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16.08.2013

12:26 Uhr

Die große Gängelei

Fürsorgender Staat oder Regelmonster?

Wo darf der Staat uns gängeln? Beim Tempo auf der Autobahn sind wir liberal, beim Dosenpfand autoritär. Über Reizthemen wie Flaschenpfand oder Tempolimit lässt sich trefflich streiten. Ein Pro und Contra.

Auf vielen Autobahnabschnitten ist schon Tempo 120 als Höchstgeschwindigkeit vorgeschrieben. dpa

Auf vielen Autobahnabschnitten ist schon Tempo 120 als Höchstgeschwindigkeit vorgeschrieben.

DüsseldorfStaatliche Regeln und Verbote polarisieren die Gesellschaft. Das war schon so, als die USA 1919 das Alkoholverbot einführten. Jede Zeit hat ihre besonderen Vorschläge. Heute bringt die Idee eines fleischlosen Tages in den Kantinen viele Deutsche auf die Palme.

Immer geht es dabei auch um die Abwägung verschiedener Werte. Von individueller Freiheit und Gesundheit, Umweltschutz oder wirtschaftlichen Erwägungen. Dabei können die Positionen stark differenzieren. Ein Pro und Contra der Handelsblatt-Redaktion zu den größten Reizthemen.

Tempolimit auf Autobahnen

Pro

Für die Amerikaner bedeutet Freiheit: Jeder darf eine Waffe besitzen. Diese Freiheit hat einen hohen Preis. Jedes Jahr sterben Tausende Amerikaner durch den Einsatz von Schusswaffen. Die meisten Deutschen können darüber nur den Kopf schütteln. Doch auch wir leisten uns eine absurde Freiheit, die anderswo keiner nachvollziehen kann: Auf deutschen Autobahnen darf jeder so schnell rasen wie er will.

Mallien Jan

Jan Mallien, geldpolitischer Korrespondent.

Niemand kann genau beziffern, wie stark sich ein Tempolimit auf die Unfallstatistik auswirken würde. Klar ist aber: Die Gesetze der Natur lassen sich nicht aushebeln. Je schneller ein Auto fährt, desto schwerer lässt es sich für den Fahrer kontrollieren. Wer um jeden Preis Geschwindigkeit will,  neigt zudem eher zur Drängelei  oder setzt auch mal die Lichthupe ein. Nach Berechnungen des Verbands  Unfallforschung der Versicherer (UDV) ließen sich durch ein Tempolimit knapp 80 Getötete pro Jahr vermeiden.

Das wäre allemal Grund genug für ein Gesetz. Es ist aber längst nicht das einzige Argument. Auch aus Umweltgründen macht ein Tempolimit Sinn. Nach Schätzungen des Umweltbundesamtes ließen sich durch eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 120 Stundenkilometern fast drei Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr einsparen. Das wären zehn Prozent aller auf Autobahnen entstehenden Emissionen.

Nicht zuletzt würde ein Tempolimit dafür sorgen, dass die meisten Autofahrer schneller und nicht langsamer an ihr Ziel kommen. Was erst mal paradox klingt, hat einen einfachen Grund. Wenn jeder so schnell fährt, wie er will, kommt es zwangsläufig zu starken Geschwindigkeitsunterschieden. Diese wiederrum führen dazu, dass viele Autofahrer auf den Mittelstreifen ausweichen müssen, wo sich der Verkehr ballt. Das Ergebnis sind Staus.

Die Argumente für ein Tempolimit sind so gewichtig, dass fast alle Länder auf der Welt es eingeführt haben. Nur Deutschland bleibt die Ausnahme. Das sollten wir ändern!

Jan Mallien

Contra

Das generelle Tempolimit kommt Politikern in Wahlkampfzeiten regelmäßig sehr gelegen. Die Argumente liegen fertig auf dem Tisch, der Nutzen längst bewiesen. Oder? Es ist eines dieser typischen Leuchtturm-Projekte, die sich Politiker auf die Fahnen schreiben wollen. Seht her, ich kämpfe für die Umwelt und für Sicherheit auf deutschen Straßen!

Handelsblatt-Autor Sebastian Schaal. Sebastian Schaal

Handelsblatt-Autor Sebastian Schaal.

Wirft man aber einen Blick auf den Verkehr, der tagtäglich über unsere Straßen rollt, sieht das Bild anders aus. Eine Geschwindigkeitsbeschränkung löst die andere ab, Abschnitte ohne Tempolimit sind selten. Es geht hier nur um einen Bruchteil des deutschen Straßennetzes, auf dem statistisch gesehen nicht einmal bedeutend mehr Unfälle passieren als auf Straßen mit Tempolimit.

Besonders schwere Unfälle passieren auf schlecht gesicherten Landstraßen, wo oft keine Leitplanken die Autos vor Bäumen oder ähnlichem schützen. Besonders viele Unfälle passieren in der Stadt, kleine Kollisionen beim Parken oder Abbiegen. Wo also ist das besondere Risiko auf Autobahnen?

Was Politiker auch gerne vergessen: Die Entwicklung bei den Autos ist weitergegangen. 150 oder 160 Stundenkilometer sind in einem modernen Wagen – wir reden hier von einem Golf, keiner Luxuslimousine – ein angenehmes und vertretbares Reisetempo. 100 oder 120 Stundenkilometer sind reine Schikane.

Das wahre Problem liegt nicht an den großen Geschwindigkeitsunterschieden, sondern im mangelnden Respekt vieler Fahrer vor anderen Verkehrsteilnehmern – hier rede ich nicht nur von Autofahrern, sondern auch Lkw-, Motorrad- und Radfahrern. Etwas mehr Rücksicht auf den anderen entschärft viele Situationen. Auf der Autobahn, aber auch in der Stadt.

Sebastian Schaal

Kommentare (33)

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Account gelöscht!

16.08.2013, 13:16 Uhr

Legalize it !

Schönen Tag noch
Landshark, Pirat

Account gelöscht!

16.08.2013, 13:27 Uhr

Fürsorgender Staat? Wer ist denn der Staat? Das sind die Blockparteien und es dürfte doch klar sein, dass diese "Volksvertreter" nicht die Interessen des Volkes vertreten. Deswegen wird das Volk ja auch nicht gefragt. Der Sozialismus ist auf dem Vormarsch und alles wird kaputt regiert. Und in unserem schönen Land wird sich erst dann wieder was ändern, wenn echte Volksverterter sich wieder sachlich mit wichtigen Themen befassen. Davon ist die Parteienlandschaft Lichtjahre entfernt. Es wird nur noch Symbolpolitk betrieben, welche der Bürger bezahlen kann. Nur das kann sich unser Land immer weniger leisten.
Geschwindigkeitslimit. Haben die keine anderen Baustellen?

scharfschuetze

16.08.2013, 13:28 Uhr

Viele der lokalen Tempolimits sind überhaupt nicht wegen Sicherheit oder Umweltschutz eingerichtet, sondern nur zum Abkassieren.
Wenn man auf der Straße was zum Umweltschutz tun wollte,
würde ein Verbot von Uralt-OstblockLKW´s was bringen.
Jede von diesen Dreckschleudern rotzt an einem Tag mehr Schadstoffe in unsere Luft als ich mit meinen Fahrzeugen im ganzen Leben.
Und wer verursacht auch die meisten schweren Unfälle auf der Autobahn? Nicht die vielgeschmähten Raser, sonder wieder die LKW´s.
Aber kein Politiker traut sich da ran.

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