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01.09.2016

14:05 Uhr

DGB-Studie

Azubis leiden unter hoher Belastung – und geringer Perspektive

Viele Unternehmen suchen händeringend neue Azubis. Doch in manchen Branchen bieten die Firmen miese Bedingungen und schlechte Perspektiven. Das beklagt zumindest der DGB - und fordert schärfere Gesetze.

Die Betriebe klagen über teilweise unbesetzte Ausbildungsplätze. dpa

Ausbildung gesucht?

Die Betriebe klagen über teilweise unbesetzte Ausbildungsplätze.

BerlinZehntausende Azubis leiden laut einer Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) unter Überstunden, Leistungsdruck und dem Fehlen von jeglicher Anleitung. So gibt mehr als jeder Dritte an, regelmäßig Überstunden leisten zu müssen, wie der am Donnerstag in Berlin vorgestellte DGB-Ausbildungsreport 2016 zeigt. Davon muss fast jeder Fünfte nach eigenen Angaben mehr als fünf Überstunden pro Woche leisten, die anderen lediglich bis zu fünf Stunden.

In der Gastronomie, dem Handel und im Handwerk sind die Zustände laut DGB oft schlechter als in anderen Branchen. Viele Probleme gibt es demnach bei Köchen, Malern und Lebensmittel-Fachverkäufern. So gaben 55 Prozent der angehenden Köche an, regelmäßig Überstunden leisten zu müssen. Insgesamt kommen fast 60 Prozent der Azubis auch trotz Krankheit zur Arbeit.

Für die Studie wurden laut Gewerkschaftsbund mehr als 13.000 Azubis befragt. Bei einem Drittel fehlt demnach ein Ausbildungsplan, bei 13 Prozent findet überhaupt oder fast keine fachliche Anleitung statt. Mehr als jeder Zweite fühlt sich durch schlechte Arbeitsbedingungen oder hohe Anforderungen stark belastet. Jeder Fünfte fühlt sich hohem Leistungs- und Zeitdruck ausgesetzt.

Wo Hilfsarbeiter, Fachkräfte und Akademiker am meisten verdienen

Hilfskräfte

Topverdienste werden im Schnitt in Informations- und Kommunikationstechnik-Berufen (2,214 Millionen Euro) und bei Banken, im Rechnungswesen und in der Steuerberatung erzielt (2,085 Millionen Euro), die geringsten Verdienste in Gesundheits-, Körperpflege- und Wellness-Berufen (910 000 Euro) und in der Land- und Forstwirtschaft (924 000 Euro).

Fachkräfte mit einer betrieblichen Ausbildung

Topverdienste werden hier in Informations- und Kommunikationstechnik-Berufen (2,19 Millionen Euro) und in Einkaufs-, Vertriebs- und Handelsberufen (1,972 Millionen Euro) erzielt, die geringsten Verdienste in Reinigungsberufen (986 000 Euro) sowie in Gastronomie- und Tourismus-Jobs (1,035 Millionen Euro).

Akademiker

Akademikern winken Topverdienste in technischen Forschungs-, Entwicklungs- und Konstruktionsberufen (2,709 Millionen Euro) sowie in Einkaufs-, Vertriebs- und Handelsberufen (2,553 Millionen Euro), die geringsten Verdienste dagegen in der Lebensmittelindustrie (1,301 Millionen Euro) und in der Gastronomie- und Tourismusbranche (1,302 Millionen Euro).

Mit knapp 72 Prozent der Azubis ist aber die Mehrheit mit der Ausbildung zufrieden. Der Wert ist in den vergangenen zwei Jahren leicht gestiegen, davor aber deutlich gefallen. Einen Rückgang gab es bei regelmäßigen Überstunden von 41 Prozent vor fünf Jahren auf 35 Prozent.

Auch die Qualität der Ausbildung lässt zu wünschen übrig. „Die duale Ausbildung war jahrzehntelang der Garant für gute Fachkräfte, die Qualität der Ausbildung schwindet aber in vielen Bereichen“, sagte stellvertretende DGB-Vorsitzenden Elke Hannack.

Zum Stand Ende Juli waren noch mehr als 170.000 Ausbildungsplätze unbesetzt. Bei den Agenturen für Arbeit waren 24.000 mehr Ausbildungsangebote als suchende Jugendliche gemeldet. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hatte auf Probleme für viele Unternehmen hingewiesen. „Ihnen gehen die Bewerber aus“, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer. Viele Unternehmen würden intensiv für ihre Ausbildung werben.

Der DGB forderte schärfere gesetzliche Vorgaben durch ein novelliertes Berufsbildungsgesetz. „Der Gesetzgeber kann nicht mehr zusehen, wie die duale Ausbildung vor die Wand fährt“, sagte Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller.

Von

dpa

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