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19.02.2012

23:17 Uhr

Die Gauck-Gespräche

Eingeknickte Kanzlerin

Angela Merkel hat in der Gauck-Frage etwas für sie sehr Unerwartetes getan: Sie gab klein bei - und das gegen den geschwächten Partner FDP. Und doch könnte die Kanzlerin aus ihrer 180-Grad-Wende noch Profit schlagen.

Gauck soll Bundespräsident werden

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BerlinDie FDP hat hoch gepokert und gewonnen. Der kleine Koalitionspartner der Union schlug sich im Ringen um einen neuen Bundespräsidenten auf die Seite der Oppositionsparteien SPD und Grüne und unterstützte deren Kandidaten Joachim Gauck. Ein Schachzug gegen die Königin, der das ganze Brett hätte umwerfen können. Zunächst sperrte sich die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel dagegen - dann gab sie zur allgemeinen Überraschung nach.

Eine späte Genugtuung für SPD und Grüne, die den DDR-Bürgerrechtler Gauck schon 2010 als Gegenkandidaten zu dem am Freitag zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff aufgestellt hatten. Wulff brauchte damals drei Anläufe, um ins Amt gewählt zu werden.

Umzingelt: Dem Druck des Koalitionspartners FDP sowie von SPD und Grünen hat Bundeskanzlerin Merkel nachgegeben. dpa

Umzingelt: Dem Druck des Koalitionspartners FDP sowie von SPD und Grünen hat Bundeskanzlerin Merkel nachgegeben.

Mit ihrem Einlenken, das in der Union nicht erwartet worden war, sprang sie dem Vernehmen nach über einen sehr großen Schatten. Denn immerhin kann dies als Eingeständnis gelten, dass sie im Sommer vor zwei Jahren mit Wulff eine falsche Entscheidung traf. Andere sprechen von Größe, die Merkel nun bewiesen habe.

Bei den Verhandlungen über einen parteiübergreifenden Kandidaten am Sonntag im Kanzleramt hatte die Koalition kurzzeitig auf der Kippe gestanden, berichteten Mitstreiter von Union und FDP. Die FDP-Spitze schickte in einer Verhandlungspause der Kanzlerin das unmissverständliche Signal, Gauck zu unterstützen. Die Union funkte zurück: Mit uns nicht. Und mit Merkel nicht. Seit ihrem Bestehen war die schwarz-gelbe Koalition noch nicht so nah am Scheitern.

Kaum einer hätte geglaubt, dass Merkel am Abend dann eine 180-Grad-Drehung macht. Möglicherweise hatte die Kanzlerin mehr als Deutschland im Blick. Inmitten der schweren Euro-Krise, wo viele EU-Staats- und Regierungschefs auf die Kanzlerin schauen, hätte eine Regierungskrise auch noch im stärksten Land der Europäischen Union zusätzliche tiefe Verunsicherung auslösen können.

Kommentare (16)

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Question

20.02.2012, 00:09 Uhr

' Eingeknickte Kanzlerin '

Die Schlagzeilen im Handelsblatt werden immer tendenziöser und defätistischer.

Was daran ist bitte 'eingeknickt', wenn sich Merkel schließlich für den breiten Konsenskandidaten entscheidet und damit implizit eine frühere Fehlentscheidung eingesteht, sowie den Boden für eine große Koalition bereitet, die Konstellation, die Ihr ehe von Anfang an lieber gewesen wäre?

Sie hat damit wohl eher Größe gezeigt, etwas, zuwas das Handelblatt mit seinem schwachsinnigen Headlining offenbar nicht mehr in der Lage ist. Da wird einfach nur wieder weiter rumgemeckert..... in der fälschlichen Hoffnung, dass wirtschaftlich interessierte Leser einen Spiegel-Geruch an einer Wirtschaftszeitung toll fänden....

Radek

20.02.2012, 02:06 Uhr

Nun ja, Sie ist insofern eingeknickt, da Herr Gauck alles andere als ihr Kandidat war. Erst als die FDP erkannte, dass ihr uneingeschränktes Votum für Gauck ihre Position im Regierungsbündnis wieder zu stärken in der Lage war, ist Frau Merkel tatsächlich eingknickt, schlicht weil ihr nichts anderes übrig blieb, wollte sie nicht eine schwere Krise in der Koalition riskieren. Merkel handelte unter Zwang. Sie weiß genau , dass das Durchsetzen des Kandidaten eher als ein Erfog von Rot-grün interpretiert wird, trotzdem vermochte sie nicht anders zu handeln. Was sie letzendlich aus dieser für sie unbefriedigenden Lage macht, steht auf einem anderen Blatt oder wird in einer anderen Partie entschieden, wenn man das Bild des Schachspiels bevorzugt.
Wer Spaß an dererlei Dingen hat, die sich "Politik" nennt konnte heute abend genußreiche und interessante Stunden verbrigen und ein Szenario beobachten wie Politik "gestaltet" und zelebriert wird.

Radiputz

20.02.2012, 02:21 Uhr

Hier wurde erpresst und nicht "gestaltet" und zwar hat die FDP Frau Merkel erpresst. Der Schwanz hat dieses Mal also mit dem Hund gewackelt und der geprügelte Hund war in diesem Fall die Kanzlerin, die diese bezogene Prügel aber durchaus bei Gelegenheit zurückgeben kann allerdings nur unter Einbuße des Schwanzes.

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