montenegriner, Mazedonier und Kosovaren von der Bundesagentur die Erlaubnis erhalten, in Deutschland arbeiten zu dürfen. Dazu mussten sie ein konkretes Job- oder Ausbildungsangebot in Deutschland nachweisen. Zwischen Januar und November 2015 waren es dagegen lediglich 16.500 gewesen.

Am stärksten nutzten das im Zuge der Asylverfahrensbeschleunigung aufgelegte Programm der Bundesregierung Kosovaren: Die Zahl der erteilten Arbeitsgenehmigungen stieg bei dieser Gruppe innerhalb der ersten elf Monate um 263 Prozent auf 16.400, gefolgt von Bosniern mit 15.400 Genehmigungen (plus 245 Prozent) und Serben mit 10.350 Arbeitsgenehmigungen (plus 283 Prozent). In mehr als 10.000 Fällen lehnte die Bundesagentur Anträge von Männern und Frauen aus dem Westbalkan ab.

Wo Hilfsarbeiter, Fachkräfte und Akademiker am meisten verdienen

Hilfskräfte

Topverdienste werden im Schnitt in Informations- und Kommunikationstechnik-Berufen (2,214 Millionen Euro) und bei Banken, im Rechnungswesen und in der Steuerberatung erzielt (2,085 Millionen Euro), die geringsten Verdienste in Gesundheits-, Körperpflege- und Wellness-Berufen (910 000 Euro) und in der Land- und Forstwirtschaft (924 000 Euro).

Fachkräfte mit einer betrieblichen Ausbildung

Topverdienste werden hier in Informations- und Kommunikationstechnik-Berufen (2,19 Millionen Euro) und in Einkaufs-, Vertriebs- und Handelsberufen (1,972 Millionen Euro) erzielt, die geringsten Verdienste in Reinigungsberufen (986 000 Euro) sowie in Gastronomie- und Tourismus-Jobs (1,035 Millionen Euro).

Akademiker

Akademikern winken Topverdienste in technischen Forschungs-, Entwicklungs- und Konstruktionsberufen (2,709 Millionen Euro) sowie in Einkaufs-, Vertriebs- und Handelsberufen (2,553 Millionen Euro), die geringsten Verdienste dagegen in der Lebensmittelindustrie (1,301 Millionen Euro) und in der Gastronomie- und Tourismusbranche (1,302 Millionen Euro).

Das Bundesarbeitsministerium gibt derweil zu bedenken, dass nicht jede erteilte Vorabzustimmung der Bundesagentur dazu führe, dass Betroffene ihr Heimatland verließen, um in Deutschland zu arbeiten. Wie die Zahl der von den deutschen Auslandsvertretungen erteilten Arbeitsvisa zeige, gebe es manche, die davon gar keinen Gebrauch machten. Bis Ende Oktober sind nach Kenntnis des Ministeriums lediglich 14.426 Arbeitsvisa an Bürger der sechs Westbalkanstaaten erteilt worden.

Das Auswärtige Amt selbst spricht von 21.000 bearbeiteten Anträgen auf ein Arbeitsvisum in den Auslandsvertretungen von Belgrad, Podgorica, Pristina, Sarajewo, Skopje und Tirana.

Kurz gesagt: Vergesst den Westbalkan nicht

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Durch die EU-Krise wird ein Beitritt der Westbalkanstaaten immer unwahrscheinlicher. Doch die Länder sind für die Stabilität und Zukunft der EU wichtig. Sie zu vernachlässigen wäre fatal. Ein Gastbeitrag.

Diese Zahl schließt die abgelehnten Anträge ein. Aus dem Auswärtigen Amt heißt es: „Durch die Neuregelung für die Staatsangehörigen der Westbalkanstaaten wurden die Möglichkeiten einer Arbeitsmigration erheblich ausgeweitet, so dass aufgrund dessen ein starker Anstieg der Visum-Antragsteller-Zahlen zu verzeichnen ist“.

Die Bundesregierung hatte mit dem Gastarbeiterprogramm auf die im Jahr 2015 stark gestiegene Zahl von Asylbewerbern aus dem Westbalkan reagiert. Da die allermeisten der Arbeit wegen nach Deutschland gekommen waren, hatte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) deren Asylanträge fast zu 100 Prozent abgelehnt. Die Neuregelung erlaubt jetzt Männern und Frauen aus dem Westbalkan, als Arbeitsmigranten nach Deutschland zu kommen – vorausgesetzt, sie haben in den vergangenen zwei Jahren keine Leistung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz bezogen.

Von

dpa

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