Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.01.2014

17:29 Uhr

Deutscher Pflegetag

Gesundheitsminister Gröhe antwortet auf Hilfsgesuche

Pflege in Not: Auf Krankenstationen und in Altenheimen ist der Druck hoch, Pfleger arbeiten oft im Akkord – und werden schlecht bezahlt. Minister Gröhe verspricht Verbesserungen – und bittet um Geduld.

Bessere Pflege in Seniorenheimen und Krankenhäusern: Der erste Schritt sind laut Gröhe mehr Betreuungskräfte. dpa

Bessere Pflege in Seniorenheimen und Krankenhäusern: Der erste Schritt sind laut Gröhe mehr Betreuungskräfte.

BerlinLaute Hilferufe empfangen Hermann Gröhe auf dem Weg zum Deutschen Pflegetag. „Pflege braucht Politik“, rufen Pfleger und Krankenschwestern dem CDU-Gesundheitsminister entgegen. Die knapp 15 Mitglieder der Aktionsgruppe „Pflege am Boden“ liegen symbolträchtig auf dem grauen Marmor des Foyers. Gröhe ist sich bewusst, dass die Hoffnungen der Branche enorm sind. Er hat reichlich Ankündigungen im Gepäck.

Die Kabinettskollegen seien mit ihm auf der Meseberger Klausur einig gewesen: Pflege müsse zu einem zentralen Thema werden. Auch persönliche Erfahrungen habe die Ministerrunde teils ausgetauscht. Nun zeigt sich Gröhe startbereit.

Der erste Schritt seien mehr Betreuungskräfte, die sich zusätzlich zu den Fachkräften und Angehörigen um Pflegebedürftige kümmern. Dazu würden die bestehenden Leistungen flexibilisiert und erhöht. Der zweite Schritt sei der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff - Demenzkranke sollen endlich besser in die Pflegeversicherung einbezogen werden. Gröhe warb für Verständnis, dass es trotz jahrelanger Vorbereitungen noch etwas dauere, bis es dazu kommt. Aber: „Wir sind fest entschlossen, diesen Schritt zu gehen.“

Pflege in Deutschland - Baustellen und Reformpläne (Teil 1)

Angehörige

Zwei Drittel der rund 2,5 Millionen Pflegebedürftigen werden zu Hause von Angehörigen gepflegt. Pflege und Beruf überlasten viele. Union und SPD wollen laut Koalitionsvertrag Erleichterungen ausbauen - etwa bei der Berufsauszeit zur Pflege. Die ambulanten Pflegeleistungen sollen denen für Pflegebedürftige im Heim angeglichen werden. Bund und Länder sollen zusammen Möglichkeiten der Kommunen beraten: Wie können Menschen länger zu Hause gepflegt werden?

Betreuung

Mehr Menschen sollen sich mit Demenzkranken, Behinderten oder psychisch Kranken beschäftigen. Heute können zu Hause Gepflegte 100, maximal 200 Euro pro Monat für die Bezahlung der Helfer bekommen. In Heimen sind neben Fachkräften für diese Aufgaben 24 000 nachqualifizierte Kräfte im Einsatz. Künftig sollen es 45 000 sein. Auch körperlich Pflegebedürftige sollen mehr Betreuung erhalten.

Demenz

Nach kleineren Verbesserungen soll die Pflegeversicherung in einem zweiten Schritt mit einer Großreform besser auf die Demenz eingestellt werden. Bis zu 1,4 Millionen Demenzkranke gibt es heute in Deutschland – in knapp 50 Jahren könnten es laut Experten 2,5 Millionen sein. Bis zu 250 000 nehmen keine Leistungen in Anspruch. Viele bekommen weniger Aufmerksamkeit als gut wäre. Die Ansprüche sollen eine breitere Basis bekommen: Statt heute drei Pflegestufen soll es mehr Grade der Selbstständigkeit geben – auch Einschränkungen bei Wahrnehmung und Bewusstsein sollen als Kriterium gelten.

Finanzen

Die Rücklagen der Pflegeversicherung stiegen leicht auf rund 5,6 Milliarden Euro 2012. Doch geplante Verbesserungen machen frisches Beitragsgeld nötig. So soll der Pflegebeitragssatz von 2,05 Prozent (Kinderlose: 2,3 Prozent) zum 1.1.2015 um 0,3 Punkte steigen. 0,2 sollen später für die geplante Großreform dazukommen.

Weiterführung des Haushalts

Die Hilfen zur Weiterführung des Haushalts sollen ausgebaut werden. Darunter stellt man sich in der Koalition etwa die Stärkung des Ehrenamts vor und verweist auf den Ausbau bei den Betreuungskräften.

Kurzzeit- und Verhinderungspflege

Bei der Kurzzeitpflege zahlt die Pflegekasse bis zu 1550 Euro für bis zu vier Wochen Heimaufenthalt eines zu Hause gepflegten Menschen pro Jahr. Bei der Verhinderungspflege gibt es Geld für vier Wochen ambulante Pflege, etwa durch einen Dienst, wenn Angehörige Urlaub machen. Heute verfallen Leistungen oft - künftig soll man etwa Geld für nicht beanspruchte Kurzzeitpflege auch leichter für einen Pflegedienst für daheim verwenden können.

Lohnersatz bei Pflegeorganisation

Wer Pflege daheim organisieren muss, hat Recht auf zehn Tage Auszeit - künftig soll es dafür Lohnersatz ähnlich wie Kinderkrankengeld geben. Kritiker monieren: Anders als bei kranken Kindern dürfte nur einmal gezahlt werden.

Niemand soll zu kurz kommen: Der Branche verspricht der Minister, sich um gute Bezahlung, eine bessere Ausbildung und Bürokratieabbau kümmern zu wollen. Die Angehörigen? „Auch sie müssen eine spürbare Entlastung erhalten.“

Beruf und Pflege müsse leichter unter einen Hut gebracht werden können. Passage für Passage führt der Minister die Vereinbarungen des Koalitionsvertrags aus. Rund sechs Milliarden Euro sollen die Beitragszahler zusätzlich in die Pflegekassen einzahlen müssen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×