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15.05.2013

16:40 Uhr

Deutsches Modell noch erfolgreich

Ausbildungsmarkt droht Nachwuchsmangel

Beim jährlichen Berufsbildungsbericht loben sich Wirtschaft und Regierung, Opposition und Gewerkschaften klagen. International steht Deutschland gut dar, doch die Zukunft birgt enorme Herausforderungen.

Auszubildende werden Mangelware. dpa

Auszubildende werden Mangelware.

In Europa ist fast jeder vierte junge Mensch unter 25 arbeitslos. In Griechenland und Spanien ist es sogar mehr als jeder zweite. In Deutschland liegt die Jugendarbeitslosenquote gerade mal bei 7,6 Prozent. Das deutsche duale System der Berufsbildung mit dem engen Zusammenspiel von betrieblicher Ausbildung und staatlicher Berufsschule ist deswegen ins Blickfeld vieler europäischer Regierungen geraten.

Noch nie registrierten Bundesbildungsministerium und Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) so viele Expertenanfragen aus dem Ausland wie derzeit. „Das duale System hat eine hohe Integrationskraft“, lobte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) am Mittwoch die Bilanz im dem neuen, vom Kabinett verabschiedeten Berufsbildungsbericht 2013. Und tatsächlich scheint in der Bundesrepublik jungen Menschen der Übergang von der Schule in den Beruf zur Zeit viel besser zu gelingen als in vielen anderen Industrienationen.

Doch Experten warnen auch vor voreiligen Schlüssen. Ein solches über Jahrzehnte gewachsenes Ausbildungssystem wie das deutsche lasse sich nicht einfach kopieren. Denn in nur wenigen anderen Staaten gibt es ebenfalls eine so traditionsreiche, ja fast noch ständische Kammerkultur mit den Selbstverwaltungsstrukturen von Industrie, Verwaltung und Handwerk wie in Deutschland.

Faktoren für den Schulerfolg

Faktor 1

Wie gut ein Kind in der Schule ist, hängt vor allem davon ab, ob sich das Kind in der Schule wohlfühlt - sagen 82 Prozent der Lehrer und 83 Prozent der Eltern.

Faktor 2

Der Schulerfolg hängt von der Begabung des Kindes ab, denken 80 Prozent der Lehrer und 79 Prozent der Eltern.

Faktor 3

Davon, wie gut die Lehrer sind, meinen 75 Prozent der Lehrer und 84 Prozent der Eltern.

Faktor 4

Wie sehr die Eltern darauf achten, dass ihr Kind die Hausaufgaben macht und ausreichend lernt ist ebenfalls ein Faktor für den Schulerfolg, meinen 68 Prozent der Lehrer und 73 Prozent der Eltern.

Faktor 5

Einen weiteren Faktor, wie gut die Eltern das Kind bei den Hausaufgaben und beim Lernen unterstützen, empfinden 66 Prozent der Lehrer als ausschlaggebend für den Schulerfolg und 72 Prozent der Eltern.

Faktor 6

Der Grad des Ehrgeizes des Kindes empfinden 60 Prozent der Lehrer als maßgeblich für den Schulerfolg, 65 Prozent der Eltern denken ebenso.

Faktor 7

Der Schulerfolg hängt von der Größe der Klasse ab, sagen 52 Prozent der Lehrer und 56 Prozent der Eltern.

Faktor 8

Der Bildungsabschluss der Eltern ist maßgeblich für den Schulerfolg meinen 51 Prozent der Lehrer und 40 Prozent der Eltern.

Faktor 9

Welche Sprache zu Hause gesprochen wird, ist ebenso eine entscheidender Faktor für den Erfolg des Kindes. Das sagen 48 Prozent der Lehrer und 39 Prozent der Eltern.

Faktor 10

Die Konkurrenzsituation in der Klasse empfinden lediglich 14 Prozent der Lehrer und elf Prozent der Eltern als Erfolgsfaktor.

Faktor 11

Zehn Prozent der Lehrer und 22 Prozent der Eltern denken, die Belohnung für gute Leistungen durch die Eltern ist ausschlaggebend für den Erfolg des Kindes in der Schule.

Und als typisch deutsch gilt auch das relativ harmonische Zusammenspiel von Arbeitgebern und Gewerkschaften bei der Entwicklung und Modernisierung von Ausbildungsberufen. Man hat sich eingerichtet. Dabei machen die Tarifpartner nicht selten gemeinsam Front gegen das Bundeswirtschaftsministerium, das neue Ausbildungsordnungen genehmigen muss.

Doch wo viel Licht ist, da ist auch Schatten - wie ein genauerer Blick in die vielen hundert Seiten des ebenfalls am Mittwoch vom Bundesinstituts veröffentlichten Datenreports für 2013 zeigt. Die Ausbildungsbereitschaft der deutschen Wirtschaft ist auf einen neuen Tiefstand gesunken. Nur knapp 468 000 der annähernd rund 2,1 Millionen Unternehmen in Deutschland bilden überhaupt noch aus - was einer Quote von 21,7 Prozent entspricht. 2009 lag diese Quote noch bei 23,5 Prozent. Vor allem Kleinunternehmer ziehen sich zurück. Allerdings sind im Westen heute nur rund 60 Prozent der Unternehmen ausbildungsberechtigt, im Osten etwa 52 Prozent.

Kommentare (4)

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Gast

15.05.2013, 16:55 Uhr

Immer dieses Zahlen und Prozente umeinanderwerfen, aber niemals Schlüsse daraus ziehen.

Was bringt ein solcher Artikel dann, bitte? Ach ja, "dpa". Das Handelsblatt mag ja keine eigenen Artikel, ausser seltsamen Kommentaren.

Leser

15.05.2013, 20:04 Uhr

Wo? in allen Bundesländern oder in der Uckermark?

"Über alle Berufe hinweg sind die Engpässe bei der Fachkrankenpflege am massivsten."
Kein Wunder, wenn die Gehälter so niedrig sind, dass nach der Ausbildung aufgestockt werden muss.

RDA

15.05.2013, 22:20 Uhr

Wieder mal das Märchen des Fachkräftemangels - diesmal fehlen also Azubis. Vielleicht fehlt den Arbeitgebern auch schlicht ein Überangebot an gut qualifizierten Schulabgängern, mit dem man prima die Ausbildungsvergütungen drücken kann? Que sera, que sera...

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