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19.04.2013

12:32 Uhr

Deutschland Dinner

Merkel in Moll

VonMichael Inacker, Oliver Stock

Angela Merkel zu Gast beim Handelsblatt: Ganz entspannt sprach die Kanzlerin über ihr Verhältnis zu Helmut Kohl und Barack Obama, über die Abhängigkeit der Staaten von Banken und die Aussicht auf ein Energieministerium.

Bundeskanzlerin Angela Merkel unterhält sich mit Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart. Dominik Butzmann

Bundeskanzlerin Angela Merkel unterhält sich mit Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart.

BerlinNatürlich kennen wir Angela Merkel. Die Sture, die immer nur so viel Boden preis gibt, wie sie braucht, um ihre Macht zu erhalten. Die Kanzlerin, deren nach unten gleitende Mundwinkel Markenzeichen für ein strenges Deutschland geworden sind. Die Unfassbare, die jahrelang auf der Stelle verharrt, um dann den politischen Gegner mit seinen eigenen Themen zu überholen, beim Atomausstieg etwa.

Diese Kanzlerin redete am Donnerstagabend im Schlüterhof des vormaligen Zeughauses an Berlins Prachtmeile Unter den Linden über Barmherzigkeit als notwendige Tugend in der Politik und was sie die verstorbene Margaret Thatcher gerne noch gefragte hätte. Angela Merkel beschrieb ihr Verhältnis zur Helmut Kohl und stellte erstmals klar, warum sie dagegen war, dass der damalige US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama vor dem Brandenburger Tor reden konnte, sie ließ erkennen, warum es für die Staaten des Westens so wichtig ist, sich aus der Abhängigkeit der Banken zu befreien und sie deutete an, dass es nach der Bundestagswahl in einer Regierung unter ihrer Führung ein Energieministerium geben könnte.

Sie tat all dies als Gast des Handelsblatts und von Verleger Dieter von Holtzbrinck. Sie stellte sich den Fragen von Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart und den Lesern der Zeitung beim traditionellen „Deutschland Dinner“. Dabei zeigte sich den mehr als 600 Gästen eine Kanzlerin, die Macht und Menschlichkeit miteinander verband, die sich nicht scheute, auch Einblicke in ihre persönliche Seelenlage zu geben. Sie war eine Legendenaufräumerin und variierte Themen und Stimmungen mit Schlagfertigkeit und Selbstironie in einer Weise, die die Handelsblatt-Leser, darunter viele mittelständische Unternehmer, immer wieder zu spontanem Szenenapplaus veranlasste.

Schon Merkels Antwort auf die Eingangsfrage Steingart, wie es ihr denn derzeit gehe, zeigte die Souveränität einer Frau, die um ihre Stellung als mächtigste Regierungschefin Europas weiß: „Ich habe den Eindruck, dass ich den Überblick habe – also geht es mir gut.“ Sie habe gut geschlafen, sechs bis sieben Stunden. Sie höre nur ungern die Geschichten über ihren Stress und schlaflose Nächte, ließ die CDU-Vorsitzende durchblicken, und richtete ihre Worte direkt an die Gäste: Denn sie wisse, dass auch viele Unternehmer rund um die Uhr für ihre Firmen im Einsatz seien. „Der Unterschied ist, ich sehe Sie nie, wenn Sie spät arbeiten – aber Sie sehen mich immer.“

Bei ihrer Arbeit dreht sich fast alles um Europa. Merkel erklärte warum: Es sei für sie eine ganz entscheidende Frage, wo Europa in zehn oder zwanzig Jahren stehen werde. Werde es ein Kontinent sein, der weiter innovativ sei und bei Wirtschaft und Technologie vorne mitspiele – oder aber fallen wir hinter die großen globalen Wettbewerber zurück? Europa seinen Platz in der Welt zu schaffen, sei ein wichtiger Antrieb ihrer Politik. Dafür nutze sie nicht Macht, aber ihre Gestaltungsmöglichkeiten. Zugleich profitierten davon auch die Deutschen. Denn es sei ihr Auftrag, das „Bestmögliche“ für die Deutschen zu erreichen, ohne den anderen „Nationen“ Schaden zuzufügen.

Dabei räumte Merkel ein, dass sie nicht wisse, wo der Kontinent in der Bewältigung der Währungs- und Staatsschuldenkrise stehe. Es sei nicht ihr Stil, den Menschen vorzumachen, dass man das Ende der Krise erreicht habe. Sie wisse nicht, „was noch auf uns zu kommt“. Sie wisse nur, dass es um verschiedene Arten von Problemen gehe, die ihre Regierung durchmesse. Die Erwartungen an die Politik seien oft zu hoch, denn als Kanzlerin könne sie oftmals nicht zwischen richtig und falsch abwägen, sondern nur zwischen verschieden hohen Risiken.

Kommentare (5)

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pro-D

19.04.2013, 12:54 Uhr

wie man gerade hört wurde die Kreditwürdigkeit Deutschlands wieder herabgestuft.


Aus dem A+ wurde ein A


Nett, wenn man sich überlegt, dass wir un Deutschland keine Einlagensicherung haben.

hermann.12

19.04.2013, 13:37 Uhr

Ein netter Artikel der sicher auch angebracht ist, bei soviel zum teil ungerechtfertigtem Bashing.
Viel Kritik lässt dabei nämlich außer acht, wie beschränkt die Alternativen sind und welchen Preis für welche Klientel dies hätte.
Trotzdem hätte ich mir etwas mehr als diesen Wohlfühlartikel gewünscht, der mehr erklärt über das wie und warum ihrer Politik. Auch das wäre hilfreich den vielen Spekulationen über Motive den Boden zu entziehen.

Fakt ist, wir müssen einen Preis bezahlen für Europa, der vielen aktuell zu hoch erscheint weil nicht deutlich wird das Gewinn höher ist als die aktuellen Verluste.
Und mir persönlich fehlt der Glaube an eine positive Zukunft, möglicherweise schätze ich die Risiken und Bedrohung für das gesamte Gemeinwesen zu hoch ein, mir fehlen aber dafür die Argumente.

H.

Account gelöscht!

19.04.2013, 13:42 Uhr

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