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26.11.2014

13:59 Uhr

Deutscher Strafvollzug

Jeder dritte Jurastudent fordert Todesstrafe

Der Wunsch nach harten Strafen wächst: Ein Drittel der Jurastudenten kann sich laut einer Studie die Wiedereinführung der Todesstrafe vorstellen. Mehr als die Hälfte befürwortet Folter – unter bestimmten Bedingungen.

Eine Todeszelle in einem Gefängnis in Texas: Jeder dritte Jurastudent am Anfang seiner Ausbildung will heute die Todesstrafe zurück. dpa

Eine Todeszelle in einem Gefängnis in Texas: Jeder dritte Jurastudent am Anfang seiner Ausbildung will heute die Todesstrafe zurück.

ErlangenDie Zahl der Morde und Totschläge sinkt in Deutschland seit Jahren. Die Leute fühlen sich so sicher wie fast nie zuvor. Und dennoch wächst bei jungen Jurastudenten der Wunsch nach immer härteren Strafen. Ein Drittel von ihnen befürwortet laut einer Studie sogar die Todesstrafe. Etwa gleich viele finden, dass selbst eine lebenslange Haft bei manchen Straftaten noch zu mild ist. Und die Hälfte der Befragten würde einen Verdächtigen foltern, wenn damit ein Menschenleben gerettet oder die Allgemeinheit beschützt werden könnte.

Für seine Langzeitstudie hat der Erlanger Jura-Professor Franz Streng zwischen 1989 und 2012 etwa 3100 Jurastudenten befragt, die gerade mit ihrem Studium begonnen hatten. „Das sind Ausbildungsanfänger, die noch durch die Schule, ihr Elternhaus und die Medien in ihren Ansichten geformt sind“, sagt Streng.

Die befragten Studenten schätzten das Risiko, selbst Opfer eines Angriffs zu werden, im Lauf der Jahre als immer geringer ein. Gleichzeitig würden sie für ein bestimmtes Delikt heute deutlich höhere Strafen verhängen als früher. Dies zeigte sich an einem fiktiven Beispiel: Ein Totschlag im Affekt nach der Trennung eines Pärchens. Wurden 1989 im Schnitt noch etwa sechs Jahre Haft als angemessene Strafe betrachtet, waren es 2012 fast neuneinhalb Jahre.

Hinrichtungen weltweit 2013

China

Mehr als 1000 (unbestätigte Anzahl)

Quelle: Amnesty International

Iran

369 (Amnesty geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Hingerichteten höher ist)

Irak

169 (Amnesty geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Hingerichteten höher ist)

Saudi-Arabien

79 (Amnesty geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Hingerichteten höher ist)

USA

39

Somalia

34 (Amnesty geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Hingerichteten höher ist)

Sudan

21 (Amnesty geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Hingerichteten höher ist)

Jemen

13 (Amnesty geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Hingerichteten höher ist)

Mit Blick auf die Kriminalstatistik lässt sich dies nicht erklären. Demnach sinkt seit 2007 die Zahl der Gewalttaten. „Das Bemerkenswerte ist, dass die ganz schweren Straftaten in Deutschland langfristig immer weiter abgenommen haben“, sagt Streng. „Die Befragten fühlen sich heute so sicher wie kaum jemals.“ Und dennoch werden von den angehenden Juristen höhere Strafen gewollt.

Vor 37 Jahren wollte mehr als ein Drittel der Jura-Anfänger die lebenslange Freiheitsstrafe ganz abschaffen, weil sie als zu hart empfunden wurde. Heute wollen das nur noch zwei Prozent. Die Todesstrafe wurde 1977 von knapp 12 Prozent der Befragten befürwortet. Vor vier Jahren dagegen wollte sie jeder dritte Student zurück.

Einen weiteren Punkt gibt Streng zu bedenken: „Wir wissen inzwischen, dass hohe Strafen gar keinen Sinn haben.“ Sie helfen demnach weder bei der Resozialisierung noch verhindern sie Straftaten. Eine Strafe müsse vor allem angemessen sein und dürfe die Straftat nicht bagatellisieren. „Aber sie soll zugleich Rücksicht nehmen auf das künftige Leben des Bestraften.“

Kommentare (22)

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Herr Peter Weber

26.11.2014, 14:13 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Thomas Kretschmar

26.11.2014, 15:01 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr mathias müller

26.11.2014, 15:13 Uhr

Herr Weber, Ihr Kommentar geht eindeutig am Thema vorbei.
RTL lässt grüßen.

Herr Professor, was Sie sagen hat was.
Ich würde nur ergänzen, dass die heutigen Anwärter, wie auch fertige Juristen, Ihre UNFEHLBARKEIT in Vordergrund stellen.
Was wiederum Garant für FEHLURTEILE ist.

Schwätzer als "Sachverständige" und der GENERALVERDACHT
unter dem jeder Bürger steht - tun Ihr übriges.

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