Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.08.2011

18:41 Uhr

Deutschland im Visier

„Spekulanten wetten auf den Weltuntergang“

VonDietmar Neuerer

ExklusivIn der Schuldenkrise könnte auch Deutschland in schwieriges Fahrwasser geraten. Darauf deuten die gestiegen Kosten für Kreditausfallversicherungen hin. Ein Ökonom schlägt Alarm und fordert, die Angriffe abzuwehren.

Weltkugel. Quelle: dpa

Weltkugel.

DüsseldorfAngesichts der Finanzmarktspekulationen gegen Frankreich und Deutschland fordert der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, ein verbot des Handels mit Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, kurz: CDS). Die einzig rationale Motivation der Anbieter und Käufer von CDS könne gegenwärtig nur deren gewinnträchtiger Weiterverkauf an Gutgläubige sein. „Das aber ist kein produktiver Handel, sondern ein mieses Wettspiel, das  schlicht verboten gehört“, sagte Horn Handelsblatt Online.

Unter Investoren geht nicht nur die Angst um, dass die Euro-Schuldenkrise weitere Länder erfasst und in den Abwärtsstrudel reißt. Zudem bezweifeln immer mehr Anleger, dass europäische Politiker die Krise in den Griff kriegen. In Bankenkreisen gilt es daher als wahrscheinlich, dass die Lage an den Refinanzierungsmärkten vorerst schwierig bleibt. Verschärft wird die Krise durch spekulative Investoren, die auf den Kollaps von Staaten und Banken wetten.

„Wenn Panik herrscht, setzt der Verstand aus, denn diese CDS sind gleichsam Wetten auf den Weltuntergang“, sagte IMK-Chef Horn dazu. Wenn sowohl die Bundesregierung  als auch die französische Regierung  in die Verlegenheit  kämen, ihre Schulden nicht  mehr  bedienen zu können, dann seien die meisten Regierungen  inklusive  der USA und Japan schon längst zahlungsunfähig. „Es  gehört nicht viel Phantasie dazu vorherzusagen, dass dann die Finanzmärkte  insgesamt zusammengebrochen sein werden“, so Horn. „Daher würden die  Besitzer einer CDS in dieser Situation mit hoher Wahrscheinlichkeit  völlig leer ausgehen, weil diejenigen, die die CDS begeben haben, selbst pleite sind.“

Der Tag an den Märkten (Stand: 18:00 Uhr)

Dax

+3,3 Prozent

SMI (Schweiz)

+5,0 Prozent

CAC 40 (Frankreich)

+2,9 Prozent

FTSE 100 (Großbritannien)

+/- 0 Prozent

ASE (Griechenland)

+0,3 Prozent

Ibex 35 (Spanien)

+3,6 Prozent

MIB (Italien)

-1,0 Prozent

Eurostoxx 50

+2,9 Prozent

Dow Jones

+2,6 Prozent

Nasdaq

+3,3 Prozent

S&P 500

+2,9 Prozent

Nikkei

-0,6 Prozent

CSI 300 (China)

+1,5 Prozent

Gold

-1,9 Prozent

Silber

-0,6 Prozent

Öl (Brent)

+1,5 Prozent

Dollar

1 Euro = 1,422 Dollar / +0,5 Prozent

CDS Deutschland

+85 Basispunkte

CDS USA

+54 Basispunkte

CDS Frankreich

+ 174 Basispunkte

Bundesanleihen (10 Jahre)

+/- 0 Basispunkte

US-Staatsanleihen (10 Jahre)

+5 Basispunkte

Griechische Staatsanleihen (10 Jahre)

+8 Basispunkte

Spanische Staatsanleihen (10 Jahre)

-5 Basispunkte

Italienische Staatsanleihen (10 Jahre)

-6 Basispunkte

Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW), Michael Hüther, machte die Politik für die momentanen teilweise scharfen Marktreaktionen mitverantwortlich. „Wir erleben in diesen Tagen, wie eine fundamentale Neubewertung der Staatsverschuldung und weitgehende Zweifel an der politischen Handlungsfähigkeit vieler Staaten die Finanzmärkte in Übertreibungen führt", sagte Hüther Handelsblatt Online. "Die Laxheit der letzten Dekade führt nun zu einer völligen Schuldenintoleranz." Dabei hätten Finanzinnovationen, wie bestimmte Ordertechniken eine besondere Bedeutung erhalten. Politik kann dagegen nicht aber schnell wirksam agieren. "Spekulanten verlieren dann ihre Grundlage, wenn die Erwartungen gebrochen werden", sagte der IW-Chef. Deutschland und Frankreich seien Herren ihrer Staatsfinanzen. Die Konsolidierungszwänge seien erkannt und adressiert. "Insofern daran keine Zweifel begründet sind, sollten sich auch die Märkte beruhigen." Manchmal müsse man einfach abwarten, so Hüther.

Kommentare (14)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

11.08.2011, 17:09 Uhr

nüchtern betrachtet, ist die Welt doch auch wirtschaftlich und soziologisch kaputt!

Kritiker

11.08.2011, 17:35 Uhr

Schaut euch den Hühnerhaufen von Politikern an. An ihrer Stelle würde ich mich schämen, mich von Zockern, Banken und Hedgefonds so demütigen und vorführen zu lassen. Sie sind doch nur ein Kasperle und eine Marionette für die Finazmärkte. Die Politiker nimmt doch niemand mehr ernst. So lange Herr Ackermann als Vorstand des internationalen Bankenverbandes selbst geschriebene Vorlagen zu Beratungen über die Griechenlandhilfe mitbringt und die Politik diese fast 1 zu 1 umsetzt. Wozu soll das führen. So hatte Herr Ackermann die 21 % Bankenbeteiligung exact in seinem Strategiepapier ausgewiesen. Die Politiker setzten das dann genau so um.

Herr Ackermann hat die einfältigen Politiker wieder mal über den Tisch gezogen, denn am Ende müssen sich die Banken summa summarum gar nicht beteiligen. Man hat ihnen den Wert ihrer faulen Kredte staatlich abgesichert und am Ende verdienen sie noch kräftig daran. Herr Ackermann hat ja nicht das Wohl von uns Streuerzahlern im Auge sondern das Wohl seiner millionenschweren Aktionären.

Die Politiker sind eine Schande. Die kennen sich doch gar nicht aus. Was will ein greiser Herr Schäuble den Bankern denn erzählen. Die lachen ihn doch aus. Außer Lügen, Durchhalteparolen, Beschwichtigungen und Vertragsbrüchen können diese Politiker überhaupt nichts. Kein Konzept, keine Ahnung !!

Kalle

11.08.2011, 17:43 Uhr

Die Finanzelite der USA fühlt sich jetzt stark genug den Euro zu zerstören. Bisher schon ziemlich erfolgreich. Zusammen mit dem Dollar wird dann vermutlich eine neue Weltwährung auferstehen. Mal sehen wie lange wir uns wehren können, unsere Politiker spielen denen auf jeden Fall in die Hände.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×