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12.08.2015

13:00 Uhr

Deutscher Arbeitsmarkt

Migranten brauchen längerfristig Hilfe

Die Erwerbslosenquote von Migranten ist fast doppelt so hoch wie im Rest der Bevölkerung. Auch bereits länger in Deutschland lebende Migranten und Zuwanderer mit Berufsabschluss finden oft keinen guten Job.

Fast alle Migrantengruppen stoßen einer Studie zufolge „auf größere Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche als (...) vergleichbare Personen ohne Migrationshintergrund“. dpa

Bundesagentur für Arbeit

Fast alle Migrantengruppen stoßen einer Studie zufolge „auf größere Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche als (...) vergleichbare Personen ohne Migrationshintergrund“.

DüsseldorfAuf dem deutschen Arbeitsmarkt sind auch bereits länger in Deutschland lebende Migranten benachteiligt. Sie müssten deshalb gezielt gefördert werden, forderten Wissenschaftler des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in einer am Mittwoch in Düsseldorf vorgelegten Studie. Die Erwerbslosenquote von Migranten liegt demnach insgesamt bei fast zehn Prozent und damit etwa doppelt so hoch wie im Rest der Bevölkerung.

Die Menschen mit Migrationshintergrund, die eine Arbeit finden, haben laut der Untersuchung zudem häufig weniger angesehene Jobs. Selbst unter den qualifizierten Einwanderern mit Berufsabschluss sei der Anteil prekär Beschäftigter vergleichsweise hoch. In Deutschland haben 16,5 Millionen Menschen einen Migrationshintergrund.

Fast alle Migrantengruppen stoßen der Studie zufolge „auf größere Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche als in Alter, Bildung und weiteren Eigenschaften vergleichbare Personen ohne Migrationshintergrund“. Lediglich Einwanderer aus West- und Nordeuropa seien nicht mehr und nicht weniger von Arbeitslosigkeit betroffen als die übrige Bevölkerung. Sie erreichten auch gleichwertige oder bessere Positionen und seien mit ähnlicher oder geringerer Wahrscheinlichkeit atypisch beschäftigt.

Die WSI-Expertinnen Jutta Höhne und Karin Schulze Buschhoff forderten angesichts der Studienergebnisse, auch bereits länger in Deutschland lebende Migranten besser zu fördern. Es sei notwendig, „nicht nur Neuzuwanderung zu fördern und zu regeln“, sondern die Aufmerksamkeit sehr stark auch auf eine bessere Unterstützung der bereits seit langem in Deutschland lebenden Migranten zu richten, erklärten die beiden Wissenschaftlerinnen.

Von

afp

Kommentare (6)

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Herr Hans Müller

12.08.2015, 14:43 Uhr

Warum umschreiben Sie das Problem mit "...in Deutschland lebende Migranten (sind) benachteiligt." Das stimmt so nicht. Das eigentliche Problem ist das die Migranten nicht die hier benötigten Kenntnisse und Erfahrungen haben und deshalb uns Steuerzahler auf der Tasche liegen. Würden sie mit gleichwertigen Sprach- und Fachkenntnissen hier eintreffen, hätten sie die gleichen Chancen wie jeder andere Westeuropäer. Das also in die Migranten kräftig und viele Jahre lang investiert werden muss um sie als Arbeitskräfte einsetzen zu können, traut sich die Politik aber nicht laut zu sagen.

Herr Bernhard Ramseyer

12.08.2015, 16:05 Uhr

Asylbewerber, Einwanderer, Zuwanderer, Flüchtlinge, Fachkräfte, Migranten... etc.
Was denn jetzt?

Im Artikel fällt mir auf, kommen Personen aus Nord- oder Westeuropa, werden sie als Einwanderer bezeichnet und die haben keine Probleme am Arbeitsmarkt, werden nicht „benachteiligt“.

Dann gibt es eine andere Gruppe, die sog. Migranten, die werden „benachteiligt“. Jetzt muss die Frage gestellt werden, wer „benachteiligt“ diese Leute? Auf dieses Thema wird nicht näher eingegangen. Benachteiligen sich diese Migranten nicht selbst (Selbst-Benachteiligte), weil sie unsere Sprache nicht sprechen, die Weltsprache Englisch wahrscheinlich auch nicht? Auf andere „Benachteiligungen“ will ich mal gar nicht eingehen.

Wenn jemand von uns nach Amerika geht und nicht vernünftig Englisch spricht, würde er auch dort „benachteiligt“ werden, vorausgesetzt, man wird überhaupt als Migrant aufgenommen. Aber wir wissen doch, nur wenn man mindestens so gut ist wie die Einheimischen, kann man in der Fremde Karriere machen und zu Reichtum kommen.

Das Fördern der Migranten in Deutschland, sollten wir allerdings dem Arbeitgeberverband überlassen.
Dieser Verband sucht händeringend nach Fachkräften, dann soll er diese logischerweise auch ausbilden, fordern, fördern . .. die ganze Palette.

Herr Klaus Hofer

12.08.2015, 16:07 Uhr

Wie aus der zitierten Studie hervorgeht, sind offensichtlich gerade die Migranten betroffen, die trotz jahrelangen Aufenthalts in Deutschland nicht über adäquate Sprachkenntnisse verfügen. Auf der Homepage der Hans Böckler Stiftung werden insbesondere türkischstämmige Migranten genannt. Nun gehört es aber zu den nicht bestreitbaren Selbstverständlichkeiten, daß ein jeder, der in Deutschland auf Dauer leben möchte und die Segnungen unseres Sozialstaates in Anspruch nimmt, zuerst die deutsche Sprache erlernen muß. Bei aller Willkommenskultur kann man darauf wohl nicht verzichten. Entgegen der gern verbreiteten Meinung, daß sich alle in Deutschland lebenden Bürger mit Migrationshintergrund in unsere Gesellschaft einbringen wollen, existieren doch offensichtlich große Unterschiede, die in erster Linie von dem jeweiligen soziokulturellen Hintergrund der Migranten abhängen. Neben der viel zitierten Willkommenskultur sind Integrationsfähigkeit und Integrationsbereitschaft unverzichtbar.

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