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14.08.2013

06:46 Uhr

DeutschlandDuell

Energiewender im Strompreis-Dilemma

VonDietmar Neuerer

Wie bleibt die Energiewende bezahlbar? Beim DeutschlandDuell von Handelsblatt Online und Zeit Online lieferten sich die Umweltminister Altmaier und Habeck einen harten Kampf. Mit Patentlösungen taten sich beide schwer.

Bundesumweltminister Peter Altmaier von der CDU (l.) und der Minister für Energiewende Robert Habeck (Grüne): Der Streit über die Kosten der Energiewende zeigt das Dilemma, in dem die Politik steckt. www.amelielosier.comAmelie Losier

Bundesumweltminister Peter Altmaier von der CDU (l.) und der Minister für Energiewende Robert Habeck (Grüne): Der Streit über die Kosten der Energiewende zeigt das Dilemma, in dem die Politik steckt.

BerlinWenn Peter Altmaier loslegt, dann geht er beherzt zu Sache. Das war schon so, als er noch die Geschäfte der Unions-Bundestagsfraktion führte. Und das ist auch heute so, wenn der CDU-Politiker als Bundesumweltminister regelmäßig das Riesenprojekt der Energiewende in seine Einzelteile zerlegt, um dann zu erklären, warum das alles schon seine Richtigkeit hat und der Bürger nicht befürchten muss, über Gebühr belastet zu werden. Denn da ist ja er, Altmaier. Und seine Idee einer Strompreisbremse.

Doch genau an dieser Stelle gerät selbst das Schwergewicht Altmaier unter Erklärungsdruck. Denn ihm sitzt an diesem Abend in Berlin sein grüner Amtskollege aus Schleswig-Holstein, Robert Habeck, gegenüber. Der erste und einzige Energiewende-Minister lässt Plattitüden wie, die Energiewende habe ihren Preis, nicht einfach stehen. Und gibt dem Saarländer kontra.

Die Debatte zwischen den beiden bildet den Auftakt zur Serie „DeutschlandDuell“, die Handelsblatt Online zusammen mit Zeit Online veranstaltet. Auf insgesamt vier Veranstaltungen widmen wir uns in den kommenden Wochen den großen Streitpunkten des Wahlkampfs. Die weiteren Themen werden sein: Euro-Krise, soziale Gerechtigkeit und Steuern. Am gestrigen Abend ging es um die Frage: „Energiewende – gut gedacht, aber schlecht geplant?“

Fragen und Antworten zur Förderung der erneuerbaren Energien

Was ist die EEG-Umlage?

Rund 45 Prozent des Strompreises machen bereits Steuern, Abgaben und Umlagen aus - im Fokus steht besonders die sogenannte EEG-Umlage. Im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sind für Wind- und Solarparks, Biogasanlagen und Wasserkraftwerke auf 20 Jahre garantierte feste Vergütungssätze festgelegt. Daher ist mit einem raschen Sinken der Förderkosten vorerst nicht zu rechnen.

Wie werden die Vergütungssätze berechnet?

Gezahlt wird die Differenz zwischen dem garantierten Vergütungssatz für den Hersteller und dem tatsächlich am Markt erzielten Preis. Die Verwalter des Umlage-Kontos, die Übertragungsnetzbetreiber, berechnen angesichts der Anlagenzahl und von Erfahrungswerten beim Wetter die möglichen Fördersummen und geben immer zum 15. Oktober eine Umlage für das kommende Jahr an. Verrechnen sie sich, wird das mit der nächsten Umlage korrigiert.

Was ist das Quotenmodell?

Beim Quotenmodell müssen Energieversorger einen bestimmten Anteil des Stroms aus erneuerbaren Quellen liefern - notfalls durch Zukauf von Ökostrom bei Betreibern von Wind- oder Solarparks. Wie sie das anstellen ist nebensächlich, Hauptsache sie erfüllen die Quote. Wenn sie die Quote nicht erfüllen, müssen sie Strafe zahlen. Bisher haben etwa Großbritannien und Schweden das Quotenmodell umgesetzt.

Ein Grundübel sei die hohe Zahl von Unternehmen, die von der im Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) festgeschriebenen Ökostrom-Umlage befreit sind oder nur reduzierte Sätze zahlen, sagt Grünen-Minister Habeck. „Entweder Sie verschweigen das oder Sie wissen es nicht“, ärgert er sich über Altmaier. Der kontert und bittet darum, seriös zu bleiben. Er sei dafür, dass EEG beizubehalten, aber grundlegend zu reformieren. Habeck überzeugt das nicht. Altmaiers Argumentation werde dadurch nicht richtiger. Zumal, wie er hinzufügt, die Kanzlerin blockiere, indem sie sich schützend vor die deutsche Industrie stelle.

Rund 100 Zuschauer verfolgen im Veranstaltungsraum von Zeit Online die Diskussion, via Twitter und Mail schalteten sich auch zahlreiche Handelsblatt-Leser ein. Sie sind etwa interessiert daran, wie schnell die Energiewende umgesetzt werden könne und ob es nicht auch eine europäisch abgestimmte Energiepolitik geben müsse.

Kommentare (52)

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kawi

14.08.2013, 07:22 Uhr

Zahlen sind geduldig, Steuerzahler auch:
m.E. werden vermutlich üblicherweise bei dem Vergleich der Stromkosten Äpfel und Birnen miteinander verglichen: ist bei Atomstrom mit berücksichtigt, was es kostet, die Kraftwerke und deren Müll aus Jahrzehnten nach der ABschaltung der Kraftwerke über Jahrhundert zu "entsorgen" (was immer man auch unter "Sorge" hier versteht.... die Sorge ist dann ja nicht weg.)

Hier ein Link mit einer Gegenüberstellung, leider nicht vom Handelsblatt...... hier finde ich meist eher oberflächliche Texte.... leider.

http://www.sueddeutsche.de/geld/studie-zu-energiekosten-das-maerchen-vom-teuren-oekostrom-1.1515904

Kernaussage:
"So gerechnet trägt die Gesellschaft im Jahr 2012 bei einer Kilowattstunde Windstrom Kosten von 8,1 Cent und bei Wasserstrom 7,6 Cent. Steinkohle beläuft sich auf 14,8 Cent. Atomstrom kommt je nach Bandbreite der angesetzten externen Kosten mindestens auf 16,4 Cent, im höchsten Fall auf 42,2 Cent. Den vergleichsweise hohen Wert bei Fotovoltaik von 36,7 Cent stellen die FÖS-Experten in Relation zur Markteinführung der Atomenergie. Solarstrom ist derzeit vor allem wegen der hohen Anfangsinvestitionen für den Bau von Fotovoltaikanlagen relativ teuer. Vergleicht man diese Ausgaben aber mit den frühen Jahren der Kernenergie, dann zeigt sich, dass die staatliche Unterstützung für Atomstrom mit mehr als 60 Cent je Kilowattstunde damals fast doppelt so hoch lag."

Vielleicht recherchiert das Handelsblatt ja mal selbst?

Viele Grüße

Rene

14.08.2013, 07:43 Uhr

Alles Dummschiss. Will man die Energiewende oder nicht. Infrastruktur kostet Geld. Und das wächst nicht auf den Bäumen. Ich will sie nicht, sondern lieber niedrige Strompreise. Aber wenn sich die Mehrheit für Ökostrom entscheidet, dann muss man auch bereit sein, die Konsequenzen zu tragen oder das nächste mal das Ökopack nicht wählen.

echo

14.08.2013, 07:50 Uhr

Natürlich widerspricht Habeck möglichen Plänen, den WKA-Ausbau zu stoppen. Immerhin profitiert er bzw. Teile S-H davon. Doch was sagen die Bürger dazu (also diejenigen, die nicht finanziell davon profitieren)? Wie sieht es in 20 Jahren aus, wenn die Förderung ausgelaufen ist. Die Betreiber von Wind- und Solarfarmen sagen klar, dass dann die Anlagen nicht mehr betrieben werden. Es rechnet sich nicht!
Wozu braucht Deutschland noch mehr WKAs? Weht der Wind, wissen wir jetzt schon nicht mehr, wohin mit dem Strom und müssen unsere Nachbarn für die Abnahme bezahlen. Weht kein Wind, helfen 1000 WKAs zusätzlich auch nicht. Industrielle Speichermedien wird es voraussichtlich erst in Jahrzehnten geben. Doch schon heute zerstört jedes WKA die Natur, greift in das biologische Gleichgewicht ein, hat gesundheitliche Auswirkungen auf unsere Gesundheit und "enteignet" die Bürger ohne Verfahren, da Grundstücke in der Nähe von WKAs nichts mehr wert sind. Die meisten WKAs enthalten zudem Neodym, was bei der Gewinnung in der Mongolei die Gegend radioaktiv verschmutzt. Dazu kommt der erhöhte CO2-Ausstoß - hervorgerufen durch die (Braun)Kohlekraftwerke als Back-Up. Brandenburg hat so schon seinen Ausstoß um 1 Mio Tonnen erhöht. Die erhöhten Stromkosten vernichten Arbeitsplätze, vor allem im Handel (Kaufkraftverlust). Niemanden geht es um einen echten Atomausstieg. Die Produktion wird nur ins Ausland verlagert (Kaliningrad, Tschechien, Frankreich, Polen). Die Bundesregierung begründet dies mit der Sicherung der Energiewende und des deutschen Wohlstands: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/115/1711502.pdf
Es gibt keine Berechnungen, wie "Öko" die sog. Erneuerbaren wirklich sind. Die EU hat beschlossen, sich später damit zu befassen. Das dicke wie teure Ende wird noch kommen.

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