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13.06.2013

15:10 Uhr

Die Flut und ihre Folgen

Das große Reinemachen

VonMaike Freund

Die Metropole Dresden? Eine Geisterstadt. Das Städtchen Pirna? Erinnert an einen Schrottplatz. In der Elbregion beginnt das Aufräumen nach der Flut – und es schlägt die Stunde der Schadenregulierer. Ein Stimmungsbericht.

Teure Flut

Die Kosten des Hochwassers

Teure Flut: Die Kosten des Hochwassers

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Dresden/PirnaUmgekippte Sofas, aufgeweichte Regale, kaputte Waschmaschinen: In Pirna, 30 Kilometer südöstlich von Dresden, sieht es aus, als wären Plünderer durch die Straßen gezogen und hätten wahllos alles, was sie nicht brauchen konnten, aus den hübschen Häuschen auf die Straße geworfen. Doch in Pirma waren keine Randalierer unterwegs, sondern nur das Hochwasser. Das unbrauchbare Mobiliar haben die Eigentümer selber auf der Straße entsorgt. Es musste sein. Bevor es anfängt zu schimmeln.

Pirna hat es hart getroffen. Die ganze historische Altstadt stand unter Wasser. Jetzt, da sich das Wasser zurückzieht, geht es ans Aufräumen. Und so kommt das einzig Geräusch, das in den Straßen zu hören ist, von den Entfeuchtern in den Wohnungen.

Auch im Gasthaus „Waldpark“ wird aufgeräumt. Dorthin ist heute Ronny Steglich, Agenturleiter der Sparkassen Versicherung Sachsen, unterwegs. Gerade sind seine Tage sehr lang. Sechs bis sieben Schadensmeldung überprüft er pro Tag. Er weiß: Das wichtigste ist jetzt, dass die Menschen Geld bekommen. Also zahlt die Versicherung eine Anzahlung, auch wenn der endgültige Schaden noch nicht feststeht.

Auch das Ehepaar Schwemmer, denen das Gasthaus „Waldpark“ gehört, bekommt Geld. Zum Glück. Denn es ist ja nicht nur der Hochwasserschaden, der die Betreiber belastet, sondern auch der Betriebsausfall und die Fortzahlung der Angestellten. Auch das ist durch ihre Elementarversicherung abgedeckt. Doch bis das Gasthaus wieder öffnen kann, werden Monate vergehen. Und Grit Schwemmer weiß schon jetzt nicht mehr, wo ihr der Kopf steht.

Versicherer schätzen Flut-Schäden

Allianz

Das Hochwasser in Deutschland wird die Allianz nach Analystenschätzungen etwas teurer zu stehen kommen als die Flut 2002. JP-Morgan-Analyst Michael Huttner veranschlagt die Schadensumme für den deutschen Marktführer im Inland in einer Kurzstudie auf 350 Millionen Euro. Das wäre mehr als die 330 Millionen Euro vor elf Jahren.

(Stand: 10. Juni 2013)

Gartenbau Versicherung

Ein Spezialist unter den Versicherer: Dennoch wird die Gesellschaft wohl mehrere Millionen Euro an Schäden begleichen müssen. Allein in Sachsen sei mit einem Schaden von zwei Millionen Euro zu rechnen.

(Stand: 4. Juni 2013)

Gothaer Versicherung

Dem Unternehmen sind etwa 1000 Schäden gemeldet worden mit einem Schadensvolumen von etwa 20 Millionen Euro. Vorstandschef Thomas Leicht rechnet mit einem weiteren Anstieg auf das Niveau der Flut von 2002 – damals seien Schäden in Höhe von 30,2 Millionen Euro gemeldet worden.

(Stand. 7. Juni 2013)

R+V Versicherung

Bei der Versicherung der Volks- und Raiffeisenbanken sind etwa 2.000 Berichte über Schäden eingegangen und es sei kein Ende in Sicht, so eine Sprecherin. Es werde ein „Spitzenschaden“.

(Stand: 6. Juni 2013)

Signal Iduna

Die Versicherung erwartet einen Schaden von bis zu 50 Millionen Euro und damit mehr als im Jahr 2002.

(Stand: 10. Juni 2013)

SV SparkassenVersicherung

Die Gesellschaft rechnet mit einem Schaden in Höhe von 40 Millionen Euro auf Basis von insgesamt 7.500 Schadensmeldungen.

(Stand: 10. Juni 2013)

Versicherungskammer Bayern

Die Gesellschaft rechnet mit einem Schaden von 40 Millionen Euro.

(Stand: 5. Juni 2013)

Württembergische Versicherung

Das Unternehmen rechnet mit einem Schadenaufkommen von gut 50 Millionen Euro. 2002 hatten die Überschwemmungen an Oder und Elbe 44 Millionen Euro gekostet.

(Stand: 10. Juni 2013)

Versicherter Schaden 2002

Deutschlandweit belief sich der versicherte Schaden des als Jahrhundertflut bezeichneten Elbe-Hochwassers vor elf Jahren auf 1,8 Milliarden Euro. In ganz Europa mussten die Versicherer damals nach Daten der Münchener Rück 3,5 Milliarden Euro zahlen.

Versicherter Schaden 2013

Der Branchenverband GDV geht von Kosten aus, die über denen von 2002 liegen. Der Schaden würde in Deutschland also die Marke von 1,8 Milliarden Euro übersteigen. Experten des Dienstleister Aon gehen sogar von vier Milliarden Euro Schäden für die deutsche Versicherungswirtschaft aus. Die Ratingagentur Fitch erwartet immerhin 2,5 bis 3 Milliarden Euro.

(Stand: 12. Juni 2013)

Deutschlandweit sind nur 32 Prozent gegen Hochwasser versichert, in Sachsen seien es immerhin 40 Prozent, sagt Ute Andrä von der Sparkassen Versicherung. Dass es nicht mehr sind, kann sie nicht verstehen. Denn eine Elementarversicherung für ein normales Einfamilienhaus koste nur 70 Euro pro Jahr.

Die Sparkassen Versicherung Sachsen ist ein regionaler Versicherer mit einem Marktanteil von fünf bis zehn Prozent. Eine andere Versicherung hätte das Gasthaus „Waldpark“ wohl nicht versichert, weil es durch die direkte Elblage in der höchsten Gefahrenzone liegt. Die Sparkassen Versicherung hat sie trotzdem genommen, wenn auch zuvor Schadensverhütungsmaßnahmen vereinbart wurden: „Das sind unsere Kunden, die uns finanzieren“, sagt Steglich. Es sei auch die soziale und gesellschaftliche Verantwortung der Versicherung für die Region zu sorgen.

Zwanzig Schadenregulierer sind von der Sparkassen Versicherung Sachsen vor Ort im Einsatz. Zehn steuern die Schadensaufnahmen im Büro. Und es gibt Unterstützung von der Provinzial aus Nordrhein-Westfalen, weil der sächsische Versicherer allein die Kapazitäten für die bisher rund 1000 eingegangenen Schadensmeldungen nicht hat.

Kommentare (6)

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Sachsensumpf

13.06.2013, 16:29 Uhr

Pirna hat jetzt also Häuser mit direkter Donaulage. Aha. So schlimm ist die Katastrophe schon.

Account gelöscht!

13.06.2013, 17:16 Uhr

Schlimm genug, dass manche keine Versicherung gegen Elementarschäden haben. Hat sich schon mal jemand ernsthaft gefragt, warum das wirklich so ist?

Kann es sein, dass Versicherungen den Betroffenen nach der Flutkatastrophe vor 11 Jahren die Versicherungen gekündigt haben, und die Betroffenen keine neue abschliessen konnten? Das ist mal Punkt 1.

Punkt 2 ist: Warum gibt es in den betroffenen Gebieten so wenig Hochwasserschutz? Ahhhh ich erinnere mich: Da sind ja die Bürgerinitiativen, wie beispielsweise in Bitterfeld, die das verhindert haben. Das sie die Leute, die auf Anhöhen wohnen und die Gäste ihrer Ferienhäuschen oder Wohnungen keinen freien Blick mehr haben auf das Flüsschen Elbe, wenn da ein Deich aufgeschüttet würde. Ohhh was für ein Jammer, dann gäbe es keine Feriengäste mehr (Ironie aus). Diese Leute würde ich heute alle in Regress nehmen.

AvN

13.06.2013, 18:05 Uhr

"Die Metropole Dresden? Eine Geisterstadt"
Was soll das ! Waren Sie überhaupt in Dresden. Die Geschäfte haben geöffnet, die Menschen sitzen draußen in Cafés und essen Eis. So schlimm die Katastrophe auch ist, das Leben geht weiter die Lebensfreude und der Aufbauwille der Einwohner ist ungebrochen. Warum berichten Sie nicht davon. Mit Ihrer polemischen Krisenberichterstattung schädigen Sie noch eine Region die vom Tourismus lebt. Ich hoffe nicht, dass sich das Handelsblatt allmählich auf Bildzeitungsniveau begibt. A.K. aus Dresden

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