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25.07.2014

06:43 Uhr

DGB-Chef Hoffmann

Lohnpolitik kein Instrument im Kampf gegen Euro-Krise

ExklusivDGB-Chef Reiner Hoffmann lehnt Empfehlungen der Bundesbank ab. „Es gilt nach wie vor die Tarifautonomie“, betont der Gewerkschaftschef. Dabei haben die Währungshüter einen bemerkenswerten Vorschlag gemacht.

Reiner Hoffmann weist die Befürchtungen der Arbeitgeber vor weiter steigenden Lohnkosten zurück. dpa

Reiner Hoffmann weist die Befürchtungen der Arbeitgeber vor weiter steigenden Lohnkosten zurück.

BerlinDer Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, hält nichts davon, die Lohnpolitik zu einem Instrument im Kampf gegen die Euro-Krise zu machen. „Die Sozialpartner brauchen keine Belehrung in der Tarifpolitik“, sagte Hoffmann dem Handelsblatt (Freitagausgabe). „Es gilt nach wie vor die Tarifautonomie.“

Der DGB-Chef reagiert damit auf Empfehlungen der Bundesbank an die Gewerkschaften, in künftigen Tarifrunden ordentlich draufzusatteln. Steigende Löhne, so die Hoffnung der Währungshüter, stärken den Binnenkonsum und führen zu höheren Preisen. Das würde helfen, ökonomische Ungleichgewichte in der Euro-Zone abzubauen und Deflationssorgen zu dämpfen.

Dass die Bundesbank einen tarifpolitischen Verteilungsspielraum von drei bis 3,5 Prozent sieht, sei „bemerkenswert und durchaus eine neue Philosophie“, sagte Hoffmann. „Bisher war die Bundesbank auf einem Auge makroökonomisch blind. Lohnabschlüsse fielen für sie immer zu hoch aus, aber nie zu niedrig.“ Der Vorstoß der Währungshüter rühre daher, dass die Geldpolitik in Europa mit immer niedrigeren Zinsen fast am Ende sei. „Deshalb ist es nur folgerichtig, wenn jetzt die Lohnpolitik entdeckt wird“, sagte der Chemiegewerkschafter. Über die Tarifpolitik entschieden aber immer noch die Mitglieder in den Betrieben – je nach Lage einzelner Unternehmen und Branchen.

Befürchtungen der Arbeitgeber vor weiter steigenden Lohnkosten weist Hoffmann zurück: Auch wenn Schlüsselbranchen wie die Metall- oder die Chemieindustrie den verteilungspolitischen Spielraum in den Tarifrunden der zurückliegenden Dekade ausgeschöpft hätten, sei „die Wettbewerbsfähigkeit überhaupt nicht in Gefahr“. Im Vergleich zu anderen Kosten wie den Energiepreisen seien die Lohnkosten „absolut überschaubar“.

Kommentare (6)

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Frau Dagmar Kohlrausch

25.07.2014, 08:55 Uhr

"„Es gilt nach wie vor die Tarifautonomie“, betont der Gewerkschaftschef."

Und deshalb haben sich in den letzten Jahren auch immer mehr Unternehmen aus den Tarifverträgen verabschiedet? Als gelernte Verkäuferin mit vollen Berufsjahren gibt es ca. 2400 Euro brutto monatlich für 168 Stunden. Ein 450 Euro-Job wird angeboten mit Stundenlöhnen ab ca. 5 Euro, ohne großartige Sozialabgaben. Was hat das noch mit Tarif zu tun?

Herr Ylander Ylander

25.07.2014, 09:08 Uhr

Als Verkäuferin 2.400 brutto monatlich, das ist viel, das hätte ich nicht gedacht.

Herr Horst Backhaus

25.07.2014, 10:11 Uhr

Oh man. Selbst die Gewerkschaften sind dumm wie 3 Meter Feldweg. Natürlich ist die Eurokrise NUR durch Lohnpolitik zu lösen. Es geht um die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Eurozone. Mit Beginn des Euro haben wir uns auf 2% Inflation geeinigt. Und woher kommt Inflation?! Geld drucken? Oder? Dann hätten die Inflationsraten im Euroraum ja gar nicht auseinander laufen können. Inflation kommt durch die Steigerung der Lohnstückkosten. Und das sehen wir in Deutschland seit 15 Jahren nicht mehr. Wir klopfen uns auf die Schulter, dass wir Südeuropa durch massives Lohndumping nieder konkurriert haben. Ist nur nicht der Sinn und das Ziel einer Währungsunion. Aber macht alle nur weiter so. Das Ende des Euro rückt damit jeden Tag näher.

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