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24.07.2017

15:11 Uhr

Deutschland und die Digitalisierung

Der digitale Nachzügler

VonBarbara Gillmann

Alle reden von der Industrie 4.0 – doch der Vergleich von 35 Industrieländern zeigt, dass Deutschland abgeschlagen auf Platz 17 liegt. Wenn sich nicht bald etwas tut, könnte es noch weiter nach hinten zurückfallen.

Ein großes Manko ist der stockende Breitbandausbau. dpa

Digitalisierung

Ein großes Manko ist der stockende Breitbandausbau.

BerlinEine gute Nachricht vorweg: Die deutsche Gesellschaft liegt weit vorn bei der Nutzung digitaler Technologien. Das liegt daran, dass wir weit mehr als andere Online shoppen und die allermeisten ans Internet angeschlossen sind. Dennoch liegt Deutschland insgesamt in punkto Digitalisierung weit abgeschlagen auf Platz 17 von 35 Ländern. Das ergab der ‚Digitalisierungsindikator‘, den die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften Acatech und der Bundesverband der Deutschen Industrie erstmals vorgelegt haben. Er ergänzt den traditionellen Innovationsindikator, der nicht nur nach dem Faktor Digitalisierung unterscheidet, sondern Erfindungen und Neuerungen egal welcher Art beobachtet – hier behauptet sich Deutschland immerhin auf Platz vier. „Deutschland muss im Innovationswettbewerb deutlich zulegen“, mahnt BDI-Präsident Dieter Kempf.

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Im einem Ländervergleich bezüglich des Innovationspotenzials landet Deutschland nur auf den hinteren Rängen. BDI-Präsident Dieter Kempf ist der Meinung, dass der Grund ein zu langsamer Breitbandausbau ist.

Nach dem Digitalisierungsindikator liegt Deutschland vor allem bei Forschung, Technologie, Bildung und Infrastruktur zurück. Ein großes Manko ist der stockende Breitbandausbau, ganz zu schweigen von einem flächendeckenden viel schnelleren Glasfasernetz – hier ist die Bundesrepublik eines der am schlechtesten versorgten Länder in ganz Europa. Ohne diese Basis aber funktioniert weder der Ausbau der Cloud-Dienste noch die schnelle Anbindung der Unternehmen und Haushalte auf dem Land. Und die Förderung der Bundesregierung richtet sich noch immer nur am mittelschnellen Breitbandnetz aus.

„Ein Infrastrukturziel, das sich konkret auf Glasfaserleitungen festlegt, wie dies derzeit zum Beispiel in Schleswig-Holstein und anderen Bundesländern versucht wird, ist auf Bundesebene derzeit nicht in der Diskussion“, stellt der Bericht trocken fest. „Großes Potenzial gibt es auch in der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung“ mahnt Kempf. Auch bei der Verbreitung von E-Government belegt Deutschland in Europa einen der hinteren Ränge.

Ebenso weit hinter den Vergleichsländern: Der Bereich Bildung. Hier schlagen zwar der hohe Anteil von Absolventen in den Studienfächern Mathematik und Informatik, die IT-Weiterbildungsbeteiligung von Lehrern und die Softwareausstattung der Schulen positiv zu Buche. „Erhebliche Defizite zeigen sich dagegen bei der Nutzung von Online-Weiterbildung in der Bevölkerung, dem Einsatz des Internets im Schulunterricht und der Computer-Hardwareausstattung an Schulen“, heißt es in dem Bericht.

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In der Wirtschaft gehe vor allem „der Mittelstand die Digitalisierung nur halbherzig an“. Generell gehe die Wirtschaft noch viel zu sehr „vom Produkt und seinen technischen Eigenschaften aus, anstatt Geschäftsmodelle von den Kundenbedürfnissen her zu entwickeln“. Wenn Deutschland nicht aufpasst, könnte es im Punkto Digitalisierung bald noch weiter nach hinten rücken: Die USA, Großbritannien und Südkorea sind dicht dran, am digitalen Nachzügler.

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