Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.01.2012

15:17 Uhr

Die Affäre Wulff

Der angespannte Präsident

Beim Diplomatenempfang im Schloss Bellevue wirkt Bundespräsident Wulff angestrengt. Wartet er auf den nächsten Diplomaten, ist sein Gesicht regungslos. Ist die nächste Hand in Reichweite, setzt er ein Lächeln auf.

Angestrengt. Bundespräsident Wulff und Außenminister Westerwelle beim Botschafterempfang in Schloss Bellevue. dpa

Angestrengt. Bundespräsident Wulff und Außenminister Westerwelle beim Botschafterempfang in Schloss Bellevue.

BerlinDer traditionelle Botschafterempfang im Schloss Bellevue zum Jahresbeginn gehört normalerweise nicht zu den wichtigsten Terminen in Berlin. In diesen Tagen aber, in denen jedes Augenbrauenzucken des Präsidenten gedeutet wird, hat auch Akkord-Händeschütteln seine Brisanz - sofern es das Staatsoberhaupt tut. Ein Dutzend Fernsehkameras und zig Journalisten belauern an diesem Dienstag das Diplomaten-Defilee im Amtssitz von
Bundespräsident Christian Wulff. Dessen Augenbrauen bleiben zwar ruhig, sein Gesicht erzählt trotzdem einiges.

Um kurz nach neun ist es noch ruhig am Schloss. Eine dunkle Limousine fährt vor. Heraus steigt kein Diplomat, sondern CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe. Schon am Montag wurde bekannt, dass der CDU-Mann dem Präsidenten einen Besuch abstatten würde. Ein mahnendes Wort aus dem Koalitionslager, wurde prompt gemutmaßt. Das Bundespräsidialamt widersprach: Der Termin sei schon vor Monaten angesetzt worden.

Viel Zeit hat Wulff an diesem Morgen nicht für Gröhe. Bald fahren die ersten Botschafterlimousinen vor. Rund 200 Diplomaten, die nach Deutschland entsendet wurden, hat Wulff in seinen Amtssitz eingeladen. Auch ein paar Vertreter internationaler Organisationen sind dabei. Die dunklen Karossen stauen sich vor dem Schloss.

Um elf Uhr öffnet sich drinnen die Tür im Langhanssaal. Wulff tritt heraus, zusammen mit Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und dem Entwicklungsstaatssekretär Hans-Jürgen Beerfeltz. Dessen Ressortchef Dirk Niebel (FDP) ist derzeit nicht im Lande. Die drei stellen sich auf für die Begrüßung. Es war in eben diesem Saal, in dem Wulffs Vorgänger, Horst Köhler, am 31. Mai 2010 mit knappen Worten seinen Rücktritt erklärte. Aber über Rücktritte redet man im Schloss Bellevue derzeit nicht besonders gerne.

Westerwelle hat für die Diplomatenparade ein freundliches Gesicht aufgesetzt. In der Runde der Botschafter ist der deutsche Chefdiplomat in seinem Element. Wulff mag ein heiteres Gesicht dagegen nicht recht gelingen. Der Bundespräsident schaut wenig glücklich drein. Er wirkt angespannt. Ob das an dem Gespräch mit Gröhe oder der allgemeinen Situation liegt, bleibt sein Geheimnis. Den Anfang macht der vatikanische Botschafter in Deutschland, Jean-Claude Périsset. Dann kommt der turkmenische Botschafter.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Nirgendwer.

10.01.2012, 15:55 Uhr

Zitat aus dem Artikel:
"Das Defilee ist um Viertel vor zwölf beendet. Bei seiner anschließenden Rede im Schloss Bellevue spricht Wulff vom Einsatz für Demokratie und Menschenrechte, vom Kampf gegen Rechtsextremismus und Ausgrenzung."

Aha, er denkt schon wieder nur an sich selbst und kämpft "in eigener Sache" ("auch Bundespräsidenten haben Menschenrechte").

Clown

10.01.2012, 16:32 Uhr

So, jetzt durfte der Kleine auch mal König spielen. Aber nu muss auch gut sein.

gerhard

10.01.2012, 17:41 Uhr

Ein Dutzend Fernsehkameras und zig Journalisten belauern an diesem Dienstag das Diplomaten-Defilee im Amtssitz von Bundespräsident Christian Wulff…Dessen Augenbrauen bleiben zwar ruhig, sein Gesicht erzählt trotzdem einiges.
Na – bitte. Alles spricht wieder von Wulff – und er zumindest mit seinem Gesicht auch wieder, denn er „erzählt trotzdem einiges“, heißt es ja hier. Man braucht also gar keine Telefon –mailbox unbedingt dazu. Den Anfang macht der vatikanische Botschafter in Deutschland. Dann kommt der turkmenische Botschafter und pro 13,5 Sekunden dann der Rest. Business as usual – oder anders aber „schloddrig“ gesagt- alles geht wieder seinen sozialistischen Gang – zumindest sagte man so etwas früher einmal auf diesem Längengrad.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×